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Mehrwertsteuer

Rothkirch

Mecklenburg-Vorpommern

Steuerentlastung löst Investitionsschub aus

Auf Rügen stecken Hoteliers die Mehrwertsteuersenkung jetzt in die Renovierung ihrer Häuser / Mitarbeiter sollen gleichfalls profitieren

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2010/8 vom 20. Februar 2010
von Holger Vonberg

RÜGEN. Die Steuerentlastung von

19 auf 7 Prozent bei Übernachtungen – ein Lichtblick für die Hoteliers in Deutschland. Auch auf der Insel Rügen macht sich Erleichterung breit, obwohl von einem Steuergeschenk keine Rede sein könne, so Rügens DEHOGA-Regionalleiter Wilfried Rothkirch. „Deutschland war schließlich im Zugzwang. Frankreich, die Schweiz oder auch die Benelux-Staaten liegen bei den Abgaben an die Finanzämter immer noch deutlich unter sieben Prozent.“

Eine DEHOGA-Umfrage hat ergeben, dass jeweils 30 Prozent der Hoteliers den Mehrgewinn wieder direkt in ihre Häuser investieren würden, ihn an die Gäste weitergeben oder teilweise dem Personal und Qualifizierungsmaßnahmen zugute kommen lassen wollen. Und 10 Prozent der Unternehmer wollen laut Umfrage direkt von dieser Entlastungen profitieren.

Norman Krönert vom Binzer Hof freut sich über den etwas größeren finanziellen Spielraum. „Wir hatten lange geplant, unseren Eingangsbereich umzubauen, behindertengerecht und moderner zu gestalten. Rund 180.000 Euro kostet diese Maßnahme.“ Da sei jeder Euro hilfreich. „Schließlich wollen wir, dass unsere Gäste sich wohl fühlen. Dafür werden wir auch weiter alles tun.

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Keine Schnellschüsse

Im Jasmar Resort Rügen in Neddesitz sei noch keine Entscheidung getroffen worden, bestätigt Ralf Gerner, Resident-Manager. „Wir haben das Resort mit dem Hotel und den Ferienwohnungen erst vor wenigen Monaten von Steigenberger übernommen, sind also noch in der Umstellungsphase, stehen vor großen Investitionen und Personalentscheidungen.“ Da seien Schnellschüsse nicht hilfreich. „Wir freuen uns, dass wir Weihnachten und den Jahreswechsel sehr gut über die Bühne gebracht haben. Silvester waren wir zu 100 Prozent ausgebucht. Jetzt im Februar werden wir auch über die Steuerentlastung und die damit verbundenen Möglichkeiten nachdenken.“

Nachgedacht hat das Management der Aquamaris Strandresidenz Rügen im Seebad Juliusruh bereits. Und gehandelt. Die Preislisten für 2010 mit leicht angehobenen Übernachtungspreisen wanderten in den Papierkorb. „Wir bleiben bei den alten Preisen von 2009 und haben neue Listen drucken lassen, reichen den Vorteil also an unsere Gäste weiter“, sagt Marketingleiterin Manuela Thomas. „Wir werden Appartements modernisieren und planen, ein Blockheizkraftwerk zu bauen und mit moderner Technik Energie einzusparen. Ohne Steuersenkung wäre das nicht möglich gewesen.“ Die Travel Charme Gruppe, die Häuser in Binz, Sellin und Göhren hat, wird die Mehreinnahmen nahezu zu 100 Prozent wieder in die bestehenden Hotels stecken, so Pressesprecherin Nathalie Osterweil.

Auch Charis Schallay, Direktorin des Parkotels Rügen in Bergen, hat klare Pläne: „Das Hotel ist seit 1997 auf dem Markt. Ich habe es 2007 mit einem großen Investitionsstau übernommen. Die Steuerentlastung kommt auch für mich zum richtigen Zeitpunkt. Wir werden also viel Geld in die Renovierung stecken.“ Auch die Personalkosten habe sie im Blick. „Die Verträge für 2010 stehen zwar fest, aber Bonuszahlungen zum Jahresende schließe ich nicht aus.“

Wilfried Rothkirch hofft, dass die Beschäftigten in der Hotellerie von der Steuerentlastung profitieren werden. Noch in diesen Tagen trete der DEHOGA in Tarifverhandlungen mit den Gewerkschaften. Mecklenburg-Vorpommern habe bundesweit den niedrigsten Tarifvertrag. „Das wollen wir nach unseren Möglichkeiten ändern. Wenn wir nicht etwas tun, laufen uns die Leute weg, weil sie anderswo mehr verdienen können.“

Gastronomen nicht vergessen

Er kenne Hotels auf der Insel, die schon jetzt in ihr Personal investieren, die ihren Mitarbeitern Bildungsgutscheine für Lehrgänge an der Grone-Schule oder für Computer- oder Englischkurse zahlen. „Jedes Haus gewinnt ganz einfach durch ein gutes Betriebsklima, ordentliche Bezahlung und Qualifikation. Wir dürfen nur die Gastronomen nicht vergessen.“ Die sitzen weiter auf ihren 19 Prozent. Enttäuschung macht sich auch bei Karl Friedrich Lindmayer vom Sassnitzer Restaurant Zur Mole breit. „Wo bleibt der Gleichbehandlungsgrundsatz?“, wettert Lindmayer. Und: „Wir werden weiter kämpfen“, so der Gastronom. Holger Vonberg

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