Anzeige

Markus und Kerstin Halft: Ihre Zeit im Gasthaus Am Ritter in Köln endet in Kürze.

© Restaurant

Gastbeitrag

Am Personalmangel verzweifelt

Markus Halft, Geschäftsführer und Küchenchef im Gasthaus Am Ritter in Köln, über die Schließung seines Restaurants.

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2016/12 vom 26. März 2016

Am 3. April bewirten wir zum letzten Mal unsere Gäste und verabschieden uns aus Köln- Dünnwald. Wir sind darüber sehr traurig, denn es liegt nicht am Gästemangel, sondern am Fachkräftemangel! Betriebswirtschaftlich sind wir erfolgreich und mussten uns diesbezüglich nie Sorgen machen. Aber der Einsatz, der dafür erbracht werden muss, steht für uns in keiner Relation zum betriebswirtschaftlichen Erfolg beziehungsweise zur Lebensqualität, die verloren geht.

Seit drei Jahren suchen wir verzweifelt geeignete Köche, die ihren Beruf mit Herzblut und Leidenschaft ausüben. Auch mit Internetplattformen, Arbeitsamt und Anzeigen ist es uns in den letzten drei Jahren nicht gelungen, geeignete Fachkräfte auf Dauer einstellen zu können.

Es liegt eventuell am demografischen Wandel, am Trend zum Studium oder aber an der Arbeitseinstellung. Kaum einer ist bereit, Verantwortung zu übernehmen oder in der Lage, aus seinem Beruf Freude zu ziehen. Viele verdienen gern gutes Geld, ohne sich engagieren zu müssen. Auf die Gastronomie bezogen, ist es für den Koch auch leichter, vorgefertigte Produkte aufzuwärmen als frische Lebensmittel zuzubereiten. Das sind aber Köche, die für uns nie in Frage kamen.

Wir wissen, dass die Arbeitszeiten und die Bezahlung in der Gastronomie für die Arbeitnehmer unattraktiv sind. Dies haben wir durch zwei Ruhetage, übertarifliche Bezahlung, eingeschränkte Öffnungszeiten und persönliche Wertschätzung zu ändern versucht. Uns ist klar, dass nur ein zufriedener Mitarbeiter ein guter Mitarbeiter ist. Raum für ein erfülltes Privatleben muss gegeben sein. Dieselben Bedürfnisse haben wir auch und sind nicht länger bereit, das durch Eigenleistung aufzufangen.

Den Anspruch, den der Gast an uns hat, haben wir auch und setzen das bei unseren Mitarbeitern ebenfalls voraus. Der gelernte Koch wie auch die gelernte Restaurantfachfrau sollten über entsprechende Fachkompetenz verfügen und das Wissen dementsprechend umsetzen.

Nun läuft unser aktueller PachtvertragÜberlassung von Miet- und Pachtgegenständen gegen Entgelt auf eine bestimmte oder unbestimmte Zeit festgelegt sowie hinsichtlich der Rückgabepflicht eingeschränkt.
weiter mit Mausklick...
im Mai aus, der Vermieter würde gern verlängern. Wir sehen uns aber außer Stande, den Ritter in gewohnter Weise zu bewirtschaften und stellen uns einer neuen Herausforderung.

Diese Entscheidung ist uns außerordentlich schwer gefallen, zudem wir an unseren vielen Stammgästen hängen und wirklich traurig darüber sind, dass es an fehlender Unterstützung scheitert. Wir hoffen, dass sich bald wieder ein neuer Hausherr findet, der in der Lage ist, das Gasthaus Am Ritter so zu betreiben, wie es sich der anspruchsvolle Gast wünscht. Wir danken für die tolle Zeit mit unseren Gästen und den Menschen, die uns privat und beruflich unterstützt haben.

Noch ein Wort zur Ausbildung: Als Ausbilder sollte man sich seiner Verantwortung bewusst sein und auf gutem Niveau, gewissenhaft ausbilden. Weniger geeignete Kandidaten werden oft als billige Arbeitskräfte missbraucht. Fair wäre es, sich von ihnen zu trennen oder sie in andere Tätigkeitsbereiche zu vermitteln. Das Alles ist mit viel Mühe, Arbeit, KostenDer in Geldeinheiten bewertete Verbrauch von Produktionsfaktoren und Dienstleistungen, der zur Erstellung und zum Absatz der betrieblichen Leistung erforderlich ist.
weiter mit Mausklick...
und Geduld verbunden. Der Lohn für das Gastgewerbe und die gastronomische Kultur wären aber gut ausgebildete und leistungsfähige Fachkräfte.


ThemenalarmKommentierenDrucken
Prof. Dr. Burkhard von Freyberg: „Jeder sollte zunächst vor seiner eigenen Haustüre fegen.“
Auch interessant

„Tu Gutes und sprich darüber“

Prof. Dr. Burkhard von Freyberg, Fakultät für Tourismus an der Hochschule München, schreibt über nachhaltiges Handeln in der Hotellerie. mehr...

Lesen Sie hierzu auch folgende Artikel:

Weitere Artikel zu den Themen:

Diesen Artikel bei Google+, Xing, Twitter oder Facebook weiterempfehlen:

Leser-Kommentare zum Artikel (4)

Andreas Mensing, Stade
Andreas Mensing, Stade

20.04.2016 um 23:32

Betreff: C.S.K. Kann ich bestätigen.

