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Geschichte an der Wand: Wirtin Andrea Ansmann (links) und Serviererin Dominique Graff locken mit Speisen und Accessoires aus vergangenen Zeiten Foto: Marion Schlag

Berlin

Vergangenheit wird zum Geschäft

Im Zeichen von „Ostalgie“ feiern Trabi und Broiler ein glanzvolles Comeback / Pfiffige Gastronomen wissen das zu nutzen

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2007/31 vom 4. August 2007
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BERLIN. Die DDR feiert ein Comeback, zumindest in der Erinnerung. Vor allem Berlin-Touristen sind auf Spurensuche. „Die Geschichte der Stadt ist untrennbar mit der Mauer verbunden“, sagte Hanns Peter Nerger, Geschäftsführer der Berlin Tourismus Marketing GmbH (BTM). „Vor allem junge Leute interessieren sich zunehmend stark für dieses Thema“, so die Beobachtungen des BTM-Chefs.

Profitable Marktlücken

Ein Marktlücke füllt das erst vor einem Jahr unterhalb des Radisson SAS Hotels eröffnete private DDR-Museum. Die Idee zur Ausstellung über das durchaus facettenreiche Leben in der „Ostzone“ hatte der heutige Geschäftsführer Peter Kenzelmann während eines Berlin-Besuchs. Aus Sicht des Touristen war ihm aufgefallen, dass kaum Konkretes über das private, berufliche und familiäre Arrangement der Menschen unter den gegebenen politischen Verhältnissen in Erfahrung brachte. Und so entstand in der historischen Mitte der Stadt auf 400 Quadratmetern eine DDR-Welt im Kleinen: mit Trabi und Plattenneubauküche als Artefakte eines Regimes.

Obwohl der untergegangene Staat keine Deutsche Delikatessen Republik war, hat er kulinarisch durchaus Zeichen gesetzt. Selbst Bürger aus den alten Bundesländern erteilen Würzfleisch, Steaks au four oder Soljanka gute Geschmacksnoten. Ostalgie wird gewinnbringend auch im gastronomischen Bereich verwertet (siehe Kasten). Seit elf Jahren behauptet sich etwa die HO-Gaststätte Mauerblümchen im Prenzlauer Berg. Täglich bietet Robert Heller Spezialitäten „Made in GDR“ beispielsweise einen Cocktail zum „Tag des Chemiearbeiters“ und andere Mixgetränke mit signifikanten Bezeichnungen wie Interflug an. Jungpionieren wird das alkoholfreie Vita-Cola-Getränk empfohlen. Die Speisekarte ist auf die „Arbeiter- und Bauer-Versorgung“ abgestimmt. Zum Frühstück können die Gäste sich wahlweise für die Varianten „Fahnenappell“, „Seid bereit! Immer bereit!“ und „Freundschaft“ entscheiden.

Auch Andrea Ansmann, die seit Oktober 2000 im Bezirk Weißensee ihr Lokal Osseria betreibt, hat DDR-Utensilien zu bieten. Ihre Geschäftsidee: „Ich wollte traditionelle DDR-Küche mit neuen Ideen verknüpfen.“ Rund 80 Gerichte, darunter Jägerschnitzel und Broiler, sind in der roten Mappe, die als Speisekarte dient, aufgelistet. Die Nachfrage ist groß. Schon zur Frühstückszeit ist geöffnet. Auch außer Haus wird geliefert. Obwohl die rührige Gastronomin ihr Restaurant mehr als Kiez- denn als Touristentreffpunkt versteht, kann sie sich eine Zusammenarbeit mit dem gerade eröffneten Ostel, einem Beherbergungsbetrieb im Original DDR-Design, gut vorstellen (AHGZ vom 28. Juli). Vor allem ihre jährlichen zwei Veranstaltungshighlights dürften gelernte DDR-Bürger begeistern: jeweils am 8. März ist Frauentagsfeier angesagt und am 7. Oktober wird zum „Tag der Republik“ eingeladen. Marion Schlag

www.ddr-museum.de

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