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Die Trends hin zu mehr Heimat und Ehrlichkeit drücken aus, was das Wirtshaus immer schon geboten hat

Editorial

Die Renaissance des Gasthauses

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2012/17 vom 21. April 2012

Das Wirtshaus stirbt einen langsamen Tod. Vor allem auf dem Land. Das wird immer dann erstaunt zur Kenntnis genommen, wenn neue Zahlen errechnet und veröffentlicht werden, wie jüngst vom Statistischen Bundesamt und der Tageszeitung Welt am Sonntag (AHGZ vom 14. April 2012).

Um 25 Prozent ist die Zahl der Schankwirtschaften in den vergangenen zehnJahren gesunken, die Zahl der Restaurants und sonstigen getränkegeprägten Gastronomie hingegen „nur“ um 14 Prozent.

Das geht vor allem in den Dörfern, aber auch in den Städten um. Nicht zuletzt deshalb, weil sich für die Familienbetriebe unter ihnen kein Nachfolger findet.

Und mit jeder Dorfwirtschaft, die schließt, geht ein Stück Kultur verloren. An ihre Stelle tritt eine neue Kultur, in der anders gearbeitet und gelebt wird, (wo)anders gegessen, getrunken und kommuniziert wird: Die Landbewohner pendeln zu ihren Arbeitsplätzen in den Ballungsräumen, was Zeit kostet und die sozialen Bindungen und Kontakte verändert.

Das , oft direkt neben der Kirche gelegen, als zentraler Treffpunkt, mit dem Wirt als Gastgeber und Seelsorger, hat ausgedient. Oder doch nicht?

Gerade moderne Gastronomen nehmen ja die Vorzüge des guten alten Gasthauses auf und passen sie den veränderten Lebensformen an. Die LocationMeist außergewöhnlicher Ort für Feste, Filmaufnahmen sowie sonstige Veranstaltungen bzw.
weiter mit Mausklick...
als öffentliches Wohnzimmer, in dem sich die Gesellschaft trifft, ist nichts anderes als das in die Jetztzeit gewendete Prinzip Wirtshaus.

Die viel beschriebenen Trends hin zu mehr Heimat, Natürlichkeit, Regionalität und Ehrlichkeit drücken doch etwas aus, was das Wirtshaus immer schon geboten hat. All dem eine zeitgemäße Sprache, ein zeitgemäßes Aussehen und Auftreten zu geben, darin besteht die Chance für eine Renaissance des Gasthauses.

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Leser-Kommentare zum Artikel (6)

Theo Jost, Tiefenbronn
Theo Jost, Tiefenbronn

01.05.2012 um 14:03

Betreff: Die Renesaissance des Gasthauses

Es ist Tatsache,dass mangels Nachfolge immer mehr Gasthäuser,-nicht nur auf dem Land ,schließen.
Doch das sollte fuer diejenigen die "übrig"bleiben als Chance genutzt werden,den Begriff "Gasthaus" zu nutzen und auch zu leben.
Es ist doch mittlerweile viel einfacher ein Restaurant zu finden um Steinbutt,Hummer,Gänseleber und Trüffel zu speisen,-als gutbürgerliche,ordentlich zubereitete Regionalgerichte,die mittlerweile wieder alle so sehr lieben, im ländlichen Wirtshaus.
Unser Gasthaus ist seit 400 Jahren in Familienbesitz unser Sohn die 24.Generation und wir sind gluecklich,dass er sich,wenn auch erst jetzt ,trotz vieler anderweitiger Versuchungen dazu entschlossen hat,diese Tradition fort zu setzen,sonst waere unserem Betrieb altersbedingt dasselbe Schicksal wiederfahren ,wie vielen anderen Gasthaeusern.Wir lieben unser Gasthaus und unsere Gäste und moechten garnicht in der Stadt sein,ohne die laendliche Umgebung und die damit verbundene räumliche Freiheit könnten wir unser "Wirtsleben"garnicht leben,obwohl es weit mehr Engagement und Muehe erfordert die Gaeste zu überzeugen,dass sich auch die weiteste Anfahrt lohnt um unsere Gastfreundschaft zu geniessen.
Wir belohnen sie mit ständigen Neuerungen (wie z.B.eigener Fleischreifung,hausgebackenem Holzofenbrot,manchmal selbstgemachter Butter ,bald eigener Rinderherde und vielem mehr)sowie raeumlichen Veränderungen ohne das Gasthaus aus den Augen zu verlieren,- mit Tradition in die Zukunft.
Es wird in Zukunft bestimmt viel weniger Wirts-und Gasthäuser geben,doch ganz werden sie nie aussterben,das wäre ein unbeschreiblicher Verlust an gelebter Kultur und die müssen wir gemeinsam erhalten.

