AHGZ - Das Fachportal für Hotellerie und Gastronomie

Anzeige

Man genießt Komfort und Geborgenheit: Das sind aber nur zwei Gründe, warum sich der Tag der Abreise immer wieder verschiebt

Imago

/ Berlin / Frankfurt / München

Wenn aus Gästen Mieter werden

In Treue fest: Für sogenannte Longstayer wie Rocker Udo Lindenberg ist das Hotel längst zur eigentlichen Heimat geworden

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2008/1 vom 5. Januar 2008

HAMBURG. Sie lieben den Service und die Atmosphäre eines Hotels. Was für viele nur eine Übernachtungsmöglichkeit ist, bedeutet für sie ein zu Hause. Prominente, die über das nötige Kleingeld verfügen, um sich einen Langzeitaufenthalt im Hotel leisten zu können. Einer der berühmtesten Longstayers ist wohl Udo Lindenberg, der bereits seit über einem Jahrzehnt im Hamburger Kempinski Hotel Atlantic residiert. Sind Longstayers Fluch oder Segen für die Hotels und wie stellt man sich auf diese Klientel ein?

Service wird geschätzt

Allen Befragten gemein ist, dass Langzeitgäste einen sehr kleinen Teil der Belegung in den meisten Hotels ausmachen, mit einer Ausnahme. Im Louisa’s Place in Berlin machen die Longstayers (in diesem Fall Gäste, die länger als ein Monat bleiben) 27 Prozent aus, Tendenz steigend. „Wir gehen davon aus, dass die Resonanz für dieses Jahr bei über 30 Prozent liegen wird“, prognostiziert Sven Schimank, Geschäftsführender GesellschafterBegriff aus dem Handelsrecht sowie dem Gesellschaftsrecht für einen Teilhaber bzw.
weiter mit Mausklick...
von Louisa’s Place. Das 5-Sterne-Haus bietet Suiten unterschiedlicher Größe und ist im Grunde für Longstayers konzipiert, aber in Berlin könne man nicht ausschließlich auf Langzeitgäste setzen. „Hier ist das Mietniveau sehr niedrig, die Wohnungssituation entspannt“, so Schimank weiter. Da sind Schauspieler und Diplomaten nicht unbedingt auf ein Hotel angewiesen. Aber die, die den Service schätzen, würden dennoch Louisa’s Place vorziehen, wie Nationaltorwart Jens Lehmann während der Fußball-WM.

Fußballspieler Hasan Salihamidžic zählte auch im Vier Jahreszeiten Kempinski in München zu den Longstayers. Der ehemalige Bayern-Spieler hat fast ein Jahr dort verbracht. Jedoch nicht so lange wie eine Gräfin, die bereits seit mehreren Jahren im Haus residiert. Solche Gäste mögen es, wenn alles „beim Alten bleibt“ und sich nichts im Haus verändert. „Sie brauchen gesonderte Aufmerksamkeit, aber darauf sind wir eingerichtet“, weiß Direktor Stephan Kaminski. So sind die Zimmer für Longstayers anders eingerichtet, oft auch mit persönlichen Gegenständen und Möbeln der Bewohner. Natürlich bekämen Langzeitgäste einen Sonderpreis, das sei jedoch sehr unterschiedlich und Verhandlungssache. „In der Highseason könnten wir durchaus höhere Preise für das Zimmer bekommen“, gibt Kaminski zu bedenken. Das seien nun mal die zwei Seiten der Medaille.

Trotzdem mögen Hoteliers Langzeitgäste. „Sie bedeuten zwar zusätzliche Arbeit, aber man bekommt auch entsprechendes FeedbackJede Art von Rückmeldung, die anzeigt, ob eine andere Person ein bestimmtes Verhalten oder eine sprachliche Äußerung verstanden hat und darauf reagiert.
weiter mit Mausklick...
“, erklärt Sabine Krämer, Pressesprecherin vom Radisson SAS in Frankfurt. Bei den Longstayers im 5-Sterne-Haus handelt es sich meist um Businessgäste, die von Montag bis Freitag im Hotel leben und am Wochenende wieder zu ihren Familien zurückkehren. Auf diese Klientel hat sich das Radisson mit dem Zimmertyp „at home“ eingestellt, wo sich der Gast heimelig fühlen kann.

Jeder Wunsch wird erfüllt

„Wie zu Hause“ soll auch der Aufenthalt für Longstayers im Hotel Westin Gran Berlin sein. „Das schaffen wir dadurch, dass wir dem Kunden Arbeit abnehmen, Sachen für ihn organisieren und er einfach seine Ruhe hat“, weiß Direktorin Gabriele Maessen. So auch in der Rocco Forte Villa Kennedy in Frankfurt, wo Banken ihre Mitarbeiter für längere Zeit einquartieren. Oft bleiben sie an den Wochenenden nicht im Hotel. „Meist lassen sie Gepäckstücke und ihre Wäsche da, so dass wir diese waschen können“, sagt Pressechefin Clarissa Benecke.

Unter zehn Prozent befindet sich auch die Zahl der Langzeitgäste im Steigenberger Hotel Berlin. Meist sind es Schauspieler, die gerade in der Hauptstadt gastieren. „Langzeitgäste trinken immer den gleichen Wein und möchten immer das gleiche Treatment haben“, erläutert Communication Manager Jeanette Kinert. Und auch ausgefallene Wünsche versucht man zu erfüllen. „Wir haben einen Gast, der möchte jedes Mal, wenn er hier wohnt lange ungestört schlafen. Da bauen wir extra eine schallisolierte Tür für ihn ein.“ Carla Marconi

KommentierenDrucken
Auch interessant

Einsatz für den Gourmet-Nachwuchs

Kulinarisches Abenteuer für 18 Schüler einer vierten Grundschulkasse: Wolfgang Brombach, Eurotoques-Koch und Inhaber der renommierten Rôtisserie Brombach, zeigte den Kleinen, wie man gesunde, einfache und leckere Gerichte zubereitet. mehr...

Weitere Artikel aus Regional und Lokal vom :

Diesen Artikel bei Google+, Xing, Twitter oder Facebook weiterempfehlen:

Bisher keine Leser-Kommentare zum Artikel

Anzeige