Landgasthöfe – Was uns bewegt
Wenn Waldvögel Brot backen
Leipheim. „Du hast doch einen Vogel!“, sagten die Stammtischfreunde von Georg Ihle, als er 1928 eine Gaststätte am Wald eröffnen wollte. Also nannte er sein Lokal einfach „Waldvogel“. Hierher zog es Radler, Spaziergänger und Soldaten aus dem nahen Fliegerhorst. Ansonsten betrieb Georg Ihle Ackerbau und züchtete Schweine. Drei Generationen später ist der kleine Waldvogel längst flügge geworden. Momentan entsteht ein „Vogelhaus“ – ein Tagungszentrum aus natürlichen Baumaterialien mit vier Tagungsräumen, drei Besprechungszimmern und einem Kaminzimmer. 2 Mio. Euro haben Gebhard Ihle, seine Frau Barbara und ihre Tochter Stefanie investiert. „Aber natürlich sehen wir uns weiter als Landgasthof“, betont Stefanie Ihle.
Keine Raststätte mehr
1981 übernahmen Barbara und Georg Ihle den Gasthof, 20 Kilometer östlich von Ulm an der A8 gelegen. Seitdem hat sich jede Menge getan: „Als die Zahl der Stammtische zurückgegangen ist, haben wir überlegt, wie wir neue Leute anlocken können. Wir haben Fremdenzimmer gebaut und sind auf die Tagungsschiene gegangen“, erklärt Georg Ihle. 1987 wurde der Waldvogel ein Hotel, 1992 bauten Ihles vier Banketträume an. Heute stehen 34 Zimmer und 72 Betten zur Verfügung.
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Ihles beschäftigen 35 Mitarbeiter, davon befinden sich derzeit acht in Ausbildung. Seit 2000 kann man im Feststadel Hochzeit feiern. Die Gastgeber sehen es sehr gern, dass Paare bei ihnen heiraten – und später auch Taufen sowie Erstkommunion oder Konfirmation ihrer Kinder wieder bei ihnen feiern. Der Anteil der Stammkunden, sowohl im Hotel als auch in der Gastronomie, ist hoch.
Das Herzstück des Waldvogels bilden nach wie vor das Restaurant im ländlichen, neoromantischen Stil und der traumhafte Biergarten unter Kastanienbäumen. Hierher zieht es auch viele Radfahrer und Ausflügler aus der Region sowie Touristen. 60 Prozent seines Umsatzes erwirtschaftet der Waldvogel durch seine Kochkunst: Gekocht wird schwäbisch, alle Zutaten kommen aus der Region. Kartoffeln, Gemüse, Salate, Obst, essbare Blüten und einige Kräuter baut Familie Ihle selbst an. Einmal die Woche backt Barbara Ihle in einem historischen Ofen zudem Brot.
Die beliebtesten Gerichte sind das „Brauerschnitzel“ (in Treberkruste gebackenes Schweineschnitzel) und der „Schlemmerteller“ (Filets vom Rind, von der Pute und vom Vogelstrauß) mit Spätzle. Das Fleisch vom Vogelstrauß stammt von einer nahen Straußenfarm. Außer der Speisekarte gibt es immer eine Dessertkarte. Für den Winter weckt Stefanie Ihle, Köche und Betriebswirtin, rechtzeitig Früchte ein. 60 Menschen finden im Restaurant Platz, dreißig im Wintergarten, weitere 120 in den Banketträumen.
Umweltfreundlich zu wirtschaften ist die Maxime des Hauses. Bereits 1991 gab es eine Auszeichnung in Gold als „umweltschonend wirtschaftender Betrieb“ vom Bayerischen Staat. Wenn momentan neben dem Hotel ein Feld mit indischem Elefantengras hochwächst, freut das nicht nur Kinder und Junggebliebene, für die Gebhard Ihle ein Labyrinth eingemäht hat. Das Gras wandert später in die Hackschnitzelanlage und dient zum Heizen.
Streichelzoo für Kinder
Überhaupt gehören Kinder zu den Waldvogel-Fans. Denn für sie gibt es einen Streichelzoo. Zudem können sie Pferde, Ponys, eine Kuh und Schafe füttern oder sich auf dem Burgspielplatz austoben. An Ostern findet im Biergarten ein Hasenrennen statt: „Die Kinder locken die Hasen mit etwas zum Essen und sind ganz aufgeregt“, freut sich Gebhard Ihle. Ihles sind glücklich, auf dem Land zu sein. „Wir haben hier viel Freiheit, können tun und lassen, was wir wollen. Vorhaben wie Anbauten lassen sich leicht verwirklichen“, betont Barbara Ihle. Die aktuell geplante Hygiene-Ampel halten sie dagegen für unnötige Bürokratie, der den Gastronomen das Leben schwer mache. „Ich halte das für wenig durchdacht und für Populismus, den wir ausbaden müssen“, sagt Gebhard Ihle. Martina Schröck


