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Hamburg

Touristenlokomotive unter Dampf

Das Mekka für Modellbahn-Fans: Miniatur Wunderland lockt im vergangenen Jahr 900.000 Besucher in die Hansestadt

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2008/13 vom 22. März 2008
von

HAMBURG. Das lässt jedes Kinderherz höher schlagen, und das der Väter dazu: 830 elektrische Eisenbahnloks mit mehr als 13.000 Waggons schlängeln sich von 40 Computern gesteuert über zwölf kurvige Gleis-Kilometer. Städte und Landschaften aus Deutschland, Österreich, Skandinavien, der Schweiz und den USA, die mit einer unglaublichen Liebe zum Detail in H0-Maßstab nachgebildet wurden, werden von 200.000 individuell gestalteten Miniaturfigürchen bevölkert.

Detailtreue ist Pflicht

Allein im vorbildgetreuen HSV-Stadion haben fleißige, und vor allem ruhige Hände, 11.000 ameisengroße Fans aufgestellt. Zu einem „Live“-Konzert von DJ Bobo, das nicht nur mit einem perfekten Sound, sondern auch mit einer animierten Bühnenshow überrascht, haben sich sogar 21.000 winzige „Zuhörer“ eingefunden.

Was am Anfang nur eine fixe Idee der Brüder Gerrit und Frederik Braun zu sein schien, ist heute, sechs Jahre nach seiner Gründung eine der größten Touristenattraktion Hamburgs. 900.000 Besucher lockte das Miniatur Wunderland im vergangenen Jahr in die Speicherstadt, mehr als alle Musicals zusammen. „Es kommen nicht nur Väter mit Kindern. Der Frauenanteil beträgt inzwischen rund die Hälfte. Und etwa 70 Prozent der Besucher kommen nicht aus Hamburg oder dem Umland, sind also Übernachtungsgäste der Hamburger Hotellerie“, sagt Sebastian Drechsler. Rund10 Prozent reisen sogar aus dem Ausland an.Seitdem der Bauabschnitt Schweiz im vergangenen Jahr mit zum Teil sechs Meter hohen Gips-Alpen fertig gestellt wurde, sei der Anteil der Eidgenossen unter den Besuchern gleich um 60 Prozent gestiegen, erklärt der Firmensprecher.

Die insgesamt 6400 Quadratmeter große, privat finanzierte Anlage beschäftigt 164 Menschen, 20 davon in der hauseigenen Gastronomie. Die hier entwickelte Kreativität fällt zwar deutlich hinter die zurück, die der Eisenbahnanlage gewidmet wurde, erfüllt aber ihren Zweck. Das einfach möblierte Selbstbedienungsrestaurant bietet 180 Gästen Platz und konzentriert sich auf preiswerte Hausmannskost wie Gulasch mit Nudeln und Schnitzel mit Salat (jeweils 5,90 Euro). Trotzdem ist es ein wichtiger Teil des Spielzeuglandes, nicht nur wegen der zusätzlichen Einnahmen. „Manche Gäste verbringen den ganzen Tag hier, weil es immer wieder neue Details zu entdecken gibt. Die brauchen einfach mal eine Pause zum Essen und Trinken“, erklärt Drechsler.

Längst ist das Miniatur Wunderland keine reine Modelleisenbahnanlage mehr. Mehr als 5500 Miniautos fahren ferngesteuert über kleine Straßen oder stehen im täglichen Stau. Riesige Containerfrachter übernehmen die Ladung der Eisenbahnen und schippern von Geisterhand gesteuert durch ein künstliches Hafenbecken. In Bau ist gerade ein Flughafen, auf dem Modellflieger täuschend echte Starts und Landungen hinlegen werden. Die vorläufigen Ausbaupläne reichen bis ins Jahr 2015. Mathias Thurm

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