Anzeige

AHGZ - Das Fachportal für Hotellerie und Gastronomie

Anzeige

Lehnen sich auf: (von links) Anton Titz, Abu Aslan, Inge Titz, Doris Klinkhammer Foto: Regina Goldlücke

Nordrhein-Westfalen

Wirte wütend über Amtswillkür

Euskirchen verbietet Raucherclubs / Unverständnis beim DEHOGA Köln / Die Stadt bleibt bei ihrem rigorosen Kurs

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2008/30 vom 26. Juli 2008
von

EUSKIRCHEN. Die Stimmung im Hotel-Restaurant Rothkopf ist aufgeheizt. Es fällt das harte Wort vom „Missbrauch der Amtsgewalt“. Rund 30 Gastronomen aus Euskirchen haben sich zusammengefunden, weil sie das rigorose Vorgehen des Ordnungsamtes der Stadt in Sachen Nichtraucherschutzgesetz verstört hat. Die Behörde akzepziert keine Raucherclubs.

Die Wirte glaubten, mit der so genannten Club-Lösung ein gesetzlich verbrieftes Schlupfloch zu haben. Sie mussten aber erleben, wie gleich nach dem 1. Juli Ordnungshüter in ihre Betriebe stürmten, Aschenbecher entfernten, die Raucher vor die Tür schickten und Bußgelder androhten.

Was überall in Nordrhein-Westfalen problemlos praktiziert wird – allein in Köln wurden etwa 150 Raucher-Clubs gegründet – will Euskirchens Bürgermeister Uwe Friedl nicht anerkennen. Pikant: Im Landkreis wird die Club-Lösung akzeptiert, nur in der Stadt selbst nicht.

Nicht für Laufkundschaft

Auch der DEHOGA Köln sieht in dem von Friedl initiierten Vorpreschen des Ordnungsamtes eine Überreaktion. Geschäftsführer Christoph Becker formuliert seinen Unmut: „Wir hätten gern gewusst, was die Stadt antreibt, so mit den Gastronomen umzuspringen. Leider war keiner der Verantwortlichen bereit, an diesem Treffen teilzunehmen.“ Die Club-Lösung eigne sich weniger für Betriebe mit Laufkundschaft, schränkt er ein. Handle es sich jedoch überwiegend um Stammkundschaft, sollte es auf Wunsch jedem Gastronomen freigestellt sein, mit einer Mitgliederliste und einer Überlassungs-Vereinbarung dem Gesetz wie vorgesehen genüge zu leisten. Die erbosten Euskirchener Wirte wollen sich gegen die Obrigkeits-Willkür zur Wehr setzen. Derzeit kursieren Unterschriftenlisten, mit denen man binnen weniger Tage vors Rathaus ziehen wird.

„Wir kämpfen weiter“, sagt Doris Klinkhammer, die in ihrem zum Raucherclub ernannten Bistro „Früh üm et Eck“ seit Juni 500 Mitglieder verzeichnete. „Mein Lokal hat 48 Quadratmeter, mir bleibt nichts anderes übrig. Selbst die Nichtraucher unter meinen Gästen sind einverstanden“, versichert sie. „Ratskeller“-Betreiber Abu Aslan fürchtet, viele Gäste würden unter diesen Gegebenheiten über kurz oder lang abwandern: „Wenn das so weiter geht, ist in Euskirchen gar nichts mehr los. Wir haben ohnehin schon alle zu kämpfen.“

Auch Anton und Inge Titz, Inhaber von „Maat-Stüffje“, verstehen die Welt nicht mehr: „Unsere Gäste haben sich gerade auf den Club eingestellt. Warum wird die Stimme des Volkes ignoriert? Warum wirft man uns ständig Knüppel zwischen die Beine?“ Seine Konsequenz: „Wenn wir konkurrenzfähig bleiben wollen, müssen wir Bußgelder vorerst in Kauf nehmen.“ Vor vier Jahren habe er eine 36.000 Euro teure Filteranlage einbauen lassen, fügt er bitter hinzu. „Und jetzt nützt sie mir nichts mehr, wenn sowieso bald keiner mehr kommt.“

Unterdessen hat der DEHOGA NRW festgestellt, dass das Rauchverbot in der NRW-Gastronomie „nach ersten Erkenntnissen zu keinen dramatischen Umsatzeinbrüchen“ geführt habe. „Vor allem der Ausnahmetatbestand Raucherclub ist Überlebenshilfe für unsere Kneipen“, ist Olaf Offers, Präsident des DEHOGA Nordrhein-Westfalen überzeugt.

Allerdings weist der Verband ausdrücklich auf die Einhaltung der gesetzlichen Regelungen hin: Neben der ordnungsgemäßen Gründung eines Raucherclubs ist der tägliche Umgang von besonderer Wichtigkeit. „Nur wer strikte Einlasskontrollen durchführt, handelt gesetzeskonform“, unterstreicht Offers. Regina Goldlücke

Themenalarm Kommentieren Drucken

Weitere Artikel zu den Themen:

Diesen Artikel bei Google+, Xing, Twitter oder Facebook weiterempfehlen:

Bisher keine Leser-Kommentare zum Artikel