Nordrhein-Westfalen
Transparente Esskultur
Im „Schultenhaus“ in Attendorn erwartet die Gäste gepflegte Küche und Kunst / Starkes Marketing
ATTENDORN. Den Köchen auf die Finger schauen. Das können die Gäste im Restaurant Schultenhaus in Attendorn. Bisher nur hin und wieder mal, aber es könnte bald regelmäßig geschehen. Denn in dem neuen Restaurant in der sauerländischen Kreisstadt gilt das Motto „Esskultur erleben“. Dazu gehören auch die kleinen „alten Meister“ in den verschiedenen Gasträumen. Doch nicht Kunstwerke verbergen sich hinter den barocken Rahmen, sondern Monitore.
Auf diesen können sich die Gäste von Filmaufnahmen in Zeitlupe, zumeist von Attendorner Ansichten, anregen lassen oder aber zuschauen, wie ihr Essen zubereitet wird. Denn derzeit dreimal pro Stunde überträgt die Technik einige Minuten lang live die Ereignisse aus der Küche. Zwei Kameras vermitteln eine Ansicht aus verschiedenen Blickwinkeln.
Die drei Köche des Hauses haben sich schnell an den „Big Brother“ gewöhnt und empfinden die stille Beobachtung nicht als störend. Beschwerden darüber, dass jemand mal etwas beobachtet hat, was ihm nicht gefiel, habe es bisher noch nicht gegeben.
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Ohnehin finden die Gäste diese Übertragungen bisher nur interessant oder freuen sich schon mal: „Ach, da macht er ja gerade meinen Salat!“
Zentraler Küchenblock
Erst vor wenigen Monaten wurde das „Schultenhaus“ in der Attendorner Innenstadt eröffnet. Das Fachwerkhaus mit dem anregenden Ambiente findet nicht nur viel Anklang bei der heimischen Bevölkerung, sondern auch bei den zahlreichen, in der Stadt angesiedelten, Industriebetrieben. Der Besitzer ist ein Unternehmer, der keinen Aufwand scheute, um dieses ungewöhnliche Objekt mit gastronomischem Leben zu erfüllen. Dafür ließ er das ehemalige Domizil des Heimatdichters Johannes Schulte komplett abtragen und neu aufbauen.
Dem Charakter des Hauses entsprechend wurde dabei die Unterteilung in verschiedene kleine Räumlichkeiten wiederholt. Jeder einzelnen davon verpasste eine Duisburger Firma ein unverwechselbares, komfortabel-elegantes Outfit. Das Kernstück ist die Eibach-Küche im mittleren Raum des Hauses, in dem mit Induktionstechnik gekocht wird. An einem großen zentralen Küchenblock können alle Speisen auf engstem Raum zubereitet werden. Ein Verfahren, dass ein nahtloses Hand-in-Hand-Arbeiten ermöglicht.
In einem Raum mit Flügel werden einmal pro Woche Live-Musikabende veranstaltet. Auch ein „Hochzeitszimmer“ wurde eingerichtet. Dort finden auch Tagungen statt.
Das Schultenhaus ist das erste gastronomische „Kind“ der Eventagentur „Resolé“, deren Geschäftsführer Uli Skrowny auch die Geschicke des Restaurants leitet. Weitgehende Verantwortung hat er dabei allerdings an Restaurantleiterin Barbara Schirmeyer und Küchenchef Karl Josef Hawelka delegiert. Sie haben sich an Vorgaben zu halten, können aber in einem bestimmten Rahmen sehr frei wirtschaften.
Marketing wird von Uli Skrowny „sehr groß“ geschrieben. Er setzt auf Homepage, Newsletter und Aktionen. Für letztere werden zudem in der Regel Anzeigen geschaltet. Dazu gehört das beliebte Eintopfessen am Samstag, saisonale Speisenangebote wie derzeit die „Herbststimmung“, der gelegentlich stattfindende Brunch oder kulinarische Veranstaltungen wie „Rheinland meets Sauerland“. Das Zuhause des Dichters soll natürlich auch dem Namensgeber zur Ehre reichen. Dichterlesungen sowie eine Ausstellung mit Utensilien von Johannes Schulte sind ebenfalls geplant. Renate Ostlender

