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Ländlich: Holzeinband mit Vogel

Der AHGZ-Speisekartentest: Landgasthof Waldvogel in Leipheim

Authentisch, nur Feinschliff fehlt

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2012/38 vom 15. September 2012

Der Landgasthof liegt in Leipheim, einer schönen bayerisch-schwäbischen Kleinstadt an der Donau. Die Karte des Gasthofs ist speziell, ganz wie die Philosophie des Hauses. Dies ist durchaus als Lob zu verstehen: Denn Philosophie und Karte heben sich wohltuend positiv von vielen anderen ab.

Der Einband ist aus Holz, ein Vogel ziert die Frontseite. Persönlich, verschmitzt schwäbisch, individuell und lebensfroh erfolgt die Ansprache des Gastes („Ein heiteres Nest für durstige Vögel, schräge Vögel, Vielflieger, Heimflieger, Überflieger, Nesthocker & Turteltauben. Schön, dass ihr zu uns geflogen seid!“). Zünftig sind die Speisen, appetitanregend die Bilder. Uns gefällt der Mix aus schwäbischem Angebot (Käsrahmspätzle, Zwiebelrostbraten) und einer Spur Extravaganz (Bruschetta von der Lachsforelle, Günzburger Bio-Lamm). Vereinzelt tun wir uns mit den Geschmackskompositionen schwer (Bio-Ziegenkäse, im Speckmantel gegrillt, auf Holzofenbrot und Erdbeeren serviert mit Gartengrün). Überzeugend und ökologisch vorausschauend ist die konsequent eingeschlagene regionale und grüne Ausrichtung des Gasthofes („Gerichte je nach Ernte & Angebot“, „hauseigenes Bauernbrot vom Holzofen“, „eigener Anbau von Salat, Kräutern, Gemüse“). Passend auch, dass Mitarbeiter und Küchenchef Patrick Gussmack authentisch und sympathisch porträtiert werden.

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, der bei der Kartenerstellung betrieben wurde, zeigt sich an vielen Stellen: Pfiffige Überschriften („Grünes Verlangen“, „Himmlischer Käse“, „Starker Schwabe“, „Knutschis“, „Fang des Tages“), die Listung der regionalen Zulieferer („Die Besten der Region“), das Einstreuen von Humor („Bei Oma und Opa Häussler klauen wir im Herbst die Äpfel, wenn die eigenen für den Most zu wenig sind.“) und ein Storytelling („Opa Georg siedelte damals 1928 mit seinem Hof raus in den Grünen Weg.[...]“) sind Beispiele hierfür. Die Preisfestsetzung ist human, wir finden hierbei nur wenig Fragwürdiges (Wurstbrot mit Essiggurke 5,20 Euro), die Währungseinheit Euro sollte aus dem Text in eine Fußnote gezogen werden.

Die Macher der Karte begehen auch Patzer. Zu ein paar Rechtschreibfehlern (a la, Preßack) und Grammatikfehlern (mit frisch geriebenen Meerrettich, selbstgemachter Maultasche) gesellen sich Komma- und Menükundefehler (Schweinsbratwürstl mit Bratkartoffeln und Sauerkraut). Bei den Speisengruppen fehlen die Struktur gebenden Überschriften (etwa Vorspeisen, Suppen, Hauptgang). Den „kleinen Gartensalat“ entdecken wir bei nahezu jedem Hauptgang, dagegen vermissen wir Gemüsebeilagen und Desserts. Die Beschreibung der Speisen in schwäbischer Sprache wird nicht konsequent durchgehalten.

Was möchten wir empfehlen? Wie bei vielen Speisekarten gilt auch hier die goldene Regel der Gestaltpsychologie „Weniger ist mehr“: einheitliche Ausrichtung des Satzspiegels und der Zeilenabstände, Vereinheitlichung von Schriften, Schriftgrößen, Bildsprache und Farben. Nicht gelb, grün, blau und schwarz, sondern die konsequente Verwendung von grüner und schwarzer Schrift und ein klarer Verzicht auf die nur schwer lesbare, da verschnörkelte Schreibschrift und die nicht wertig wirkenden Tierpiktogramme. Die Ansprache des Gastes erfolgt mal per Du, mal per Sie. Wir empfehlen, dem Gast Respekt zu zollen und ihn zu siezen.

Unsere abschließende Einschätzung: Mit etwas Feinschliff würde sich eine bemerkenswerte Karte noch mehr „ins rechte Licht rücken“ lassen.

Wolfgang Fuchs/Bettina Kaiser

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