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Zum Abzug freigegeben: Die Bundeswehr schließt und verkleinert viele Standorte in Deutschland. Hotellerie und Gastronomie müssen sich darauf einstellen Fotos: Colourbox

Bundeswehrstandorte

Gehen mit den Soldaten auch die Gäste?

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2011/46 vom 12. November 2011
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Stuttgart. „Es ist natürlich ein Schlag ins Gesicht für alle Hoteliers und für die gesamte Gastronomie in und um Kaufbeuren“, macht Gastronom Thomas Goetze aus seinem Herzen keine Mördergrube. Die des Bundeswehrstandorts im Bayerischen macht ihm Sorgen. Gelassen bleibt im hohen Norden, in Glücksburg, Hoteldirektor Karsten Werner. „Im Ganzen gesehen, befürchten wir keine Umsatzeinbußen.“

Die angekündigte Schließung von 31 Bundeswehrstandorten in Deutschland und weiteren 64, die so stark verkleinert werden, dass es einer Schließung gleichkommt, betrifft das Gastgewerbe. Das steht fest. Wie sich dies genau auf Gastronomie und Hotellerie auswirkt – dazu gibt es ganz unterschiedliche Ansichten. Viele besinnen sich jedoch auf das, was die Branche auszeichnet: Sie lebt mit Veränderungen.

Der mit der Bundeswehrreform einher gehende Strukturwandel ist nicht der erste, der Gastronomen und Hoteliers vor Herausforderungen stellt. „Ich mache mir keine Sorgen“, sagt Oliver Koehn von Koehn’s Schlosskeller in Glücksburg. „Gastronomie und Hotellerie sind sowieso im stetigen Wandel.“

Auf Veränderungen stellt sich in Fürstenfeldbruck Harald Faul ein. Etwa zwölf bis 14 Mal im Jahr hat er rund 25 Offiziere in seinem Bräustüberl Maisach zu Gast. Darüber hinaus kommen Soldaten und ihre Angehörigen während des ganzen Jahres zu Familienfeiern in Fauls Wirtshaus zusammen. Jetzt ist der Abzug der Truppe aus dem Traditionsstandort eine beschlossene Sache. Gastwirt Harald Fauls Kommentar: „Das ist nicht positiv. Es geht Kaufkraft verloren.“ Und ein Teil seiner wird wegziehen. Faul wird verstärkt „AkquiseVor-Verkaufsphase, in der versucht wird, neue Kunden zu gewinnen bzw.
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betreiben“. Wie diese aussieht, weiß er momentan selbst noch nicht. Klar ist, dass Faul seiner Linie treu bleibt. Die heißt: bayerische Schmankerln und Bierspezialitäten. Egal ob hausgemachte Spätzle oder Kartoffelknödel – Harald Faul kocht selbst. „Ich muss jeden Tag, jede Woche Höchstleistung bringen, Vollgas geben.“ Nicht nur dann, wenn ein Strukturwandel bevorsteht.

„Man muss wahnsinnig auf Zack sein, um bestehen zu können“, bestätigt in Sigmaringen Hotelier Franz Sorger, Inhaber des Fürstenhof. Er verliert etwa 15 Prozent seines Umsatzes, sagt der 62-Jährige. Das hat er anhand seiner Reservierungen überprüft. Vergangenes Jahr machte das Übernachtungsgeschäft der Soldaten und ihrer Angehörigen knapp 13 Prozent aus.

Dass die Bundeswehr Sigmaringen verlässt, sei ein sehr trauriges Kapitel. Hohe Offiziere, Eltern und Partnerinnen der Soldaten logieren im Fürstenhof, bleiben im Schnitt vier bis fünf Tage, sagt Sorger. Jetzt denkt er daran, sein Hotel in der 4-Sterne-Kategorie zu positionieren und in einen Wellnessbereich zu investieren. Momentan steckt der Hotelchef nach eigenen Angaben 150.000 Euro in die Modernisierung der Zimmer und Bäder. Noch drei, vier Jahre will der Hotelier weitermachen, bevor er sich zur Ruhe setzt. Was dann aus dem Fürstenhof wird, ist offen. Ob eines der Kinder das Hotel übernehmen wird, ist ungewiss, „und jetzt kommen noch die Tiefschläge wie die Schließung“. Die wird nach Sorgers Ansicht alle und am Ort treffen.

Ganz so dramatisch sieht es Alexander Jäger nicht. Der Vorsitzende der DEHOGAAbk. für Deutscher Hotel- und Gaststättenverband.
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-Kreisstelle Sigmaringen geht davon aus, dass der Truppenabzug einzelne Gastronomen und Hoteliers treffen werde. Aber „existenzbedrohend“ sei dies sicher nicht. Zumal in den vergangenen Jahren sich rund um Sigmaringen der Tourismus belebt habe, nicht zuletzt dank des Donautal-Radwegs. Auch die Kleine Landesgartenschau im Jahr 2013 lässt Jäger zuversichtlich nach vorn blicken.

„Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass wir jetzt alle in ein Jammerloch fallen“, meint Thomas Goetze vom Café Bistro Nudel-Oase in Kaufbeuren. Er fordert die Branchenkollegen zum Schulterschluss auf. Wegfallende Umsätze werde man in Kaufbeuren nicht so einfach ausgleichen können. In Glücksburg setzen die Kollegen auf den Tourismus. Direktor Karsten Werner vom Strandhotel: „Ein ganz wichtiger Punkt ist, dass das Grundstück des Standortes mit Sicherheit entweder touristisch genutzt werden wird oder dort vielleicht auch Wohnungen entstehen, beides würde ein Gewinn für Glücksburg und ein Strom neuer Gäste und Kunden für unser Haus bedeuten.“

Wie werden Gastronomen und Hoteliers den Weggang der Bundeswehr meistern? Was meinen Sie? Diskutieren Sie mit unter

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