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Auch mittags gut frequentiert: Der Garten des „Herzog von Burgund“ mit (v.l.) Erich Tiefenbacher, Andreas Hillejan und Sommelier Giancarlo LongaroFoto: Marx

Nordrhein-Westfalen

Umsatz mit Outdoor-Restaurant

Sommergeschäft im „Herzog von Burgund“ ist durch neuen Gastgarten deutlich angewachsen / Keine Laufkundschaft

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2006/31 vom 5. August 2006
von

NEUSS Erich Tiefenbacher hat seinen Garten zum Outdoor-Restaurant gemacht. Es ist so unverwechselbar und elegant ist wie sein Restaurant Herzog von Burgund an der Neusser Erftstraße. Selbst an den „Hundstagen“ ist es mittags bestens frequentiert. Das Mittagsgeschäft – vor Jahren noch gleich Null – beschert Tiefenbacher heute ein Drittel des Gesamtumsatzes.

Sein Garten kann seit dieser Saison mit dem herzoglich ausgestatteten Restaurant in der Jugendstilvilla mithalten. Speziell angefertigte Edelstahlsessel und -sofas mit Polstern, Edelstahltische mit schwarzen polierten Granitplatten wären auch im Innenbereich ein Hingucker. Im Grünen machen sie sich besonders edel. „Das hat mich eine Summe Geld gekostet, aber die Möbel sind winterfest und absolute Unikate“, strahlt der Patron.

Der Steirer wusste schon immer, was er wollte. Als Siebenjähriger kochte er in der Schule beim Hauswirtschaftskurs mit. Als Profi kam er nach Stationen in der Normandie, Schweiz, Lichtenstein und Innsbruck ins „Zur Traube“ nach Grevenbroich. „Geschmack auf das Wesentliche zu reduzieren“ lernte er bei Dieter Kaufmann. Mit 24 übernahm er den „Herzog von Burgund“ und erkochte rasch 16 Gault-Millau-Punkte. Vor acht Jahren wurde sein Küchenchef Andreas Hillejan sein Partner. Das war laut Tifenbacher „der beste Schritt, den ich je gemacht habe“.

Laufkundschaft bietet ihm der Standort in einer ruhigen Villenstraße nicht. „99 Prozent sind Reservierungen, denn es fehlt hier in Neuss an Alternativen. Ein weiteres Restaurant unseres Niveaus wäre gut“, so Tiefenbacher. Von Nachteil ist auch, dass sein Garten nicht von außen sichtbar ist. „Da ist man auf die Mundpropaganda angewiesen.“ Die funktioniert gut, seit Tiefenbacher und Hillejan der grünen Oase ein Tuning verpassten.

„Happy Lunch“ (drei Gänge für 19,90 Euro) und „Plat du Jour“ (ein Gericht und ein Glas Wein oder 0,5 Liter Wasser) haben den Umsatz merklich angekurbelt. Sie sind beliebt bei Geschäftsleuten oder Ärzten, die gleich im weißen Kittel kommen. 40 bis 50 Minuten ist die mittägliche Verweildauer bei einem Durchschnittsbon von 27,50 Euro netto. „Ein Drittel des Gesamtumsatzes bringt das Mittagsgeschäft, das jahrelang gleich Null war. Das Abendgeschäft ist gleich geblieben“, so Tiefenbacher. Abends sind das Degustationsmenü für 74 Euro, das Classic-Menü für 59 Euro, vor allem aber das „Dinner for 2“ (12 kleine Köstlichkeiten in vier Gängen für 135 Euro) der Renner.

„Die Leute wollen den wohlkalkulierbaren Abend. Die Stimmung ist aber seit dem Regierungswechsel und der WM deutlich besser. Viele wollen wieder Lebensqualität, stellten nach dem sparsamen letzten Sommer fest, dass sie doch mehr Geld haben als gedacht.“ Dem Trend zu Kochkursen konnte sich auch Tiefenbacher nicht entziehen. „Die Leute können danach nicht nur mitreden. Es tritt außerdem eine Wertschätzung unserer Arbeit ein.“ Groß ist der Run auf die Benimm-Kurse für Kinder. Tiefenbacher und Hillejan meinen zu diesem Angebot an Gäste der Zukunft: „Kinder fühlen sich sicherer, wenn sie wissen, wie es im Restaurant zugeht.“

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