Landgasthöfe – Was uns bewegt
Wildkräuter im Pfannkuchen
RINGENWALDE. Frühmorgens, wenn die Kinder aus dem Haus sind, nimmt sich Katharina Räthel oft einen Korb und streift durch die umgebenden Wiesen und Wälder auf der Suche nach Wildkräutern. So sammelt sie Spitzwegerich, Schafgarbe, Löwenzahn oder Giersch, und im angrenzenden Garten findet sie auch Salbei und Minze.
„Ich hatte schon immer ein Faible für Kräuter und bin im Garten groß geworden“, sagt die 41-Jährige, die früher als Krankenschwester in einem Berliner Krankenhaus gearbeitet hat. Als Sohn Benedikt asthmakrank wurde, ständig Allergien hatte und keine Medizin mehr half, beschäftigte sie sich mit alternativen Heilmethoden. Sie wollte mit ihrer großen Familie, zu der außer Ehemann Markus sieben Kinder im Alter von 4 bis 22 Jahren gehören, raus aus der Großstadt.
Sprung ins kalte Wasser
Die Räthels zogen daher 1998 ins Uckermärkische und arbeiteten zunächst auf einem Demeter-Gärtner-Hof. Katharina kochte und band Blumensträuße, ihr Mann machte sich als Tischler selbstständig. Zwei Jahre später erwarben sie dann in Ringenwalde ein altes Bauernhaus mit großem Garten. Und als im März 2009 im Dorf ein alter Landgasthof zum Verkauf stand, überlegten sie nicht lange und übernahmen das Lokal, das einstmals eine alte Postwechselstation war.
Sie erweckten den Grünen Baum, zu dem sieben Pensionszimmer mit insgesamt 17 Betten gehören, zu neuem Leben. Vieles schafften sie aus eigener Kraft. Statt Laminatboden gibt es jetzt Holzdielen, die Markus Räthel selbst verlegt hat. Aus einem alten Küchenunterschrank zimmerte er einen großen Tresen.
„Anfangs hatten wir schon Ängste, ob der Wechsel in die Gastronomie auch gelingt“, blickt die Wirtin zurück. „Aber die Freude an der guten Küche und die Zufriedenheit unserer Gäste sind für meinen Mann und mich Motivation und Lebensenergie“, sagt sie.
Die Gäste werden immer wieder mit neuen Ideen überrascht. So drapiert Katharina Räthel die Teller mit Blüten oder mischt Löwenzahn und wilden Schnittlauch in ihre Kräuterpfannkuchen, die sie der Jahreszeit entsprechend mit geschmorten Pfifferlingen füllt. Besonders beliebt ist auch der Wildkräutersalat mit hausgemachtem Kräuterpesto und fruchtigem Holunder-Balsamico-Dressing mit gerösteten Walnusskernen.
Die frischen saisonalen und regionalen Produkte prägen die Küche des Hauses. Der Bäcker aus dem benachbarten Friedrichswalde liefert das Bauernbrot, die Wurstwaren vom Gut Temmen füllen das Ringenwalder Abendbrot-Brett, und für die Schnitzel wird das zarte Fleisch des Schorfheider Molkeschweins verwendet. Die Speisekarte wechselt manchmal täglich.
Nähe zu Berlin ist von Vorteil
In der Woche kocht Katharina Räthel außerdem noch für den Kindergarten im Ort, oft auch zusammen mit den Kindern. „Das macht viel Spaß, und ich kann ihnen zeigen, wie man das Essen gesund zubereiten kann“, so die Gastwirtin.
Die Räthels profitieren von der Nähe zu Berlin. Viele Hauptstädter wollen in der uckermärkischen Natur entspannen. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel erholt sich nur wenige Kilometer entfernt in ihrem Wochenendhaus. Katharina Räthel hat die Region in ihr Herz geschlossen. „Beruf und Familie lassen sich hier wunderbar vereinbaren. Täglich können wir aus diesem Miteinander neue Kraft schöpfen“, sagt sie. Hans-Dieter Schaaf