Frank Peter, N
Frank Peter, N

23.04.2012 um 18:43

Betreff: ...auf dem Lande

...einer der besten Köche der Welt sagte mal zu mir ! Wenn du gut bist, ist es egal wo du bist ! Da ist was wahres dran !

Nikolaus Brahtz, Korlingen
Nikolaus Brahtz, Korlingen

23.04.2012 um 18:03

Betreff: Tradition vs. Was?

Ein Problem ist, dass viele Wirte auf dem Dorfe zwar seit Jahren jammern und die Umstände (wie zum Beispiel das Wegsterben der Stammkunden) beklagen aber letztlich nicht zu den kleinsten Änderungen bereit sind. Lieber hält man die übriggebliebenen 3 Stammgäste und lässt es auch noch zu, dass diese neue, jüngere Gäste erstmal von oben bis unten taxieren und unter die Lupe nehmen (ist mir selbst wiederfahren), anstatt sich auf die Suche nach neuen potentiellen Stammgästen zu machen. Der Traditions-Wirt vom Dorf ist in dieser und jeder Hinsicht allerdings traditionell völlig beratungsresistent. Und wenn er jetzt dieses Editorial liest, dann wird alles, was er dazu zu sagen hat, sein: "Wie? Heimat, Regionalität, Tradition? Das hab' ich doch alles zu bieten!"

Generell ist die Gastronomie eine Branche, die viel zu lange versucht, am Status Quo festzuhalten. Es ist an der Zeit, dass der Gastronom sich als Unternehmer begreift und somit auch ständig sein Konzept und die (Marketing)Strategie auf den Prüfstand stellt und vorausschauend plant und handelt.

Adelheid Andruschkewitsch, Vellberg
Adelheid Andruschkewitsch, Vellberg

23.04.2012 um 13:13

Betreff: Gasthaus

Gasthaus, Kneipe, Wirtshaus sind, wie Frau Schumacher schon verdeutlicht hat, doch recht unterschiedliche Formate. Insgesamt ist wohl ein Sterben der traditionellen Gastronomie und Hotelerie zu verzeichnen. So wie sich die Gesellschaft verändert verändern sich die Bedürfnisse und Vorlieben der Menschen und dafür werden andere Konzepte und Ausrichtungen benötigt. Diese können jedoch sowohl in der Kneipe, im Wirtshaus als auch im Gasthaus umgesetzt werden. Auch ein Relaunch zum guten alten Stammtisch womöglich noch mit der Pflege der Mundart ist wieder in und kann Teil eines Konzeptes sein. Jedoch die Nachfolgerfindung beleibt weiterhin eine schwierige Sache, denn so wie früher, als der Älteste authomatisch Nachfolger wurde und auch mit wenig Fachkompetenz im Zeitalter der Fußgänger überleben konnte, geht es nicht mehr. Für die jungen Menshcen bietet die andere Wirtschaft lukrativere Arbeit mit gesellschaftsfreundlicheren Arbeitszeiten. Wir müssen unsere Branche wieder attraktiver machen und weg kommen von dem Image: "Wer nichts wird, wird Wirt" - oder "Koch kannst Du immer noch werden".

