Tourismus
Gastgeber holen Erzeuger ins Boot
RADOLFZELL. Salat, Tomaten oder frische Kräuter von der Halbinsel Höri und der Insel Reichenau, Weine und Obst vom Ufer des Kantons Thurgau oder den Hängen des Städtchens Stein am Rhein, tagtäglich von Fischern frisch gefangener Fisch (Leseprobe und weitere Informationen zum Buch "Fisch") aus dem Untersee, Wild aus den Wäldern des Schiener Berges, Käse von der Schweizer Karthause Ittingen oder in Gottlieben hergestellte und mit feinster Schokolade gefüllte Hüppen – die Region um den Untersee empfängt die Gäste mit prächtiger Landschaft und feinsten Genüssen. „Wir sind die feine Ecke des Bodensees und das wollen wir mit dem Thema Genuss pur auch zeigen“, sagt Lucia Kamp, die Geschäftsführerin des aus acht Schweizer und sechs deutschen Gemeinden bestehenden Vereins Tourismus Untersee e.V., bei der Präsentation des touristischen Schwerpunktthemas in Radolfzell.
Broschüre mit Rezepten
Wer in diesem Jahr am Untersee auf Genussreise unterwegs ist, soll viel über die bäuerliche und kulinarische Kultur der Region erfahren. Bisher schrieben sich Gastronomen, Hoteliers, Vermieter und örtliche Veranstalter die Kultur und die Gärten auf die Tourismusfahnen. In diesem Jahr wollen sie das auftischen, was See, Berge, Wiesen, Wälder und Felder zu bieten haben. Das eigens hierfür gegründete und aus 16 Gastronomen und zwölf Produzenten bestehende Genuss-Netzwerk „Eine Handvoll Untersee“ hat nicht nur eine Broschüre mit leicht nachkochbaren Rezepten aus fünf regionalen und saisonalen Zutaten, eben aus der „Handvoll Untersee“, geschaffen, sondern auch eine Sammlung mit Rezepten. Die insgesamt 52 Karten muss jeder Gast beim Gemüsegärtner, beim Fischer oder beim Bauern selbst einsammeln. Natürlich werden Badischer Ofenschlupfer mit Bodenseeäpfeln, Salat mit Thurgauer Schafskäse oder Pouletbrust und Kretzer auf Salat in den Restaurants angeboten. Dort können sie probiert und dank der Rezeptsammlung in der Ferienwohnung, auf dem Grillplatz oder zuhause einfach nachgekocht werden.
Dazu gibt es Kochkurse, kulinarische Lesungen und Schifffahrten, Kräutermärkte und Kräuterführungen, etwa im ehemaligen Garten des Schriftstellers Hermann Hesse in Gaienhofen, Rundgänge durch die Gemüsegärten der Insel Reichenau oder Winzer- und Weinfeste. So lädt ein Winzer in Stein am Rhein zu Degustationen mit Schokolade, Käse und Wein ein. Natürlich wurde der Käse in Stein am Rhein vom „Chäs-Graf“ Werner Knöpfli im Keller gelagert und mit Kräutern affiniert.
Für Michael Labhart, Patron des Hotel-Restaurant Frohsinn in Steckborn, ist das Netzwerk die ideale, grenzübergreifende Verbindung, die durch Mund-Propaganda auch die deutschen Gäste im Sommer ans Thurgauer Seeufer bringen soll. Er habe viele deutsche Stammgäste, die immer wieder kommen, aber wegen des starken Schweizer Frankens bleiben auch viele weg. Da könnte das Schwerpunktthema „Genuss pur“ natürlich weiterhelfen, sagt er. Sein Kollege Klaus Neidhart vom Hotel Restaurant Gottfried in Moos bläst ins gleiche Horn: Das sei gutes Marketing, wenn der Gast im Hotel- oder Ferienzimmer in Allensbach oder in Mammern durch die Untersee-Broschüre sein Haus entdecke und so zum Essen vorbeischaue.
Kein Konkurrenzneid
Die Urlauber bekommen so viele Informationen über die Gastronomie, aber auch die Produzenten. Neidhart hofft, dass sich künftig noch mehr Betriebe dem Netzwerk anschließen.
Joachim Bauer, der mit seinem Unternehmen Thurgau Wy in Berlingen ausschließlich Weine von 40 Winzern aus dem Kanton Thurgau vertreibt, bezeichnet das Netzwerk als „tolle Idee“, mit der auch die Solidarität untereinander und grenzüberschreitend gezeigt werde. Es bedeute viel, wenn der Wirt vom Gasthaus Hirschen seine Gäste zu ihm führt und die Weine zeigen lässt. Genauso gebe es auch umgekehrte Empfehlungen. Regional und lokal müsse man noch enger zusammenarbeiten. Bauer hofft, dass sich künftig noch mehr Schweizer Gemeinden und Gastronomen dem Tourismus Untersee e.V. oder dem Netzwerk anschließen.

