Systemgastronomie

Michael Süßmeier: „Klar positionieren und seinem Konzept treu bleiben.“

© Unternehmen

Gastbeitrag

Der Mittelstand ist flexibler

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2016/7 vom 20. Februar 2016

MÜNCHEN. und SystemgastronomieBetriebsform in der Gastronomie, bei der entgeltlich Getränke und/oder Speisen in einem standardisierten Gastronomiebetrieb abgegeben werden, die an Ort und Stelle verzehrt oder auch mitgenommen werden können.
weiter mit Mausklick...
: Eigentlich ist die Frage nicht, wie beide voneinander lernen können – sondern was beide voneinander lernen müssen. Wobei die Chancen für mittelständische Gastronomen besser stehen. Weil sie flexibler sind, schneller auf den Markt reagieren können. Die großen Hamburger-Ketten brauchen viel Zeit, bis sie ihren „Tanker“ in eine Richtung drehen, die der Nachfrage besser entspricht. Da hat es der Unternehmer vor Ort einfacher!

Letztgenanntem ist andererseits angeraten, sich mehr zu fokussieren. Sich klar zu positionieren und seinem Konzept dann auch treu zu bleiben. Einer der immensen Vorteile mittelständischer Gastronomie ist, dass zum Beispiel die Lage, die Geschichte des Hauses, spezielle Kompetenzen der Betreiber und besondere viel Stoff für eine „Story“ bieten. Warum dieses Potenzial so selten genutzt wird, ist mir ein Rätsel. Systemer müssen eine Geschichte erfinden – der Mittelstand hat sie bereits. Gäste wollen eine klare Orientierung – das haben sie nicht nur bei den Systemern gelernt. Es gilt also dringend zu beherzigen: Marke machen und/oder Marken nutzen. Und die damit verbundenen Versprechen dann auch halten.

Dafür braucht es Prozessdenken, Standardisierung. Dass Kochen eine Kunst ist, mag schon sein – aber kein Gast lässt sich mehr auf das Abenteuer ein, wie denn die Roulade heute wohl schmecken wird. Er erwartet eine dem „Haus“ entsprechende Qualität – und die muss er auch bekommen. Und das immer, jeden Tag, zu jeder Zeit. Schließlich werden Enttäuschungen in der digitalen Welt viel zu schnell weitergetragen.

Apropos Kommunikation, sprich WerbungTeilbereich des Kommunikationsmixes. Mediawerbung.
weiter mit Mausklick...
: Meiner liegt hier eines der größten Potenziale. „Das versteht sich doch von selbst“ ist oft der größte Hemmschuh. „Tu Gutes und sprich darüber“ lautet der Ansatz schlechthin.

Das Herausarbeiten der wesentlichen Profilmerkmale, die einen Betrieb, das Angebot, die Betreiber ausmachen, ist wahrlich nicht einfach – weil man oft viel zu sehr „drin“ steckt und nicht mehr sieht, wie die Gäste, „auf“ den Betrieb schaut. Wenn Sie nicht wissen oder erklären können, warum die Gäste zu Ihnen und nicht zum Mitbewerber kommen sollen, wie sollen es dann die Gäste wissen? Systemer haben eine Zentrale, mittelständische Betriebe den Betreiber oder die Betreiberfamilie. Oft versäumen die Letztgenannten, die Aufgaben wahrnehmen, die eine Zentrale bei den Systembetrieben übernimmt. Oder um es mit dem Hotelier Klaus Kobjoll auszudrücken: „Ich arbeite nicht mehr so viel im Unternehmen, aber sehr viel am Unternehmen“. Mittelständler beschließen Dinge oft aus dem Bauch heraus, was nicht immer falsch sein muss. Oder sie ändern gar nichts. Ein echter Fehler.

Mein dringender Rat: Nehmen Sie sich einmal ein paar Tage Zeit für einen Rückblick und einen Ausblick: Was lief gut? Wo müssen wir optimieren, was anpassen? Was machen unsere Mitbewerber, welche Gästewünsche zeichnen sich ab? Erarbeiten Sie einen Maßnahmenplan und den bereits erwähnten Marketingplan. Professor Bruno Tietz, ein hochangesehener Wirtschaftsprofessor, meinte einmal: „Wer nicht vordenkt, wer nicht nachdenkt, der muss zahlen.“ Recht hatte er!

www.ahgz.de/kommentar


ThemenalarmKommentierenDrucken
Moritz Grumbach: „Franchising funktioniert nicht auf Knopfdruck, ist kein Patentrezept.“
Auch interessant

Geschäftsmodell mit Tücken

Ein Gastbeitrag von Moritz Grumbach, Gründer und Chef von Gastrozentrale.de, München. mehr...

Lesen Sie hierzu auch folgende Artikel:


Lesen Sie hierzu folgende Bücher


Nachhaltigkeit als Erfolgsfaktor in Hotellerie und Gastronomie
Prof. Dr. Burkhard von Freyberg | Prof. Dr. Axel Gruner | Manuel Hübschmann

Nachhaltigkeit als Erfolgsfaktor in Hotellerie und Gastronomie

Ein Blick auf den Hotel- und Gastronomiemarkt zeigt, dass Nachhaltigkeit keine Modeerscheinung ist.

mehr...

Frühstück & Brunch
Hannes Finkbeiner | Ronny Siewert

Frühstück & Brunch

Die sieben ausführlichen Kapitel des Bildbandes widmen sich Themen wie Kaffee & Tee, deftiges und süßes Frühstück, regionale und internationale Spezialitäten, gesundes Frühstück... Die fundierte Warenkunde wird durch Tipps und Interviews ergänzt.

mehr...

Gastgewerbliche Betriebslehre
Kurt Wolf

Gastgewerbliche Betriebslehre

Kurt Wolf erläutert klar und verständlich die komplexen Zusammenhänge der gastgewerblichen Betriebslehre und informiert über alle wichtigen Aspekte, die in der gastronomischen Praxis wichtig sind.

mehr...

Partyservice und Catering
Helmut Kammerer | Eibe Cordes

Partyservice und Catering

Der Ratgeber richtet sich sowohl an Einsteiger in den Partyservice, als auch an erfahrene Caterer, die sich in Zukunft auch an die großen Aufträge heranwagen wollen.

mehr...

Weitere Artikel zu den Themen:

Diesen Artikel bei Google+, Xing, Twitter oder Facebook weiterempfehlen:

Bisher keine Leser-Kommentare zum Artikel

Anzeige