Tourismus
Hier spielt die Musik
MARKNEUKIRCHEN. Der südlichste Zipfel des sächsischen Vogtlands nennt sich gern Musikwinkel, weil in mehr als 100 Firmen Instrumente entstehen, viele davon Luxusklasse. Fast ein ganzes Sinfonieorchester könnten die vielen, vor allem handwerklichen Hersteller ausstatten, Rockbands und Blaskapellen eingeschlossen.
Dem Musikinstrumentenbau begegnet der TouristPerson, welche an einen Ort reist, der nicht regelmäßiger Aufenthalts- oder Arbeitsort ist.
weiter mit Mausklick... jedoch nicht nur in Werkstätten und Sammlungen, sondern auch in Gasthäusern, im Alpenhof Breitenfeld zum Beispiel. Der Großvater des Wirts, Paul Fickelscherer, reparierte Akkordeons und stellte Saxophone her. Der Vater, Günter Fickelscherer, fertigte Blechblasinstrumente von der Trompete bis zur Tuba. Logisch, dass im Hotel Musik eine Rolle spielt. Jeden Sonntag zum Beispiel wird Alphorn geblasen. Und in seiner Schauwerkstatt demonstriert der Vater noch heute, wie ein Rohr gebogen wird oder die konische Form eines Trompetenschallstücks entsteht.
Auch im Berggasthof Heiterer Blick ist schon dem Eintretenden das Konzept klar: Der (Gaststuben-)Himmel hängt voller Geigen, weil nämlich die Lampenschirme aus Geigenböden bestehen und die Wände mit Musikinstrumenten in ihren verschiedenen Fertigungsetappen geschmückt sind. Im IFA-Ferienpark Schöneck knüpft man an die Thematik an. Zurzeit erarbeitet man gemeinsame Angebote für große und kleine Gäste wie „Wir bauen unser eigenes Instrument“.
Serviert wird in den kooperierenden Gasthäusern natürlich original Vogtländisches: Sauerbraten mit Bambes zum Beispiel, was man gleich mit der Pauschale buchen kann.
Bis zu diesem stimmigen Auftritt der Region im Tourismus war es ein langer Weg. Auf den ersten Blick – verglichen vielleicht mit dem erzgebirgischen Seiffen und seiner auf Schritt und Tritt präsenten Holzkunst – sieht man in Markneukirchen oder Klingenthal kaum, dass man sich am Nabel der Musikinstrumenten-Welt befindet. Wer die Historie kennt, weiß zwar die für so kleine Städtchen verblüffend prachtvollen Villen zu interpretieren: als Zeugen der Blütezeit des Musikinstrumentenbaus um 1900. Aber man braucht schon Geduld für den zweiten Blick, auch für einen in den Veranstaltungskalender und in die zahlreichen Instrumentensammlungen.
Den Touristen diesen zweiten Blick einfacher zu machen, hat sich der 2000 gegründete Verein „Musicon Valley“ auf die Fahnen geschrieben. Aus dem ursprünglichen Anliegen, den Instrumentenbau marktfähig halten, wurde mehr. „Wir sind aus unseren Kinderschuhen herausgewachsen und haben außer den Musikinstrumentenbauern auch die Touristiker und das Gastgewerbe mit einbezogen. Schließlich sprechen diese beiden Branchen ja dieselben Kunden an“, erzählt Projektleiterin Simone von der Ohe: „Wir wollen Musiker an die Wiege ihrer Instrumente holen.“
Erlebniswelt Musikinstrumentenbau nennt sich dieses Projekt. Die Idee war für den deutschen Tourismuspreis 2011 nominiert. Die Erlebniswelt wurde von der Jury als innovativ, kundenorientiert, wirtschaftlich, von hoher Qualität und als nachhaltig bewertet. Die Vogtländer haben am Ende zwar nicht den Pokal heimgetragen, aber immerhin rangierten sie unter den acht Besten von 89 Bewerbungen.
In erste Linie hat man mit dem Projekt ganze Orchester und Vereine im Auge, denen während ihres Aufenthaltes im Musikwinkel außer dem Blick in die Werkstätten und Sammlungen unter anderem Seminare zur Pflege ihrer Instrumente angeboten werden. Entsprechend gibt es diverse Pauschalen, beispielsweise „Bläserklasse unterwegs“, „Reisepakete für Streich- und Zupfmusiker“, das „Harmonika-Paket“ oder das „Rockerpaket“. In spezielle Kinder- und Jugendreisen von Musikschulen oder in Probenlager sind auch Sport, Spaß und Erlebnis eingebunden.

