Konzepte: Irma La Douce in Stuttgart
Die Gäste in Versuchung führen
STUTTGART. Wie ein Restaurant sieht das Irma la Douce eigentlich nicht aus, eher wie ein Wohnzimmer wohlhabender Leute. Und das mitten im Rotlichtviertel. Über die rechte Seite zieht sich eine lange Schrankwand, in der Bücher, Weinflaschen und Skulpturen untergebracht sind. Auf der anderen Seite sind auf dem Kaminsims angebrochene Flaschen von Spirituosen aufgereiht, Cognac, Whisky, Obstbrände. Die Stühle haben alle ein bequemes Lederposter, über der Bar hängt ein schwerer Kronleuchter. „Wie ein altes englisches Herrenzimmer“, beschreibt Toni Wahl das Lokal, das er Anfang des Jahres als Pächter übernommen hat.
Die AnzeigeWerbemittel.
weiter mit Mausklick... hatte er damals in der AHGZgelesen, und da war für ihn sofort klar: Das hier ist etwas Besonderes, das soll es sein. Denn der Jungunternehmer hatte schon lange von einem schicken eigenen Lokal in der Landeshauptstadt geträumt. Zuvor war er nur in Winnenden gastronomisch aktiv: Mit dem Gasthaus Krone und dem Cateringservice Erste Wahl.
Passend zu dem vornehmen Ambiente bietet Wahl im Irma la Douce jetzt eine gehobene Küche mit regionalen und saisonalen Einflüssen. Zurzeit gibt es etwa Steinpilzcarpaccio oder Doradenfilet mit Sesam-Kräuter-Kruste. Dazu reicht er eine umfangreiche Weinkarte – 350 Positionen, alles ausgewählte und hochwertige Weine.
Gäste sind keine Nummer
Um die Qualität der Produkte ist er sehr bemüht, will „keinen Mist“ auftischen, wie er sagt. Einfache landestypische Gerichte wie Wurstsalat oder Zwiebelrostbraten gibt es im Irma la Douce sowieso nicht, das würde dem Ort mit seiner vornehmen Einrichtung nicht gerecht werden. Die Speisen haben bei Wahl deswegen ihren PreisTransaktionspunkt zwischen Angebot und Nachfrage eines Produkts bzw.
weiter mit Mausklick.... 25 Euro kostet durchschnittlich ein Hauptgericht. Am Abend gibt ein Gast schon einmal 60 bis 75 Euro aus. Wahl beschreibt seine ZielgruppeEine von der Marketingabteilung oder vom Unternehmer festgelegte Auswahl von Marktteilnehmern, an die sich ein Angebot oder eine Maßnahme richtet .
weiter mit Mausklick...: „Hierher kommen viele Selbstständige, Freiberufler, aber auch Politiker und Mitarbeiter der Ministerien.“ 80 Prozent des Umsatzes macht er zurzeit mit Geschäftsessen. „Vor allem das Abendgeschäft ist gut angelaufen“, blickt Wahl auf die vergangenen acht Monate zurück. Zurzeit spürt er noch das Sommerloch, geht aber davon aus, dass das Restaurant im Herbst wieder so richtig brummt.
Um die Kunden bei Laune zu halten, ist der Gastronom jeden Tag selbst vor Ort, kennt seine Gäste persönlich, bedient sie am Tisch oder schenkt einen Digestif an der kleinen Bar aus. „Die Leute sollen merken, dass sie keine Nummer mehr sind, wenn sie das zweite oder dritte Mal herkommen.“ Langweilig wird es nicht. Die Speisekarte wechselt monatlich. Der gelernte Hotelkaufmann Wahl schreibt sie zusammen mit seinem Küchenchef Sven Scheidemann – der Chef hat hohe Ansprüche an sein Lokal und seine Mitarbeiter.
Stilvoll bis in die Toilette
Dass man sich alle vier Wochen wieder neue Gerichte ausdenkt, gehört für den Unternehmer zu einem ordentlichen Gastro-Job dazu. „Ich erwarte von meinen Mitarbeitern, dass sie sich auch geistig ein bisschen mit einbringen.“
Mit dem Einfachen gibt Wahl sich eben nicht zufrieden. Das Irma la Douce ist für ihn ein gehobenes Lokal – bis in die Toilette hinein. Das Waschbecken ist gläsern, darin eingelassen verschiedene Muschel- und Schneckenhäuser. Die Gäste sollen schließlich mit allen Sinnen verführt werden. Das Restaurant in dem historischen Gründerzeitbau versetzt sie in eine frühere Zeit, in der edle Dinner und Herrenrunden in solchem Ambiente stattfanden. Doch auch die Sünde war damals nicht weit. Der Name des Lokals, Irma la Douce, erinnert an die Prostituierte im gleichnamigen Film von Billy Wilder und passt ausgezeichnet zur Lage des Lokals. Es befindet sich im Stuttgarter Rotlichtviertel.
Das anspruchsvolle Speisenangebot und die klassische Einrichtung mit ihren Wandvertäfelungen und dem Kronleuchter sind jedoch keinesfalls von gestern, im Gegenteil. Dass so ein Konzept Zukunft hat und sich hier nicht nur Ältere wohlfühlen, beweist der Gastronom selbst: Toni Wahl ist erst 27 Jahre alt. Raphaela Kwidzinski


