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Rauchverbot

Branchenpolitik

Wirte machen ihrem Ärger Luft

Existenzangst macht sich breit: Das Rauchverbot treibt die Branche um / Die Hoffnungen ruhen auf Urteil aus Karlsruhe

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2008/10 vom 8. März 2008

HANNOVER. Die Umsätze brechen ein. Bei den Kneipen hat das Rauchverbot eine Spur der Verwüstung gezogen. Den Betreibern geht die Puste aus, die meist getränkeorientierten Lokale sehen sich in ihrer Existenz bedroht.

Not macht erfinderisch: Als Reaktion auf den gesetzgeberischen Druck sind über Nacht allein im Münchner Stadtgebiet mehr als 200 Clubs entstanden (Seite 27). „Und es werden immer mehr“, bestätigt Wilfried Blume-Beyerle, der als Kreisverwaltungsreferent den Überblick über die Stadt hat. Der Rest der Republik blickt nach Karlsruhe (siehe Kasten).

Politik hält Zusagen nicht ein

„Wir haben schon genug Arbeitslose. Macht uns unsere Existenz nicht kaputt“. Mit diesen und ähnlichen Plakaten versehen haben in der vergangenen Woche vor dem Landtag in Hannover mehr als 2000 Gastwirte aus ganz Niedersachsen gegen das sogenannte Nichtraucherschutzgesetz demonstriert.

Den Zeitpunkt für die Demonastration hatte der DEHOGA-Landesverband gut gewählt. Fast zeitgleich wurde an diesem Tag Christian Wulff unweit entfernt im Leineschloss erneut zum Ministerpräsidenten gewählt. Entsprechend groß war die mediale Aufmerksamkeit für die friedliche, aber lautstarke Protestaktion, die sich gegen alle Fraktionen richtete. Wulff hatte den Wirten zunächst eine deutlich liberalere und praktikablere Regelung – etwa mit der Zulassung von extra mit einem „R“ gekennzeichneten Raucherkneipen – in Aussicht gestellt. Eine Zusage, von der die neue Regierung aus CDU und FDP nichts mehr wissen will (AHGZ vom 23. Februar).

Die Gastwirte sind entsprechend verärgert. „Wir fühlen uns von der Politik verraten und verkauft. Ich hoffe, dass die Landesregierung heute mitbekommt, wie groß die Wut über das totale Rauchverbot ist“, betont etwa der Vorsitzende des DEHOGA-Kreisverbandes Lingen, Heinrich Wübbel, der von mehr als 100 Berufskollegen seines Kreisverbandes in die rund 200 Kilometer entfernte Landeshauptstadt begleitet wird.

„Die Einraumkneipen werden so kaputt gemacht. Und auch die anderen Betriebe bekommen die Folgen schon jetzt mit sinkenden Umsätzen etwa im Saalgeschäft zu spüren“, verweist der Papenburger DEHOGA-Kreisvorsitzende Herman Westhus auf erste Erfahrungen des in Niedersachsen seit Jahresbeginn geltenden Rauchverbots. Besonders unsinnig sei das Gesetz mit Blick auf die Konkurrenz in den nahen Niederlanden. „Dass die Gäste bei uns zum nach draußen gehen müssen, während man dort ganz selbstverständlich am Tisch sitzen bleiben darf, kann ich als Wirt niemand wirklich erklären“.

Dass die „Niedersachsen-Regelung“ Betriebe richtig Geld kostet, berichtet der Wallenhorster Gastwirt Norbert Hörnschemeyer. Er habe gerade mehr als 20.000 Euro für ein gläsernes Trennwandsystem investiert. „Die Gäste nehmen das gut an“, zeigt sich der Betreiber der Gaststätte Zur Post zwar mit der Lösung zufrieden. Ob er die Kosten aber wieder hereinbekommt, sei aber keineswegs sicher.

„Viele Einraumgaststätten haben weder den Platz noch die Mittel, um einen eigenen Raucherraum schaffen zu können“, macht der Osnabrücker DEHOGA-Geschäftsführer Dieter Westerkamp auf die für viele Betriebe „fast aussichtslose Lage“ aufmerksam. Bei der Demonstration bläst er kräftig in die mitgebrachte Trillerpfeife, „damit uns die hohen Herren auch endlich hören.“ Denn eines ist, so Westerkamp, auch klar: „Wenn das Gesetz in Niedersachsen wie vorgesehen erst 2009 überprüft wird, ist es für sehr viele Betriebe schon zu spät. Die Landesregierung muss jetzt Korrekturen vornehmen.“ uju/hilk

Weitere aktuelle Meldungen zum Rauchverbot und der Lockerung in Bayern auf aghz.de/Suche: Rauchverbot oder www.ahgz.de/vermischtes/Wiesn-Ausnahme-Rauchverbot-,102008,8039070949.html

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Leser-Kommentare zum Artikel (1)

sebastian
sebastian

10.03.2008 um 15:38

Betreff: Kommentar zum Artikel

"Bei den Kneipen hat das Rauchverbot eine Spur der Verwüstung gezogen."

Dem ist überhaupt nicht so. Von einer halben Handvoll Kneipen auf die gesamte Branche zu schließen ist unseriös. Fakt ist, das keine Kneipe an der Existenzgrenze nagt, aber vielen Kneipen im Jahr vor dem Rauchverbot die Luft und Puste ausging: die Nichtraucher blieben aus.

Bei einer Kennzeichnungspflicht von einer "praktikableren" und "liberalen" Regelung zu sprechen ist absurd. Zunächst einmal hätten 80% der Gäste gar keine Wahl mehr, der Nichtraucherschutz wäre keiner mehr, und man würde dem Modell folgen was weder mit der freiwilligen Vereinbarung geklappt hat, noch in Spanien derzeit funktioniert und nur Chaos stiftet.

Richtig ist und bleibt das kleine Lokale Nachteile haben weil in großen Lokalen Raucherbereiche möglich sind. Genau deswegen muss diese Wettbewerbsverzerrung aufgehoben werden, in dem Raucherbereiche nicht mehr möglich sind. Dann haben alle Wirte die gleichen Chance. Dies wird Karlsruhe wohl ähnlich sehen. Willkürliche Ausnahmen für bestimmten Größen oder Betriebsformen sind weder juristisch noch praktisch machbar oder notwendig.

Auch wenn 5,6 Wirte laut schreien, den Kneipen geht es so gut oder schlecht wie vor dem Rauchverbot auch. Wer sich vernünftig anstellt und seine Gäste nicht vergrämt erreicht Umsatzzuwächse von bis zu 70%.