Gerfried Losert, Coburg
Gerfried Losert, Coburg

23.04.2012 um 10:07

Betreff: gasthaus

Ein weiterer Aspekt ist die Gier der Brauereien. Nicht nur, dass viele Pächter eine viel zu hohe und nicht angemessene Pacht bezahlen müssen, nein auch noch die horenden Bier- und Alkoholfreien- Getränke- Preise geben den Wirten den Rest.
Und als Tüpfelchen auf dem i kommen noch das gegeseitige "Unterbieten" bei den Preisen für die angebotenen Speisen.
Sicher ist ein Angebotspreis für ein Essen in Höhe von 4- 6 ? dann interesssant, wenn das Ganze als "Lockangebot" gehandelt wird. Viele Wirte bleiben aber auch in den Abendstunden bei diesen Angeboten weil der Mitbewerber das auch macht. Dies ist die beste Basis um schnell und sicher ins Verderben zu rennen. Die Wirte, vor allem in den ländlichen gegenden müssen wissen, dass man ein Essen preiswert, d.h. den -Preis wert- verkaufen muss.
Sobald in den Köpfen der Gäste, wie auch der Wirte ein Umdenken in Richtung - gutes Geld für gute Qualität- abgekommen ist, werden auch junge Leute sehen, dass sich Gatsrinomie lohnt und es obendrein auch noch Spass macht.

Franziska Schumacher, Hollfeld
Franziska Schumacher, Hollfeld

23.04.2012 um 10:07

Betreff: Gasthaus oder Wirtshaus?

Was ist denn nun die Funktion des einen ? Wirtshaus ? und was ist das andere ? Gasthaus? Ist Wirtshaus wirklich eher mit Schankwirtschaft verbunden, das Gasthaus eher ein Restaurant? Alleine schon die Begrifflichkeiten geraten hier durcheinander. Und mancher Gastronom ist fast beleidigt, wenn man sein Haus mit Wirtshaus anspricht. Schauen wir doch einmal im Internet nach, wie die Betriebe beschrieben sind. Dass "Wirtshaus" inzwischen ein ausgeklügeltes Konzept sein kann ? Beispiele gibt es genug ? ist noch in zu wenigen Köpfen angekommen.
Ich habe eine Betriebsübergabe begleitet, wo die Nachfolger aus dem altbackenen Gasthaus ein lebendiges Wirtshaus gestalten wollten. Mit einem enormen Energieaufwand haben die Übergeber das Beste verhindert ? eine Namensänderung in Wirtshaus. Das wäre aber dringend nötig gewesen, denn das alte Gasthaus war in den siebziger Jahren kaputtrenoviert worden.
Zur Konzeptveränderung gehört auf jeden Fall regional und saisonal. Das wird inzwischen auch von hoch dekorierten Köchen gepredigt. Nur im Wirtshaus hat das auch seine Wurzeln. Es wird nicht aufgesetzt, weil es gerade IN ist. Und es wird morgen nicht wieder verschwinden, weil wieder etwas Neues angesagt ist. Noch haben wir die Chance auf wirklich Altes zurückzugreifen. Fragen wir noch heute die Generation aus, die das alte Wissen noch besitzt. Dieses muss nur noch den heutigen Ernährungsgewohnheiten angepasst werden. Zusätzlich braucht es auch den Mut der Beschränkung. Die Standard-Speisekarte muss keine fünfzig Positionen umfassen. Nein ? maximal 20 Postionen von Kleinigkeiten vorneweg bis zu den süßen Verführern, ergänzt mit einem täglich wechselnden Angebot reichen vollkommen aus. Das Tagesangebot darf sogar mal ausgehen. Je genauer das Profil ausformuliert wird, umso kleiner kann die Speisekarte sein. Und da sind wir jetzt auf dem Punkt ? dann rechnet sich auch ein "Wirtshauskonzept". Denn die täglichen Mise en place-Arbeiten können auch in kleineren Betrieben mit wenigen, manchmal gar keinen Mitarbeitern geleistet werden. Lang lebe das (neue)Wirtshaus!

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