Starwood
„Zukunft außerhalb der USA“
Das langjährige Joint Venture mit der Arabella Hospitality Group ist zu Ende. Seit Juli betreibt beziehungsweise konzessioniert Starwood Hotels&Resorts die Hotels in Eigenregie, darunter Marken wie Westin, Sheraton, Four Points by Sheraton, St. Regis und The Luxury Collection. Hat das Management jetzt endlich freie Hand?
Willms: Wir haben den Wert des Joint Ventures immer zu schätzen gewusst. Künftig konzentriert sich jeder klar auf seine eigenen Stärken. Bei uns steht damit das Management beziehungsweise die Konzessionierung im Vordergrund. Das entspricht unserer Strategie. Von unseren knapp 1100 Hotels führen wir den Großteil im Management. Lediglich 64 Hotels gehören uns.
Welche Marken kommen bald?
Willms: Ganz klar die Marke W. Dafür schauen wir konkret nach Berlin, München und Hamburg. Vielleicht würde Köln noch funktionieren. Das W-Hotel in Barcelona schreibt bereits Erfolgsgeschichte. Wir haben soeben Häuser in London und St. Petersburg eröffnet. Demnächst folgen Paris, Mailand und Verbier. Den Bekanntheitsgrad der Marke und die Nachfrage müssen wir über die großen Städte in Europa ankurbeln. Wir gehen in Städte mit internationalen Flughäfen und einer gewissen Lifestyle-Kultur.
Wie sehen Ihre Pläne für die Marke Aloft aus?
Willms: Wir haben im vergangenen Herbst in Brüssel eröffnet, in London startet Aloft im November dieses Jahres – pünktlich zu den Olympischen Spielen 2012. Die Marke braucht eine gute Lage, geht aber nicht nur in die Stadtmitte, sondern auch an Ausfallstraßen. Der Umfang eines Aloft-Hotels beträgt rund 165 Zimmer. Vom Niveau her haben wir ein Design-Konstrukt wie bei W, aber mit Limited Service. Damit liegen wir in Deutschland in der Kategorie 4-Sterne-minus.
Könnten Aloft-Hotels in Deutschland auch an B- und C-Standorten entstehen?
Willms: Absolut. Bei Aloft sind wir nicht so wählerisch wie bei W-Hotels, was nicht abwertend gemeint ist. Aloft passt auf jeden Fall in B-Städte und in B-Lagen. Wir führen Gespräche für Hotels in Stuttgart und Düsseldorf, aber auch München und Berlin sind interessant. Mit dem Preisniveau, das wir anstreben, kann man sich den Altstadtring in München nicht unbedingt leisten.
Wie sieht es aus mit Boardinghäusern?
Willms: Diesen Markt sehen wir durchaus als Zukunftsmarkt. Wobei Europa im Vergleich zu den USA hinterherhinkt. Unsere Marke hierfür ist Element mit der DNA von Westin als Longstay-Konzept mit kleiner Küche und Mikrowelle. In frühestens drei Jahren werden wir mit ihr nach Europa kommen.
Mit Aloft greifen sie gezielt die 3-Sterne-Privathotellerie an?
Willms: Das klingt zu negativ. Aloft ist eine Chance für die Kollegen, da wir diese Marke auch über Franchise mit guten Partnern konzessionieren. Aber es muss natürlich ein Design-Hotel sein und dem Markenwert entsprechen. W hingegen werden wir ausschließlich im Management betreiben.
Sind Übernahmen auch in anderen Segmenten geplant?
Willms: Ja, beispielsweise in der Luxury Collection. Die Marke ist eher ein Softbrand und nicht so strikt wie ein Westin oder Sheraton. Potenzial sehen wir in den schönen alten Hotels. Renommierte Häuser können sich uns anschließen, dürfen aber ihren Namen behalten. Beispiel: Das Hotel Imperial in Wien. Wir bieten den Anschluss an Reservierungssysteme und Loyalitätsprogramme. Kaufen würden wir nur in Ausnahmefällen.
Wie auch das Hotel Goldener Hirsch in Salzburg?
Willms: Der Hirsch hat uns ja schon zu 47 Prozent gehört und jetzt haben wir ihn ganz, ebenso wie das Hotel Imperial in Wien. Für das Bristol in Wien haben wir einen langfristigen Managementvertrag abgeschlossen. Wir hatten natürlich das Ziel, in den Städten zu bleiben, wo wir bereits sind, die Marken auch zu halten. In der Familie Gürtler (Sacher-Gruppe) haben wir einen vertrauensvollen Partner gefunden mit den gleichen Zielen.
