Berlin
Traumjob Kneipenbesitzer
Viele Prominente haben ein zweites Standbein als Gastronom, aber nicht jeder von ihnen ist dazu geboren
BERLIN Arnold Schwarzenegger, Claudia Schiffer, Johnny Depp und Justin Timberlake haben es vorgemacht: Sie sind nicht nur Künstler, sondern auch Gastronomen. Ob Café, Restaurant, Live-Club oder Saftbar – vor allem Schauspieler wollen in der Branche Fuß fassen.
Die Schauspielerinnen Esther Schweins und Niki Greb haben Ende 2004 die Saftbar „Grashopper“ in der Oranienburger Straße eröffnet. Auf der Karte stehen Suppen, Sandwiches und kleinere warme Speisen. Das Essen wird auf vegetarischer oder veganer Basis direkt vor den Augen des Gastes zubereitet. „Das Ergebnis sind interessante Kombinationen und stellenweise experimentelle Gerichte“, erklärt Filialleiterin Gabriele Guhr.
Die Idee brachten Esther Schweins und Niki Greb aus Amerika mit. Sie wollten den Deutschen zeigen, wie bunt und kreativ ausgewogene Ernährung sein kann. „Wenn die beiden neben den Filmdrehs Zeit finden, kommen sie auch mal im Grashopper vorbei. Als Gäste, aber auch zum Arbeiten. Yvonne Catterfeld und Jasmin Wagner schauen auch öfter rein“, verrät Gabriele Guhr. Obwohl es Kunden gibt, die extra wegen der berühmten Besitzerinnen kommen und direkt nach ihnen fragen, beteuert die Filialleiterin: „Der Umsatz ist hauptsächlich wegen der Qualität der Speisen und Getränke so gut. Die Namen Schweins und Greb sind zweitrangig.“
Radio1 bewirbt nicht nur die Kneipen von Promis, Moderator Robert Skuppin eröffnete vor einem Jahr selbst das „Waschmaschinewsky“ in Friedrichshain. Die Idee sei ihm während eines Polen-Urlaubs gekommen. Seitdem verwöhnt er seine Gäste mit polnischen Speisen und aus Polen importiertem Bier. Cocktails werden passend zum Namen in einer Waschmaschine gemixt. „Umsatzschwankungen wegen des prominenten Mitbesitzers können wir nicht feststellen“, sagt Geschäftsführerin Judith Nathan. Wenn Robert Skuppin da ist – meist einmal die Woche – kommen mehr Gäste. Er kellnert häufig selbst.
Anders als Boxer Ralf Rocchigiani. Der ist in seinem Sportcafé „Rocky’s Inn“ fast täglich anzutreffen, aber nur als Gast. „Die meisten Gäste kommen wegen Rocky. Sie wollen ein Autogramm oder Boxhandschuhe signieren lassen“, erzählt Mitarbeiterin Sonia Petuchow, die von Anfang an im „Rocky’s Inn“ mit dabei ist. Wenn der Star da ist, steigt der Umsatz. Die Gäste bleiben länger, trinken mehr, geben auch mal eine Runde aus und kaufen mehr Merchandising-Artikel. „Wir sind nur ein kleines Café, da ist der prominente Name sehr hilfreich.“ Außerdem heißt das Sportcafé nicht nur nach seinem berühmten Besitzer, sondern hat sich auch in der Ausstattung dem Boxsport verschrieben. An den Wänden hängen Box-Bilder.
Das Urgestein unter den Promi-Restaurants ist zweifelsohne das „Terzo Mondo“ in der Grolmannstraße. Das Lokal besteht seit mehr als 20 Jahren und kann sich nicht über Umsatzprobleme beklagen. Der Besitzer, „Lindenstraßen“-Schauspieler Kostas Papanastasiou, eröffnete das „Terzo Mondo“, bevor er mit der Serie berühmt wurde. „Es kommen immer mal wieder Gäste, die mich sehen und Autogramme haben wollen. Aber das war in den Cafés und Restaurants anderer Prominenter ähnlich – und sie mussten trotzdem schließen“, erzählt Kostas Papanastasiou. In seinem Restaurant ist er häufig anzutreffen, zu seinen Gästen pflegt er ein familiäres Verhältnis. „Ich unterhalte mich gern mit ihnen und beantworte ihre Fragen. Wenn das Konzept nicht stimmt, ist auch der Promi-Status nichts Wert.“ Im „Terzo Mondo“ gehört die griechisch-mediterrane Küche genauso zum Geschäftskonzept wie Lesungen und Kleinkunstdarbietungen.
Weniger erfolgreich dagegen war Pierre Sanoussi-Bliss, bekannt aus „Derrick“ und „Der Alte“, mit seiner „Bliss Lounge“ in der Tucholskystraße. Im März dieses Jahres verkaufte er die Lounge. „Gut rentiert hat sich der prominente Name damals nicht, obwohl jetzt noch neugierige Gäste kommen und nach Pierre Sanoussi-Bliss fragen“, sagt Wolfgang Burbaum, neuer Inhaber der Bliss Lounge. „Sanoussi-Bliss wusste nicht, wie man einen Gastronomiebetrieb führt und hat sich damit übernommen.“ Mit Zeitmangel begründet Tatort-Kommissar Klaus J. Behrendt die Aufgabe der „Zucca“-Bar.
Es gibt auch Stars, die gut laufende Gastonomiebetriebe gar nicht behalten möchten. Oliver Berben, Filmproduzent und Sohn von Schauspielerin Iris Berben, sowie sein Geschäftspartner Constantin Film-Vorstand Thomas Friedl haben es zum Geschäftsmodell erhoben, „Läden aufzubauen und zu veräußern, wenn sie laufen.“

