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Kleine, aber feine Adresse in altem Straßenbahndepot: das Restaurant Parc Fermé. Fotos: Lehmann

Hauptstadt Berlin

Von der Wupper wieder zurück an die Spree

Der frühere „Facil“-Sternekoch René Conrad steht seit kurzem im Restaurant Parc Fermé im Meilenwerk am Herd

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2004/5 vom 31. Januar 2004

BERLIN (leh). Es war ein kurzes Intermezzo. Nach gut einem halben Jahr Wuppertal ist mit René Conrad ein alter Bekannter wieder da. Der 38-Jährige kocht nun im neuen Gourmet-Restaurant „Parc Fermé“ im „Meilenwerk – Zentrum für Fahrkultur“. Einst stand Conrad im „Am Karlsbad“ und in den „Kaiserstuben“ am Herd, bevor er 2002 im Facil im Madisson am Potsdamer Platz einen Michelin-Stern erkochte. Bis April 2003 sorgte sein klarer, reduzierter Stil dafür, dass sich
das Facil zu einer der erfolgreichsten Feinschmecker-Adressen der Hauptstadt entwickelte.

Dann der Abschied von Berlin. In der Stadt an der Wupper sollte sich im „Scarpati“ der Traum von der Selbständigkeit erfüllen. Doch lief dort längst nicht alles nach Wunsch, konnten René Conrad und Ehefrau Sabine ihre Vorstellungen nicht, wie erhofft, verwirklichen. „Leider stimmten die finanziellen Bedingungen nicht und die alte Stammklientel wurde mit meiner Küche wohl auch nicht so recht warm“, resümiert der Meisterkoch über sein nordrhein-westfälisches Gastpiel. Mitte Dezember dann der neue Start im „Parc Fermé“. Betrieben wird das kleine, mit Parkett und großer Glasfront bestückte 22-Plätze-Restaurant von Aris Papageorgiou und Christian Ramlau, ihres Zeichens auch Inhaber der „Möwe“ und der „Kaiserstuben“.

Mit Maître Conrad steht ein Idealist am Herd. Das überzeugende Ergebnis ist eine authentische, fair kalkulierte Küche ohne bombastischen Schnickschnack, aber auf hohem Niveau. Dass der Minimalist wieder in der Stadt ist, hat sich bereits wie ein kleines Lauffeuer verbreitet. So kommen viele alte Gäste aus dem Facil, die seine einfache, geradlinige Küche schätzen.

Alle zwei Wochen wird die Karte gewechselt. Die Preise bewegen sich etwas unter dem Facil-Niveau: Das 4-Gänge-Menü gibt es für 55 Euro, sechs Gänge kosten 78 Euro. Als Vorspeise kommt dann beispielsweise eine Gänsestopfleberterrine mit Feigenkompott auf den Tisch, gefolgt von einem ausgelösten Hummer mit weißen Bohnen und Pancetta, Wolfsbarsch mit Orangen-Chicorée und geschmorten Kalbsbacken mit Kräuterseitlingen und Stampfkartoffeln, Käse und Dessert. Geordert werden kann auch à la carte: Vorspeisen sind ab 12 Euro, Hauptgerichte zwischen 22 und 36 Euro zu haben.

Um den Service und die Weinkarte mit momentan über 100 Positionen kümmert sich fachkundig Sabine Conrad, die jedoch erst in ein paar Wochen mit dem endgültigen Porzellan eindecken kann. Auch die Bestuhlung wird bis dahin noch einmal ausgetauscht: Künftig sitzt der Gast auf roten Samtstühlen.

Eingebettet sind das „Parc Fermé“ ebenso wie das benachbarte Bistro „Trofeo“ in das im Mai 2003 in einem über 100 Jahre alten Straßenbahndepot eröffneten „Meilenwerk“, einem in Deutschland einzigartigen Servicezentrum für Oldtimer-Enthusiasten. So kann sich der Restaurant-Besucher vor oder nach dem Essen auch noch an glänzenden Jaguars, Aston Martins, Mercedes oder Ferraris berauschen. Über 10 Mio. Euro investierte der Initiator des Projekts, Martin Halder, Geschäftsführer der Halder Wirtschaftsberatung, in die 16.000 Quadratmeter große Klassiker-Erlebniswelt. Hier gibt es alles, was das Herz von Oldtimer-Freunden höher schlagen lässt: von Restaurationsfirmen über Oldtimervermietung, Technikbuchhandlung, Gutachterzentrale und Veranstaltungsservice bis zu mietbaren gläserenen und beheizten Einstellboxen für Liebhaberfahrzeuge. Kein Wunder also, dass sich hier auch Clubs wie der Ferrari Club Deutschland, Porsche Classic, die Mercedes-Benz Veteranen oder die Käfer-Freunde Berlin eingemietet haben. Als einziger kleiner Nachteil könnte sich für das „Park Fermé“ die etwas abseits gelegene Lage in der Wiebestraße in Tiergarten-Moabit erweisen. Doch auch da ist René Conrad optimistisch.

Parc Fermé, Wiebestr. 36-37, 10553 Berlin, Tel. (030)20613050, Dienstag bis Samstag von 18 bis 23 Uhr.

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