Recht
A&O kämpft gegen Portal Holidaycheck
von Heike Kinkopf
STUTTGART. Dass Gäste auf Buchungsportalen Hotels bewerten, Kommentare über Essen, Betten oder Mitarbeiter abgeben und dabei manche Lüge verbreiten, stößt Hoteliers zuweilen sauer auf. Die A&O Hotels and Hostels Group scheut die gerichtliche Auseinandersetzung nicht. Sie erstreitet vor dem LandgerichtGericht der ordentlichen Gerichtsbarkeit auf Landesebene, bei dem Zivil- und Strafkammern gebildet werden.
weiter mit Mausklick... Hamburg zwei einstweilige Verfügungen gegen das Buchungsportal Holidaycheck.
Erster Fall: A&O hat in Prag eine alte Hotelimmobilie übernommen und wehrte sich dagegen, dass Holidaycheck die zum alten Betrieb abgegebenen Beiträge weiterhin in Bezug auf den neuen Betreiber veröffentlichte, so A&O-Anwalt Alexander Knigge in Berlin. Das sei unzulässig, bestätigt das Landgericht Hamburg, selbst wenn bei Holidaycheck ein Hinweis auf den neuen Betreiber erfolge und die alten Kommentierungen nicht in die aktuelle Benotung des Hotels einfließe. „Wir müssen künftig besser darstellen, wenn sich eine Bewertung auf ein Hotel bezieht, das inzwischen einen neuen Betreiber hat oder renoviert wurde“, räumt Claudius Moarefi ein, Senior Marketing Manager bei Holidaycheck. Daran werde gearbeitet.
Zweiter Fall: Der Direktor des A&O Hamburg hatte sich wegen eines unzutreffenden Beitrags direkt an das Portal gewandt. Das Unternehmen mit Sitz in der Schweiz forderte den Direktor daraufhin auf, genau darzulegen, inwieweit die Behauptung falsch sei, bevor es reagiere. Auch dieses Vorgehen nennt das Landgericht Hamburg unzulässig. Also nahm Holidaycheck mit dem Verfasser des Beitrags Kontakt auf. Die Autorin zog ihre Behauptung zurück, der Beitrag wurde gelöscht.
Dass ein Hotelier nicht unfreiwillig der "Arbeitsbüttel und Qualitätschecker der von Holidaycheck kommerziell verwerteten Bewertungen sein muss", ist erklärtes Ziel von A & O General ManagerMitarbeiter der Hotelleitung mit der Aufgabe, die Interessen des Hotelunternehmers wahrzunehmen.
weiter mit Mausklick... Oliver Winter. Ihm stößt sauer auf, dass Hoteliers Bewertungsportale permanent im Blick haben müssen, um auf eventuell verbreitete Lügen zu reagieren. Diese können dem Ruf des Hauses schaden und erfordert den Einsatz von Arbeitszeit und -kraft.
"Eine kommerzielle Verarbeitung von weitestgehend anonymen Kritiken über Dritte hilft keinem, außer Holidaycheck", so Winter weiter. "So ist es auch deren Aufgabe, dafür zu sorgen, dass der Hotelier vor der Veröffentlichung von Unwahrheiten und vor Manipulation geschützt wird. Das geschiegt nicht."
Holidaycheck betont den Willen zum guten Miteinander. „Das Wichtigste ist Kommunikation“, so Claudius Moarefi. Verärgerte Hoteliers melden sich am besten per E-Mail unter service@holidaycheck.com.








Kathrin Eickmeyer, Althütte
29.08.2012 um 21:52
Betreff: Noch etwas - Bewertungen als Chance sehen
Aus aktuellem Anlass noch ein Nachsatz:
Nach meiner Erfahrung ist es so, dass die Anzahl von Hotelbewertungen fast automatisch steigt, wenn jede Bewertung vom Hotel individuell und professionell beantwortet wird. Dabei überwiegen die positiven Bewertungen - und die Gäste geben sich mehr Mühe als zuvor, ein aussagekräftiges Urteil über das Hotel, seine Stärken und Schwächen, etc. zu formulieren. Reine "Mecker-" oder "Rache-" Bewertungen kommen fast nicht vor. Weil die Gäste sich ernstgenommen fühlen und vielleicht schon im Vorfeld (aus den Antworten zu vorhergegangenen Bewertungen) wissen, dass ein Anruf an der Rezeption genügt, um z. B. eine weiche Auflage für die als "zu hart" empfundene Matratze aufgezogen zu bekommen. Viele bewerten auch grundsätzlich positiv, aber haben vielleicht 1 - 5 konstruktive Verbesserungsvorschläge, die leicht umsetzbar sind.
Ein Extrembeispiel aus meiner Praxis: Im Vergleich zum jeweiligen Vorjahresmonat generiert einer meiner Kunden bei gleicher (Voll-)Auslastung 95 - 145% mehr Bewertungen, seit jede Bewertung beantwortet und aktiv damit gearbeitet wird. Auch die Weiterempfehlung ist gestiegen. Und das Ganze ohne Tricksereien und ohne HC - Werbeaushänge-/ Aufsteller im Hotel. Die Gäste können und sollen selbst frei entscheiden, ob sie eine Bewertung schreiben oder nicht. Ein Großteil der Gäste hat vor dem Urlaub die Bewertungen ehemaliger Gäste gelesen und auch die Antwort des Hoteliers. Und sehr viele schreiben eine Bewertung, weil sie genau das auch wollen: Ernstgenommen werden, Verbesserungsvorschläge umgesetzt haben, etc..
Manchmal sind zwar auch recht unrealistische Vorschläge dabei (wie z. B. im August bei 45°C den Hotelstrand an der türkischen Riviera regelmäßig zu beregnen und am besten auch noch Klimaanlegen aufstellen, damit der Sand nicht so heiß ist oder auf einem türkischen Hotelbuffet auch mal Spanferkel zu kredenzen...), aber durchaus auch clevere Ideen aus Gästesicht (z. B. die konsequente, aber humane Unterbindung der ewigen und unnötigen Reservierung von Pool- und Strandliegen, der etwas unlogische Aufbau des Buffets, der bedarfsgerecht angepasst werden kann, bessere Beschriftung der Speisen, der Wunsch nach Küchenführungen und einem "Blick hinter die Kulissen", etc.) ? fast alles ist möglich und wird von den Gästen honoriert und geschätzt. Wenn man nur will, auf seine Gäste hört, die Bedürfnisse ernstnimmt und das auch öffentlich signalisiert.
Wenn jedoch ein 13 ? Zimmer Hotel es noch nicht mal schafft, mehr als einen schlecht gemachten Lageplan im Hotelprofil zu hinterlegen, booking.com hinauswirft (die freudestrahlend verkünden, dass das Hotel da nicht buchbar ist und den Gast direkt zur Konkurrenz schicken?) und wenn dieses Hotel dann noch ein gesetzliches Verbot von Bewertungen fordert? dann ist da (freundlich formuliert) ein ganz grundsätzliches Umdenken erforderlich.