Hessen
Technik als Wettbewerbsvorteil
Das Lindner Congress Hotel Frankfurt hat sich einen klaren USP gegeben, der auch nach zehn Jahren noch funktioniert
FRANKKFURT-HÖCHST. „Hier hat die Zukunft schon begonnen“: Das Motto des Lindner Congress Hotels Frankfurt gilt noch immer. Auch wenn Deutschlands erstes „New-Media-Hotel“ nun schon zehn Jahre auf dem Buckel hat.
Das Konzept hatte Otto Lindner jun. 1995 ersonnen. Denn mit einem USP musste sich das Hotel im wenig angesagten Stadtteil Höchst abheben. „Auch nach zehn Jahren hat sich der Slogan ,Internet bis ans Bett‘ nicht überlebt“, weiß Oliver Benz, Direktor des heutigen Lindner Hotels. Obwohl sich die Taktzahl beim Thema Neue Medien erhöht hat.
So ist die technische Ausstattung des Hotels noch immer primäres Verkaufsargument beim Werben um Konferenzkunden. Seit der Eröffnung habe man schon die dritte Generation Geräte in Betrieb, sagt Benz. Erst vor zwei Jahren wurde die Technik komplett erneuert. War anfangs nur ein Konferenzraum mit einem Beamer ausgestattet, „ist das heute ein Standard wie auch die Beschallungsanlage“, betont Benz. Er gehörte bereits dem Pre-Opening-Team des Hotels an und ist inzwischen zum Direktor aufgestiegen.
Das Outsourcen der Technik ist im Lindner nie ein Thema gewesen: „Wir machen das selbst. Das ist ein klarer Wettbewerbsvorteil bei unseren Kunden“, berichtet der Direktor. So gehört zum 82-köpfigen Lindner-Team auch ein Medien- und Kommunikationstechniker. Er kennt jede Leitung im Haus und verliert auch bei Veranstaltungen mit 25 Mikrofonen in einem Raum nicht den Überblick.
Mit 303 Zimmern ist das Lindner das größte Hotel in dem Frankfurter Stadtteil. Von Anfang an nahm man am Höchster Stadtgeschehen lebhaften Anteil. Als Mitgründer der Aktionsgemeinschaft Pro-Höchst ist Benz Protagonist für die Aufwertung des Stadtteils, der durch den Wegzug der Hoechst AG schwer gelitten hat.
Obwohl der Standort für ein 4-Sterne-Hotel als problematisch gilt, beweist der Hotelchef mit seinen Kennzahlen, dass auch in Höchst gute Geschäfte zu machen sind. Die Jahresbelegung 2006 werde wohl 68 Prozent erreichen, bei einer „sehr akzeptablen Rate“, meint er. Zwei Boardinghäuser gehören zum Hotel, die historische Villa Scriba und das moderne Haus „im Park“, mit jeweils neun Langzeitapartments, die im Jahresschnitt ebenfalls zu gut 60 Prozent ausgelastet sind. Das Gros der Gäste – jeweils etwa 30 Prozent – sind Tagungs- und Geschäftsreisende, die im Westen Frankfurts zu tun haben und dank der guten Anbindung meist gar nicht in die Stadtmitte fahren. Per Shuttle-Bus sind die Gäste schnell auf der Messe. Der Main mit seiner Uferpromenade ist nur 50 Meter entfernt.
Das Brunchbuffet am Sonntag hat auch die skeptischsten Höchster Bürger davon überzeugt, dass man im Lindner gut essen und feiern kann. Anfang des Jahres entwickelte das Hotelteam einen zweisprachigen Stadtteilführer über die schönen Seiten von Höchst. Rund 3000 Exemplare wurden bisher ausgegeben. Die Resonanz ist durchweg positiv. Viele Gäste mieten sich daraufhin ein Fahrrad oder entdecken beim Jogging die neu angelegte Mainuferpromenade, die bis Offenbach geht und nur 100 Meter vom Hotel entfernt ist.
