Nürburgring
„Ein Scheitern würde uns voll treffen“
Reaktion auf Nürburgring-Desaster: Hoteliers rund um den Ring hoffen, dass die Rennstrecke mit dem künftigen Betreiber eine Zukunft hat
NÜRBURG. Gestartet als gigantisches Tourismus- und Infrastrukturprojekt, sorgt der Ausbau des Nürburgrings seit Jahren für meist negative Schlagzeilen. Das Land Rheinland-Pfalz wollte unabhängiger von den Launen des Formel-1-Veranstalters Bernie Ecclestone werden, der mehr Geld abzog als er brachte. Deshalb ist mit viel Geld, das sich eine landeseigene Gesellschaft geliehen hatte, ein Freizeitpark rund um den Ring entstanden, der Millionen bringen sollte, sich aber nie gerechnet hat.
Sinnbild dafür ist die Hightech-Achterbahn auf dem Gelände, die eine der Hauptattraktionen sein sollte, aber nie gelaufen ist. Das Ende vom Lied war die krachende InsolvenzZahlungsunfähigkeit eines Unternehmens oder einer Privatperson .
weiter mit Mausklick... der Landesgesellschaft, viel zerschlagenes Porzellan und eine Menge verlorenes Geld, für das wahrscheinlich der Steuerzahler aufkommen muss.
Vergleichsweise gut scheint dennoch der Hotel- und Gastronomiebetrieb am Ring zu laufen, der unter Lindner-Flagge segelt. Im AHGZ-Ranking der Top 200-Hotelgesellschaften vom Mai dieses Jahres ist der Lindner Hotels & Ferienpark Nürburgring erstmals aufgeführt – auf Platz 120. Genannt wurde für 2011 ein Nettoumsatz von 12 Mio. Euro, ein Plus von 62 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das habe am Formel-1-Rennen im Jahr 2011 gelegen, aber auch an der steigenden Akzeptanz der beiden 3- und 4-Sterne-Hotels und der 100 Ferienhäuser bei den Gästen, sagt der Chef der Lindner Hotels, Otto Lindner. „Wir konnten immer mehr Gäste von dem einmaligen Konzept begeistern“, so der Unternehmer.
Und was sagen die anderen Hoteliers in der Region zu den Turbulenzen am Nürburgring? Sie befürchten natürlich, dass Gäste ausbleiben und Umsätze einbrechen, wenn der künftige Betreiber am Ring keinen Erfolg hat. „Die ganze Ahr-Region profitiert vom Nürburgring“, sagt Karl Josef Zimmermann vom 3-Sterne-Hotel Kalenborner Höhe in Kalenborn. „Ein Scheitern des Betreibers würde uns voll treffen. Zwar haben uns die großen, subventionierten Hotels am Ring viel UmsatzWertmäßige Erfassung des Absatzes einer Unternehmung.
weiter mit Mausklick... weggenommen, doch bei größeren Events haben wir das Haus immer proppenvoll gehabt.“ Beat Schmitz vom 3-Sterne-Hotel am Tiergarten in Nürburg befürchtet gar, dass ein „Supergau“ eintreten könnte: 99 Prozent der Betriebe leben in der Region vom Nürburgring, vom Bäcker und Metzger bis zum Gastronom und Hotelier. Jetzt heißt es abzuwarten, wie der neue Betreiber es machen wird. Bis dahin versuchen wir mit dem neuen, bescheidenen Geschäft weiter zu leben.“ Jens Zehmisch vom 2-Sterne-Eifelhotel Oldtimer in Kaltenborn hofft auf einen neuen Betreiber: „Im Prinzip kann es für uns nur besser werden, wenn mit einem neuen Betreiber ein fairer Wettbewerb wieder zugelassen wird.“
Mit großspurigen Ankündigungen seitens des Landes sollten mit dem Indoor-Freizeitpark, mit Stores und Showrooms, Restaurants und Hotels, ganzjährig scharenweise Touristen in die Gegend gelockt werden. Das sei, wie man jetzt wisse, ausgeblieben, beschreibt Karla Friedrich vom 3-Sterne-Hotel Hüllen in Barweiler-Nürburgring die Situation. „Das Ziel, das man sich gesetzt hatte, ist eben etwas zu groß geraten.“
Eduard Retterath vom 3-Sterne-Hotel garni Retterrath in Wiesemscheid betrachtet sein Haus als weniger abhängig vom Ring: „Wir haben unsere Ring-Stammgäste, und die würden wir sicher verlieren. Aber da wir ein relativ kleines Haus sind, wird es uns betriebswirtschaftlich nicht allzu viel ausmachen.“
Fazit: Die Hoteliers in der Region sind enttäuscht vom Scheitern des Ring-Konzepts. Manche befürchten einen Supergau für ihr Geschäft, andere hoffen auf die Zukunft und wieder andere sind so sehr vom Ring-Geschäft gar nicht abhängig. hz/rk/fe
