Energiemanagement
Gäste logieren mit gutem Gewissen
SCHÖNRIED/GSTAAD. Betritt der Gast die neue doppelstöckige Panoramahalle des WellnessEigenständiges Wort, das in der englischen Sprache seit mindestens 350 Jahren existiert und sich nicht - wie immer wieder behauptet - aus den Begriffen "wellbeing"und "fitness"zusammensetzt.
weiter mit Mausklick...&SpaAuf körperlichem Wohlbefinden basierende Erholungseinrichtung in einem Hotel.
weiter mit Mausklick...-Hotels Ermitage, fällt sein Blick durch eine deckenhohe Glasfront auf die Berg- und Gletscherwelt des Berner Oberlandes. Rund 40 Mio. Schweizer Franken (33 Mio. Euro) haben die Eigentümer Heiner Lutz und Laurenz Schmid in Umbau und Erweiterung des im typischen Schweizer Chalet-Stil gebauten Hotels investiert.
Wichtigste Neuerungen außer der Hotelhalle waren die Erweiterung von 79 auf 96 Zimmer, ein Gastro-Konzept mit mehreren unterschiedlich eingerichteten Restaurant-Stuben, ein auf rund 3500 Quadratmeter vergrößerter Spa- und Wellnessbereich sowie eine Tiefgarage mit direktem Zugang ins Hotel.
WEITERE BILDER ZUM ARTIKEL
Nicht zu kurz kam bei all den Baumaßnahmen das ökologische Konzept. „Mit Fernheizung, Energie- und Wärmerückgewinnung, Stromreduzierung, Abfallentsorgung über eine Biogasanlage und frischem Quellwasser wollen wir unserem Anspruch auf Nachhaltigkeit gerecht werden“, so Heiner Lutz. Die Heizung läuft über einen Anschluss an die Fernheizung Schönried, eine Holzschnitzelanlage. Eine verbesserte Dämmung und Wärmerückgewinnung in Wäscherei, Küche, Hallenbad, Saunapark und Restaurant führen dazu, dass trotz eines um 40 Prozent größeren Gebäudevolumens nach dem Umbau kein höherer Energiebedarf auftritt. Als Lichtquellen überwiegen stromsparende LEDs. Abfälle werden in Tanks aufbereitet. Zweimal pro Monat wird die Biomasse abgesaugt und in einer Biogasanlage in Energie umgewandelt.
Quellwasser aus dem Saanenland wird im Hotel aufbereitet, gekühlt und zu verschiedenen Zapfstellen geleitet. Das Hotel bezieht das Wasser für rund 100.000 Franken von der Gemeinde. Gäste spenden pro Flasche oder Karaffe Wasser 1 Franken. Die Summe geht an Unicef-Projekte in wasserarmen Regionen, um dort Pumpen zu installieren. Bei Kosmetik werden reine Naturstoffe verwendet und Verpackungsabfälle möglichst vermieden.
Gestemmt haben die beiden Eigentümer die Millionen-Investition zu einem großen Teil durch den Verkauf von acht Apartments. Das Schönrieder Hotel besteht seit 1955. Heiner Lutz und Laurenz Schmid, denen auch das Schwesterhotel Beatus am nahen Thunersee gehört, erwarben das Haus 1977.
2011 starteten die größten Baumaßnahmen in der langen Hotelgeschichte. „Dabei wollten wir den heimeligen Chaletstil etwas zeitgemäßer interpretieren“, so Schmid. Stammgäste konnten dabei übers Internet sogar bei Einrichtungsdetails mit abstimmen. Gäste, die modernes Design lieben, speisen in der Laurenzstube. Wer es lieber traditionell mag, zieht die Lutz-Stube mit Bauernmalereien oder die „Füürgruebe“ mit Alphüttencharakter vor. Hundebesitzer können ihre Vierbeiner mit in die Kranichstube bringen. Romantisches Ambiente mit viel Spitze bietet das „Chuchichäschtli“, Wasser- und Pflanzenwand sind Blickfänge in der Orangerie. Elegante Akzente mit viel Scherenschnitt-Design setzt die Ermitage-Stube. Gekrönt wird das A-la-carte-Restaurant von einer Gault-Millau-Haube.
Nach Umbau und erweitertem Bettenangebot strebt Direktor Stefan Walliser wieder eine Auslastung von 80 Prozent an. Der starke Schweizer Franken mache dem Ermitage wenig zu schaffen, so Walliser. Denn 75 Prozent der Gäste kommen aus der Schweiz, sind überwiegend Stammgäste. Die zweit- und drittstärksten Gästegruppen bilden Deutsche und Franzosen. Seit 1905, mit dem Bau der Bahnstrecke, strömen die Touristen nach Schönried und Gstaad. Viel Prominenz hat sich in der Region niedergelassen und frequentiert die örtliche Hotellerie. Sportveranstaltungen wie internationale Golf-, Tennis- und Beach-Volleyball-Turniere oder das jährlich stattfindende Menuhin Festival – das Ermitage ist 2012 Hotelpartner des Musikevents – bringen zusätzliche Gäste.
Die Hotels, darunter zahlreiche 5-Sterne- und 4-Sterne-Häuser, mit insgesamt rund 2000 Betten stehen in hartem Wettbewerb. Mit dem The Alpina Gstaad kommt Ende des Jahres ein weiteres Luxushotel hinzu. Durch Umbau und Modernisierung hat das Ermitage schon vorher die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft gestellt.