Kommt nun eigentlich ein Sheraton an den Berliner Hauptbahnhof?
Willms: Aufgrund verschiedener Absprachen, die nicht eingehalten wurden, ist der Pachtvertrag, den die Arabella Hospitality Group abgeschlossen hat, nicht zu realisieren. Wir sind noch an dem Standort interessiert, sind auch noch im Gespräch, aber so konkret, wie es schon war, ist das Projekt nicht mehr. Generell wünschen wir uns ein W-Hotel für Berlin. Ein designstarkes Luxushotel in dieser Form gibt es noch nicht in Berlin.
Was setzen Sie in Berlin dem Waldorf Astoria entgegen?
Willms: Das Waldorf Astoria schätze ich von der Ratenpolitik auf dem Niveau eines Westin ein, nur an einem anderen Standort, am Bahnhof Zoo. Hier kann ich mir kein St. Regis vorstellen. Dafür aber an einem anderen Berliner Standort mit AAA-Lage. Der Berliner Westen hat Nachholbedarf, hier könnte ich mir ein Starwood-Hotel durchaus vorstellen.
Wie schätzen Sie das Preisniveau in Zukunft für Berlin ein?
Willms: Berlin ist ein touristisch geprägter Standort mit sehr viel Leisure-Gästen. Außer Tagungen und den Regierungsgeschäften ist die Stadt weder Banken-, noch Berater- oder Versicherungsstandort. Während der Teilung Deutschlands sind die Firmen weggezogen. Zudem hat Berlin noch keinen ausreichend dimensionierten Flughafen. Die Stadt ist nicht unbedingt auf höchstem Ratenniveau. Wenn es dann aber mit dem neuen Flughafen weltweite Verbindungen in die großen Städte gibt, sieht es anders aus.
Von Europa nach Asien. Ist China Ihr größter Wachstumsmarkt?
Willms: Ja, wir sind dort mit mehr als 70 Hotels unter acht von neun Marken präsent und haben bereits 90 weitere Häuser in der Entwicklung. Dort kennt man unsere Marken. Die Chinesen kommen vor allem in Gruppen nach Deutschland. Entweder als Delegation oder zu Messen. Grund ist eine gewisse Visa-Problematik. Wie bei den Japanern in den 80er-Jahren oder den Arabern, als der Reisestrom von dort einsetzte. Aber klar, das ist der neue Markt. Auch Indien zähle ich dazu. Auch dort sind wir stark. Der Individualbereich kommt noch. Wir richten uns schon jetzt darauf ein, indem wir uns mit ihren kulturellen Gepflogenheiten beschäftigen und besondere Services in unseren Hotels auf der ganzen Welt anbieten.
Der Starwood-Führungssitz wurde für einen Monat nach Schanghai verlegt. Welche Erfahrungen haben Sie dort gemacht?
Willms: Früher waren wir sehr auf die USA fixiert, auch wegen unserer Zentrale in White Plains (New York). Die Zukunft liegt zu 70 Prozent außerhalb Amerikas, in den neuen Märkten. Deshalb wollten wir ein Zeichen setzen und sind mit dem gesamten Führungsteam für einen Monat nach Schanghai gegangen. Wir haben dort gearbeitet, Kunden und Gäste getroffen, Developer kennengelernt, neue Projekte gesehen und mit Eigentümern und Mitarbeitern gesprochen.
Ein einmaliges Projekt?
Willms: Sicher nicht. Wir werden das vielleicht auch an anderen Wachstumsstandorten wie Dubai und Russland machen. Meine Aufgabe kann ich nicht vom Schreibtisch aus erledigen. Man muss Märkte begreifen, indem man präsent ist. Das ist jetzt wirklich ein globaler Ansatz. Wenn wir heute ein Hotel eröffnen, dann ist der Großteil der Mitarbeiter, die wir einstellen, aus der jeweiligen Region.
Über Starwood:
Der Konzern mit Sitz in White Plains/New York (USA) führt derzeit 1051 Hotels in 100 Ländern und beschäftigt 145.000 Mitarbeiter weltweit. Starwood ist Eigentümer, Betreiber und Franchisegeber. Die Marken: St. Regis, The Luxury Collection, W, Westin, Le Méridien, Sheraton, Four Points by Sheraton, Aloft und Elements. Bis 1. Juli 2011 galt
das Joint Venture mit der Arabella Hospitality Group. Nach dieser Zäsur will Starwood expandieren.
Quelle: Unternehmen