Ich war auch im Ausland in gehobener Gastronomie und hatte das Problem nicht mal zu Brutto ein Gehalt zu bekommen was ich Netto vorher in Irland verdiente.
Ich habe mich mit einen Imbiss selbständig gemacht. Nur meine Frau ich und ein Spüler. Jetzt verdiene ich sogar das dreifache als vorher in Irland.
15:00 Uhr geschlossen, Samstag Sonntag auch zu.

Claus Spendlinger, Sulzbach
Claus Spendlinger, Sulzbach

11.04.2016 um 10:33

Betreff: Betreff: Fachkräftemangel

Zum Teil sind auch die Gäste mit daran Schuld, die Wollen (oder Können) nicht mehr bezahlen. Weil Deutschland für gute Qualität nichts bezahlt. Gutes Personal kostet Geld, also muss ich die Preise erhöhen, ......
Der Rest ist Geschichte...

C. S., K.
C. S., K.

07.04.2016 um 13:57

Betreff: Fachkräftemangel

Das Thema Fachkräftemangel in Deutschland in der Gastro gibt es gar nicht und ist so wie ich das sehe Hausgemacht. Die Berufsschulen sind jedes Jahr voll teilweise sogar 4 Zügig.Das Problem liegt einfach woanders. Nicht die Arbeitszeiten sind schuld , diese hat man in der Pflege oder im Einzelhandel auch, aber da wird nicht soviel gejammert man bekäm keine Fachkräfte.Wenn man mal in die Statistiken schaut, dann sieht man das es genug ausgebildete Hofas und Refas gibt. Aber die arbeiten alle nicht mehr in der Branche, weil sie Jahre lang nur ausgebeutet und ausgenutzt wurden. Meine Cousine z.B.arbeitet schon seit 20 Jahren nicht mehr in Deutschland in Hotels, Sie arbeitet lieber im Ausland, dort bekommt Sie angemessenen Lohn und Wertschätzung für Ihre arbeit.Dort wird sie nicht zum Aufstocker. Als sie kürzlich hier in der Heimat wieder Fuss fassen wollte und sich hier als Hofa beworben hat in Vollzeit, war das höchste was man Ihr angeboten hat einen Bruttolohn von 1800 €, das ist doch wohl lächerlich.Bei der Berufserfahrung.Liebe Hoteliers, schaut euch doch mal woanders um, selbst in der Pflege hat man begriffen, das man etwas ändern muss und die klagen nicht so über Fachkräftemangel.Die haben vor Jahren begriffen wie man es macht.Und schaut euch doch mal in der Industrie um, dort gibt es Betriebe, da reisen sich geradezu die Leute darum, in einigen Firmen arbeiten zu dürfen. Und da gibt es auch Schichtdienst. Die erste Sauerei ist doch Schon, das Azubis bis um Mitternacht oder länger arbeiten müssen , dafür aber noch nicht einmal Nachtzuschlag erhalten. Also wer darf dann im Hotel immer bis Ende machen, der Azubi, denn dem muss man ja keine Nachtzuschläge zahlen.In vielen Hotels wird auch nur ausgebildet und niemand übernommen, weil sind ja billige Arbeitskräfte. Die Gesetze werden doch hier mit Füßen getreten.Ich könnte die Liste hier noch weiter führen,aber das würde glaube ich zu weit führen.Also bitte ändert schleunigst was in der Branche und hört auf zu erzählen es gäbe keine Fachkräfte, das ist absoluter Blödsinn, man muß halt mehr darum kämpfen und mehr dafür bieten in der heutigen zeit kann man sich die Jobs halt aussuchen.Und so schlecht wie der Beruf immer dargestellt wird ist der Job nicht, schlecht ist das Umfeld und was daraus gemacht wird. Denn wie ich Anfangs schon erwähnte, gibt es viele die diesen Beruf erlernen und eigentlich auch lieben.Sonst wäre die Branche ja schon lange Tot.

Dieter Linnstedt, Heilbronn
Dieter Linnstedt, Heilbronn

01.04.2016 um 17:59

Betreff: Fachkräftemängel

Abermals und abermals und nochmals(ich kanns echt nicht mehr hören+lesen!) : es gibt keinen ! Fachkräftemangel-Ende,Aus,Schluß!
Es liegt sicher an vielen anderen+ unterschiedlichen Gründen, die auch sicher jedem guten Gastronomen bekannt sind, aber nicht daran! Bsp.:Ich, 48, gelernter+guter Refa (Chef de Rang), über 25J. in gehobener Gastronomie tätig: arb.los! Und nein: Ich möchte kein übertriebenes Gehalt(schön wärs wenn ichs bekomm-lach; aber wenn ich bei manchen les 3000 netto-ich könnt...)-sondern anständige Bezahlung( wozu gibts eigentl. MTV, wenn sich manche net daran halten, Bsp. 2400 brutto, zahlen aber nur 2200 ) + anständige Arb.bedingungen ( nein, keine 12-16h jeden Tag! Und doch: auch das gibt es noch sehr sehr viel trotz Gesetzte). Dies hier ist meine pers.Meinung! Vielen Dank. D.L.

Anzeige