Sachsen
Teevariationen aus Kanne und Küche
Bildung in Bildern und Plauderei unterhaltsam vermittelt / Teeseminar im Holiday Inn / Skeptiker vom Gegenteil überzeugt
ZWICKAU Für einen Five o’clock tea opfern die Sachsen ihre Kaffeetafel nicht. Darüber war sich Diana Lang, erste Tea Master Gould eines 4-Sterne-Hotel von Anfang an im klaren. Also lud sie zu einem Teeseminar ins Zwickauer Holiday Inn ein. Bildung in Bildern und Plauderei unterhaltsam vermittelt. Verkostung illustrer Teesorten selbstverständlich inklusive. Für Höhepunkte sorgten die kulinarischen Überraschungen. Von Beaftea mit Morgenthauschaum, über Lamm in grünem Tee bis zu Parfait von grünem Tee mit Creme brûlé, kamen sie glänzend an. Hatte es vorher noch manch Skeptiker gegeben, waren schließlich alle Gäste des Lobes voll.
Der 26-Jährigen, die sich ihre Kompetenz in Sachen Tee erst ein paar Monate zuvor erarbeitet hatte, ging das natürlich runter wie Öl. Zur Master-Ausbildung hatte sie ihr Hotel delegiert. Für drei Tage Theoriebüffeln im Hause Ronnefeldt gab es den Tea Master Silver. Dann wurde in Sri Lanka noch eins draufgesetzt. „Zwei Tage lebten wir inmitten einer riesigen Teeplantage.“ Einheimische Teepflückerinnen zeigten, wie man Tee erntet sowie in traditioneller Weise welkt, rollt und fermentiert. Die folgenden Tage führten durch bekannte Teeregionen. Teemuseum und Teeauktion steuerten historische und ökonomische Kenntnisse bei. Heimgekehrt, hatte die Hotelfachfrau, die einst im Chemnitzer Renaissance Hotel gelernt hatte, allerdings eine harte Nuss zu knacken. „Was fange ich zum Nutzen des Hauses mit meinem neuen Wissen an“, fragte sich die energische Bar-Chefin. Durch ihre Stoßzeiteinsätze in CateringLieferung, Versorgung oder Bereitstellung von Speisen und Getränken durch einen Caterer.
weiter mit Mausklick..., Veranstaltungen, Frühstücksraum und Restaurant wusste sie, dass die Chancen dafür nicht eben üppig waren. Denn eingefleischte Teeliebhaber sind meist nach Vorlieben sortenfixiert. Die Seminarimprovisation mit Küchenchef Bert Beuthan könnte da ein Wegzeichen sein.
Der geborene Zwickauer hat nämlich ein nicht weniger attraktives Bildungserlebnis und ähnliche „Verwertungsprobleme“. Den 27-Jährigen hatten Holiday Inn Zwickau und das Teehaus Ronnefeldt Ende Januar mit 17 teils renommierten Köchen zu einem Kurs an die Emirates Academy of Hospitality Management in Dubai entsandt. Was er da zu Verkauf, Marketing, Finanzmanagement lernte, gehört zum Fachwissen, das man parat haben muss. Das Spannendste aber waren das Kochen am AbschlussBezeichnung für die letzte Stufe im Verkaufsprozess.
weiter mit Mausklick... mit Präsentation und Benotung und die Bekanntschaft mit Hotels, wie aus Tausend und einer Nacht. Zwickau ist alles andere als ein adäquates Aktionsfeld für solche Erfahrungen. Als Industriestandort mit hundertjähriger Automobilgeschicht, reicher Musik- und Hochschultradition, braucht sich Westsachsens Metropole nicht zu verstecken. Aber geringe Einkommen und fehlende Jobs haben ihre Spuren hinterlassen. „Die Menschen wollen für wenig Geld Handfestes auf die Teller.“ Das Quicklunch, zwei Gänge zu 5,55 bis 6,66 Euro in zehn Minuten auf den Tisch, nehmen sie gut an. Für Kreativität am Herd und hochwertige Produkte fehlt die Nachfrage.
Das war ein Grund, für Beuthan, der zur Eröffnung 1997 schon mal im Haus kochte, noch einige Wanderjahre einzuschieben. Romantik Hotel Lennhof, Heidehotel bei Münster, Steigenberger Hamburg, Forsthaus Grüna, Jagdidyll Hartenstein, zählt er Stationen auf. Am meisten hat ihn das Dortmunder „Overkamp“ als Koch geprägt. „Gutbürgerliches Haus, 300 Jahre Familientradition, Kochen für Feinschmecker und Catering“, skizziert er in Stichworten. Seit anderthalb Jahren ist er wieder daheim im Alltag, der wenig Höhenflüge erlaubt.
Das Kochen für Diana Langs Teeseminar bot da Gelegenheit zum Abheben. Im Oktober hatten sie zunächst mal einen Abend für 40, 50 Personen ins Auge gefasst. Da europäischen Speisen für Teenuancen viel zu kräftigen Eigengeschmack haben, drängen sich indische und arabische Impressionen, zu denen Tee ohnehin eine gewachsene Beziehung hat, fürs Menü auf. „Tausend und eine Nacht“ am Zwickauer Kornmarkt. Wenn die Premiere gelingt, könnte es im kulinarischen Kalender des Hauses sicher das eine oder andere Da capo geben.

