Sachsen-Anhalt
Zarter Silberstreif über dem Harz
Tourismusbarometer Sachsen-Anhalt zeigt insgesamt wenig Aufheiterungen / Zimmerauslastung katastrophal
ZEITZ (jg). Kaiserwetter begleitete die Präsentation der Ergebnisse des Tourismusbarometers für Sachsen-Anhalt in Zeitz. Wie die neu entstandenen Gärten der Moritzburg bewiesen, so Schlossherrin Kirsten Otto, „hat Zeitz diese Chance für den touristischen Aufschwung genutzt“. Damit böten sich für die tausendjährige Residenz- und Industriestadt an der weißen Elster jetzt ganz neue Voraussetzungen für ihre intensive touristische Vermarktung. Aber die Besucherzahlen, die Mitte August erst bei der Hälfte des Erhofften lagen, dämpfen jede Euphorie.
Dafür boten auch die Auguren des Tourismus wenig Anlass. Von Jahresbeginn bis Mai buchten 852. 000 Gäste rund 2,1 Mio. Übernachtungen. Das waren 8,1 Prozent mehr Gästeankünfte und 8,3 Prozent mehr Übernachtungen als im Zeitraum Januar bis Mai. Sachsen-Anhalt rangiert damit hinter Berlin, Hamburg und Bremen. Es ist hinsichtlich der Zuwächse also sogar das beste aller Flächenländer. Einziger Haken dabei sind die niedrigen Ausgangswerte. Die durchschnittliche Zimmerauslastung lag vergangenes Jahr in Sachsen-Anhalt bei 32,9 Prozent. 8,3 Prozent mehr Übernachtungen, wenn das hoffentlich übers ganze Jahr gilt, steigern die Auslastungsrate gerade mal um 2,73 Punkte. „Die Situation ist schlichtweg katastrophal“, befand Dr. Manfred Zeiner, Geschäftsführer der für die Studie verantwortlichen dwif-Consulting München. Unterhalb der Zimmerauslastung zu mindestens einem Drittel seien Beherbergungsbetriebe nicht lebensfähig. „Wenn es so bleibt, drohen gravierende Marktbereinigungen“, warnte er. Was besonders in Halle, der Saale-Unstrut-Region und Anhalt-Wittenberg mit Auslastungsquoten 2003 zwischen 27,5 und 29,8 Prozent zu denken geben wird.
Nach den Fremdabhebungen an Geldausgabeautomaten der Sparkassen kommen 56 Prozent aller Gäste aus dem eigenen Bundesland. Platz Zwei belegt Niedersachsen (8), vor dem gesamten Ausland (7) sowie Sachsen (6) und Nordrhein-Westfalen (5) Prozent. Interessant ist, dass der Gästezuspruch aus Niedersachsen in den Monaten Juni bis September am geringsten ist, wenn Sachsen, Thüringer und Ausländer das größte Interesse an Harzluft und Straße der Romanik an den Tage legen.
Worauf es ankommt, machte eindringlich Dr. Hansgeorg Oette, Geschäftsführer der Landesmarketing GmbHAbk. für Gesellschaft mit beschränkter Haftung.
weiter mit Mausklick... klar. Mit vielen Maßnahmen habe man einiges vorangebracht. Einige Ziele müsse man aber viel konsequenter verfolgen, was Abstriche andernorts nach sich zieht. Trennung von althergebrachten Produkten und Strukturen, die sich nicht auszahlen, sei angesagt wie Abschied von Illusionen über Verkaufsfähigkeit touristischer Angebote.
Die gesamte Tourismuswirtschaft, so Oette, müsse zielgruppenorientierter arbeiten. Zweitens gehe es um höchste Komplexität in der touristischen Angebotskette, bis hin zu Taxi- und anderen Dienstleistungsunternehmen. Nur wenn alle an einem Strang ziehen, komme man zu hoher Qualität. Drittens gehe es um die Konzentration der Mittel bei klarer Aufgabenteilung. Gefordert seien neue Marketing-Strategien und neue Partnerschaften.
Gleichzeitig warnte der Tourismusexperte vor Fehlentwicklungen. „Events sind kein Allheilmittel“, betonte er. Wo Wildwuchs dominiert, drohe Kannibalismus, der höchstens Veranstalter in die InsolvenzZahlungsunfähigkeit eines Unternehmens oder einer Privatperson .
weiter mit Mausklick... treibt, statt mehr Gäste anzulocken. Zum anderen drohe eine Aufsplitterung der Tourismusregionen deren Marktfähigkeit zu zerstören. Der Harz sei als eigenständige Destination eine Bank. Daneben sollten die Touristiker verstärkt Themen wie Romanik oder die Landschaftsgärten in den Vordergrund stellen.