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Bayern

Zur Halbzeit noch unentschieden

Große Profite sind für Gastronomen bei der WM nicht drin

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2006/26 vom 1. Juli 2006
von  

MÜNCHEN Fußball überall: Etwa 260 Lokale in und um München zeigen die Spiele, ob auf Großbildleinwand oder Bildschirm. „Jede Dönerbude hat heute einen Beamer mit einem Bettlaken – ohne geht’s schon gar nicht mehr“, so ein Gastwirt. Höhere Umsätze erwarten die Gastronomen durch die Fußball-WM aber nicht. „In München sind nur sechs Spiele, ins Stadion passen 60.000 Menschen. Das sind insgesamt 360.000 Gäste. An einem normalen Oktoberfest-Samstag kommen mehr Gäste in die Stadt. Das wissen unsere Gastronomen“, sagt Ulrich John, BHG-Pressesprecher. Die meisten Wirte seien schon froh, wenn sie „plus/minus Null davonkommen.“ Gewinner seien die Großbiergärten, die ihren Gästen Live-Übertragungen mit Großbildschirmen bieten.

Positiv sei, dass die Außengastronomie während der Fußball-WM auch bis ein Uhr ausschenken dürfe, das bringe schon einiges mehr in die Kassen. Zudem profitierten Wirte mit einem Lokal an der „Feiermeile Leopoldstraße vom Siegestor bis Münchner Freiheit“.

Zufrieden mit der Fußball-WM ist Rudi Kull, Geschäftsführer (Buffet Kull, Bar Centrale, Rivabar und Brenner): „In unseren Betrieben lief das WM-Geschäft sehr gut. Viele neue Gäste und auch unsere Stammgäste hatten gemeinsam Spaß und freuten sich gleichermaßen über die Fußball-Tore. Wir haben in allen unseren Betrieben bis auf das Buffet Kull Leinwände oder Fernseher aufgestellt und dies war auch nötig. Personal haben wir nur wie jedes Jahr zur Terrasseneröffnung eingestellt.“

Martin Kolonko, Geschäftsführer ROK-Gruppe (Forum, Wirtshaus Zur Brez’n, Wirtshaus Zum Straubinger, Wirtshaus in der Au, P1 Lounge & Club) ist sehr zufrieden mit dem Verlauf der WM. „Besonders unsere Sonder-Events ,Haus der Kunst Arena‘ und ,Der Strand‘ an der Corneliusbrücke waren ein großer Erfolg. In den Lokalen, die nicht Hauptschauplatz der großen Festivitäten waren, konnten wir ein besonderes Fußballerlebnis bieten – sei es durch die Großbildleinwände oder einige kulinarische Besonderheiten, vom WM-Knödel bis zum Kamikaze-Fingerfood-Tower..

Jene Lokale, die an hochfrequentierten Standorten angesiedelt sind, profitierten, wie das Wirtshaus Zur Brez’n an der Leopoldstraße. Dort feierte fast jeden Abend eine andere Nationalität ihre Siege. „Bei Deutschland-, Brasilien-, oder Finalspielen wurde die komplette Straße für die Fans abgesperrt und wir setzten in diesen Abendstunden bis zu 30 Prozent mehr Bier um als sonst.“

In anderen Lokalen, die nicht an Touristenpolen liegen, beschränkte sich das Publikum auf Stammgäste, die gezielt durch Werbung zum Fußball-Schauen ins Lokal gelockt wurden. „In machen Lokalen hatten wir aber geringere Umsätze, denn 30.000 Leute beim Fanfest im Olympiagelände oder 3000 Besucher der Haus der Kunst Arena spürt man einfach“, so Kolonko

Ein negatives Resümee zieht Birgit Netzle-Piechotka, Wirtin im Asamschlössl: „Es war der schlechteste Juni seit langem. In der Gaststube haben wir zwei Fernseher, aber keine Außenleinwand im Garten.“ Viele Gäste hätten sich erst telefonisch erkundigt, ob es eine Leinwand im Garten gebe. „Erst als wir betonten, dass der Garten fußballfreie Zone ist, wurde ein Tisch reserviert“, so die Wirtin. „An einem Sonntag hatten wir von der Fifa 50 Brasilianer, die den Garten musikalisch aufgemischt haben. Unsere Taufgesellschaft musste schön schlucken. Aber wir haben ja nur einmal WM und so konnte ich alle besänftigen.“

Eine positive WM-Bilanz zog das Münchner Tourismusamt: In den ersten beiden Wochen besuchten bereits 5 Mio. Gäste die Stadt. 230.00 übernachteten in Hotels und Pensionen und rund 310.000 bei Freunden oder Verwandten. Rund um die Spieltage kamen 4,5 Millionen Tagesgäste dazu.

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