Baden-Württemberg
Von Salach nach Südafrika
Die soziale Verantwortung von zwei schwäbischen Hoteliers beschert den Mitarbeitern abwechslungsreiche Auslandsaufenthalte
SALACH. Auch im „Sterneland“ Baden-Württemberg sind Gastronomie und Hotellerie saisonalen Schwankungen unterworfen. Manche Unternehmen behelfen sich in wirtschaftlich schwierigen Zeiten mit Zeitverträgen oder Saisonkräften. Einen ganz anderen Weg haben Sternekoch Rolf Straubinger und sein Schwager Klaus Schurr von Burg Staufeneck in Salach bei Göppingen eingeschlagen. Die Gesellschafter des 5-Sterne-Hotels hoch über dem Filstal ermöglichen ihren Mitarbeitern, in den umsatzschwächeren Wintermonaten im Ausland zu arbeiten, dort gutes Geld zu verdienen und sich gleichzeitig weiterzubilden. Die Austausch-Hotels in Österreich, Frankreich und in Südafrika sind bei den Mitarbeitern sehr beliebt.
Personal langfristig binden
Schurr und Straubinger ziehen an einem Strang: „Wir tragen soziale Verantwortung für unsere Mitarbeiter.“ Die meisten sind lange im Haus und alle haben unbefristete Arbeitsverträge. „Zeitverträge gibt es bei uns nicht“, sagt Schurr und nennt einen Schlüssel zum Erfolg in seiner Branche: „Uns liegt daran, die Mitarbeiter langfristig zu binden. Je weniger Personalwechsel stattfindet, umso besser läuft es im Alltag. Deshalb zahlen wir auch übertarifliche Löhne.“
Natürlich zahlen auch die Burgherren auf Staufeneck die Personalkosten nicht aus der Portokasse. 150.000 Euro sind monatlich für die derzeit 72 Mitarbeiter fällig. Im Winter finden weniger Gäste den Weg auf die Burg. Und obwohl Schurr und Straubinger mit ihrem Catering-Unternehmen ein drittes Standbein haben, ist ihnen ein genialer Schachzug zur Reduzierung der Personalkosten eingefallen. „Wir haben im Winter etwas zu viel Personal, andere Hotels suchen aber händeringend nach Verstärkung.“
Schurr ist deshalb Kooperationen mit österreichischen Hotels in Oberlech, Leogang und Rust im Burgenland sowie mit Hotels in Südafrika („das ist für unsere Leute das Geilste“) und in Frankreich eingegangen. Diese können während der Saison gut ausgebildete Mitarbeiter brauchen. Und da Staufeneck einen guten Ruf hat, „werden unsere Leute mit Handkuss genommen“, wie Schurr sagt.
Gesicherte Festanstellung
Für die Mitarbeiter, die diese Angebote „sehr gerne“ annehmen, hat der Tapetenwechsel gleich mehrere Vorteile. Sie verdienen im Ausland gutes Geld, sie lernen neue Häuser kennen und sie haben die Sicherheit der Festanstellung im schwäbischen Stammhaus. Und Burg Staufeneck muss monatlich rund 15.000 Euro weniger Lohn und Gehalt ausgeben. „Diese Möglichkeiten haben sich herumgesprochen. Viele, die sich bei uns vorstellen, sprechen diesen Austausch an“, berichtet Schurr.
Auch beim DEHOGA-Landesverband wird das Angebot von Staufeneck positiv beurteilt. „Wir finden es gut, wenn es so einem Betrieb gelingt, Saisonschwankungen auszugleichen und gleichzeitig gute, bewährte Mitarbeiter langfristig an sich zu binden“, sagt Pressesprecher Daniel Ohl.
Manche Kollegen von Schurr und Straubinger am Bodensee haben es da wesentlich schwerer. Gute Kräfte werden dort von Schweizer Betrieben abgeworben. „Die Abwanderung in die Schweiz ist durch das hohe Lohnniveaus und den Veränderungen beim Arbeitslosengeld insbesondere in der Wintersaison weiter gegeben“, berichtet DEHOGA-Geschäftsführer Wolfgang Daub aus Konstanz.
Am Bodensee finden außerdem regelmäßig Stellenbörsen der Agentur für Arbeit statt, um arbeitslose Fachkräfte der Gastronomie in die ausländischen Skigebiete zu vermitteln. Hierzu wurde im Januar 2003 das Projekt „Eures“ von deutschen, schweizer und österreichischen Arbeitsverwaltungen, Gewerkschaften und Arbeitgeberorganisationen gegründet. Ziele sind die Förderung der grenzüberschreitenden beruflichen Mobilität durch Beratung, grenzüberschreitende Stellenangebote und -gesuche sowie Informationen zu Lebens- und Arbeitsbedingungen im Nachbarland. Wolf M. Günthner
