Der Gastronom
Werbung per Gulaschkanone
André Behling
Gemüse schnippeln, Teig kneten und Bratensauce anrühren: André Behling war schon als kleiner Junge ein Großer, wenn es darum ging, den Eltern in der Küche zu helfen. Dass sein Weg einmal in die Gastronomie führt, war somit vorgezeichnet. Und die Begeisterung fürs Kochen, die hat sich der 36-Jährige bis heute bewahrt – auch wenn er inzwischen die Härten der Branche kennengelernt hat.
1999 begann Behling seine Ausbildung im Café-Restaurant Moosberg, hoch oben im Naturpark Solling nahe Holzminden www.am-moosberg.de ). Aber dann packte den Jungspund der Ehrgeiz. Selbst Chef sein, sein eigenes Ding machen, das trieb Behling um.
Im Jahr 2004 übernahm Behling das gutbürgerliche Haus mit 65 Plätzen dann selbst als Pächter. Er leitet die Küche, seine Frau Fleur den Service. Unter ihrer gemeinsamen Führung hielten moderne Einflüsse Einzug in das bis dahin sehr traditionelle Haus: So erweiterte Behling etwa die Speisekarte – Gerichte wie beispielsweise eine zweifarbige Suppe kannte man bis dahin nicht.
Am sichtbarsten wurde der Wandel aber an der großen Lounge, die Behling vor drei Jahren auf der Terrasse einrichtete. Hier sitzen im Sommer bis zu 50 Gäste auf bequemen Sesseln unter geradezu tropisch anmutenden Pflanzen.
„Mittlerweile gehört das Restaurant zu den fünf besten im Umkreis von 50 Kilometern“, sagt Behling selbstbewusst. Ein Selbstläufer sei es dennoch nicht. „Die Touristen im Solling werden weniger. Man muss sich immer wieder etwas einfallen lassen, um schwindende Umsätze auszugleichen.“ Wie die Themenabende, die bei den Gästen gut ankommen – sieht man vom Fehlversuch mit der „karibischen Nacht“ ab, für die der Ort Solling wohl einfach nicht das richtige Umfeld ist.
Und auch die Gulaschkanone, mit der André Behling auf Wochenmärkten und bei Firmenfeiern steht, ist ein Erfolg. Finanziell und als Werbeträger fürs Restaurant: „Unser Gulasch hat schon viele Neugierige zu uns geführt“, sagt der 36-Jährige.
Trotzdem bleibe es harte Arbeit, das Niveau kontinuierlich hoch und das Geschäft ständig am Laufen zu halten. „Ich bin mir nicht wirklich sicher, ob ich unserer kleinen Tochter einmal raten würde, in die Gastronomie zu gehen“, so der stolze Vater. Er selbst sei hingegen nach wie vor hoch motiviert, speziell nach positiven Rückmeldungen der Gäste. „Wenn die lächeln, dann weiß ich genau, dass sich das Kämpfen gelohnt hat“, sagt André Behling. Und findet außerdem: „Erfolg ist doch umso wertvoller, wenn er einem nicht in den Schoß gefallen ist – sondern man ihn sich hart erarbeitet hat!“
Volker Kühn

