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Exotische Umgebung setzt Kontraste: Ostafrikanisches Ambiente im Gastraum, doch kulinarisch dominiert bei Hella und Hans-Bernd Jäckel die traditionelle Küche mit mediterranem Touch Foto: Peter Hanser

Saarland

Traditionsküche mit Afrika-Kolorit

Vom dörflichen Gasthof zum Afrika-Restaurant mit originalem Kolonial-Interieur / Zweideutiger Name weckt Gästeinteresse

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2007/24 vom 16. Juni 2007
von

WEISKIRCHEN. Dieses Jahr steht ganz im Zeichen des 100. Geburtstages des ehemaligen Gasthauses Wiesen in Weiskirchen, das heute den Namen „Afrika-Stuben“ trägt. Der fühere Name ist nicht nur bei den älteren Leuten in der Umgebung noch fest in den Köpfen verankert. Dabei führt der gastronomische Betrieb mit großem Gesellschaftssaal und Kegelbahn schon seit 1968 seinen neuen Namen.

Ein Restaurant im eher landwirtschaftlich geprägten nördlichen Saarland mit diesem exotischen Namen? Dies fragen sich vor allem neue Besucher immer wieder beim Versuch, die abenteuerliche Verbindung zwischen einer Weiskircher Lokalität und dem schwarzen Kontinent zu ergründen.

Gibt es dort nur fremde, afrikanische Gerichte? „Der Name klingt zweideutig, weckt aber umgekehrt auch Interesse“, weiß Hotelfachfrau Hella Jäckel, die zusammen mit ihrem Mann, Küchenmeister Hans-Bernd, den Betrieb als Service-Chefin in der dritten Generation führt. Und nun schließt sich der Kreis, denn ihr Großvater, Wilhelm Wiesen, legte seinerzeit vor einem Jahrhundert den Grundstein für das Gasthaus Wiesen.

Zahlreiche Waffen und Jagdtrophäen afrikanischer Tiere, allesamt Originale, schmücken den Gastraum. Speere und Buschmesser, ein Paradepaddel mit Schild. Diese Dekor-Elemente stammen vom Gründer des Hauses, der von 1906 bis 1914 als Offizier in der Schutztruppe des in Saarlouis gebürtigen Generals von Lettow-Vorbeck in Deutsch-Ostafrika diente. Wilhelm Wiesen sammelte diese Raritäten, die heute die Wände der „Afrika-Stuben“ zieren.

Doch kulinarisch überzeugt das Ehepaar Jäckel nicht mit exotischen Spezialitäten, sondern mit einer traditionell ausgerichteten Küche – mit mediterranem Ton und saisonalen Finessen. Wie wird ein Betrieb über ein Jahrhundert fest in Familienhand geführt? „Kontinuierlich gut bleiben, immer Qualität bieten, freundlicher Service, seine Gäste kennen, neue Gäste beim nächsten Mal wiedererkennen“: Das Erfolgsrezept ist für Hella Jäckel eigentlich keine Hexerei, doch die Pflege solcher gastronomischen Tugenden über einen derart langen Zeitraum ist bedauerlicherweise längst nicht mehr überall die Regel.

Die Rolle innerhalb der örtlichen Gastronomie hat sich geändert. Diente die Gaststätte einst als Heimstatt für Vereine, haben diese heute selbst Clubhäuser. Die dörfliche Kneipe ist passé, das Restaurant dominiert – und trotzdem hat vor allem am Sonntag, nach der Messe, der Frühschoppen am Tresen nach wie vor Tradition.

Zu den Kunden dieses Restaurants, etwas abseits des Verkehrs gelegen („Bei uns fällt automatisch niemand zur Tür herein“), zählen Kur- und Parkhotelgäste, zudem die Mundpropaganda-Klientel: „Wer einmal bei uns war, kommt in Abständen immer wieder gerne.“ Als Adresse für internationale Biker-Clubs mit Einkehr-Empfehlung in einem Tourentipp-Reiseführer haben sich die „Afrika-Stuben“ längst einen guten Namen gemacht. Hella und Hans-Bernd Jäckel geraten ins Schwärmen, wenn beispielsweise der Harley-Club aus Holland mit seinen chromblitzenden Maschinen optische Akzente rund ums Restaurant setzt.

Bleibt noch zu erwähnen, dass monatlich im Jubiläumsjahr spezielle 3-Gänge-Menüs die Tageskarte aufwerten. Eine Jubelfeier zum 100-Jährigen soll gegen Jahresende steigen. Und dann wäre der nächste runde Geburtstag auch nicht mehr fern, da die Umbenennung in „Afrika-Stuben“ schließlich 1968 erfolgte. Peter Hanser

www.afrikastuben.de

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