Kommentar
Das Dorfgasthaus hat eine Zukunft
Von Alexandra Leibfried, Redakteurin
Wer satt ist, ist glücklich. Und nirgendwo ist das so selbstverständlich wie auf dem Land. Im urigen Gasthaus treffen sich Menschen, der Wirt kennt die Familien, die bei ihm essen und feiern. Auch ausgehungerte Ausflügler und Urlauber stehen auf Hausmannskost.
Klingt also schockierend, dass immer mehr Wirtshäuser sterben, weil zu wenig Gäste kommen. Mit weniger Gästen müssen aber auch die Erfolgreichen auf dem Land auskommen. Wer mit ihnen spricht, erfährt: Sie machen wirklich etwas Besonderes, um sich bei Gästen aus der Region, aber auch bei Ausflüglern und Urlaubern ins Gedächtnis zu brennen. Sei es über eine spezielle Speisekarte mit den Lieblingsgerichten der Kunden oder die Spezialisierung auf Schlachtfrisches wie Kesselfleisch. Pfiffig ist auch ein Brandenburger Gastronom, der den Trend des „Frühstücken gehen“ der jüngeren Gäste aufgreift, damit man sich bei ihm vor dem Ausflug trifft.
Auch wenn die Zeiten vorbei sind, in denen Reisevermittler Zimmer und Stuben mit Vollpensionsgästen füllten, haben Gasthäuser oder Gasthöfe auf dem Land gute Chancen. Die Gäste wollen sich weiterhin Hausmannskost schmecken lassen und große Portionen verdrücken. Obwohl es nicht zu teuer sein darf, muss sicher nicht die Billigschiene gefahren werden. Auch Familienfeiern wird es weiterhin geben, bei denen regionale und saisonale Gerichte wunderbar ankommen.
Ein Hoch also auf mutige Wirte, die einen Neustart auf dem Land wagen. Zum Beispiel Sabine Wörndl, die Breitbrunn am Ammersee wieder ein Gasthaus beschert hat. Ebenso verdienen Leni und Erwin Mildenberger Respekt. Sie haben die Euroumstellung gemeistert und Verluste durch ein Vereinsheim hinnehmen müssen. Aus gesundheitlichen Gründen hören sie bald auf und kämpfen für einen Nachfolger. Sonst stirbt in Pfarrweisach das nächste Gasthaus. (Seite 9)


Adelheid Andruschkewitsch, Vellberg
26.06.2012 um 23:56
Betreff: Dorfgasthaus
Früher war das Dorfgasthaus der Kommunikationsort für die Bevölkerung der nahen Umgebung. In den nicht motorisierten, nicht verkabelten Zeiten wurde angesteuert was zu Fuß erreichbar war und es Informationen jeglicher Art gab. Die Handwerker haben sich dort am Sonntag eingefunden um sich den möglichen Kunden zu zeigen und die Anderen um Informationen auszutauschen, Neuigkeiten zu erfahren und um sich zu treffen.
Durch Fernseher, Email, Telefon, Werbung und unabhängige Mobilität ist ein Großteil der Gründe für einen Besuch im Dorfgasthaus weggefallen. Ein Überleben auf dem Lande mit wenig Laufkundschaft und ohne Sehenswürdigkeit in der Nachbarschaft ist nur möglich wenn man Gründe für den Gast schafft weshalb er dieses Gasthaus aufsuchen sollte, also ein Alleinstellungsmerkmal findet das den Zeitgeist trifft. Dazu noch etwas ehrliche Herzlichkeit und gelebte Gastlichkeit. Die Betreiber müssen auch gedanklich weg von der Tradition, dass das Dorfgathaus immer nur in der Familie weitergeleitet werden kann. Nur wer die Gastronomie als seine Berufung sieht wird auf dem Dorf überleben.