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So macht’s die Residenz Joop in Magdeburg

Hier werden Waschlappen noch gefaltet

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2012/26 vom 23. Juni 2012
von  

. Bernd Joop schüttelt den Kopf. „Wie kann ein Hotel bloß festinstallierte Bügel anbieten?“ Die seien unpraktisch und würden dem Gast mit dem Holzhammer zeigen, dass er in der Fremde statt daheim nächtigt. „Sollte so einer doch mal mitgenommen werden“, fährt er fort und holt aus dem Schrank einen Kleiderbügel. „Der kostet 1,50 Euro – welch geringer PreisTransaktionspunkt zwischen Angebot und Nachfrage eines Produkts bzw.
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für eine kleine Aufmerksamkeit!“

Nun hat die Magdeburger Residenz Joop sicher mehr zu bieten als herausnehmbare Bügel. Die aber sind ein schönes Beispiel, wie Bernd und Ursula Joop ihr 4-Sterne-Hotel garni stets aus Gästesicht betrachten. Dazu gehört auch der sorgsam gefaltete Waschlappen.

„Viele Hotels bieten keinen Waschlappen mehr“, sagt Joop und schüttelt wieder den Kopf, „also muss der Gast seinen eigenen nehmen und ihn nass in die Tasche packen – das darf doch wohl nicht sein.“

Auf die kleinen Feinheiten kann man sich hier konzentrieren, da das große Ganze passt: Die Joops bieten eine liebevoll restaurierte Gründerzeitvilla im Magdeburger Lenné-Viertel, umgeben von uralten Linden und Ulmen. Im Innern sorgen warme Pastelltöne für mediterranes Flair, an den Decken hängen Kronleuchter, an den Wänden Messingspiegel, das Mineralwasser ist von Staatl. Fachingen, leise läuft klassische Musik. Authentizität statt Floskeln

Zudem bieten die Gastgeber, was sie selbst von guten Gastgebern erwarten: „Nicht aufdrängen und doch herzlich sein, Wünsche antizipieren und Tipps geben, authentisch sein statt Floskeln verwenden“, sagt Bernd Joop. „Was kann ich für Sie tun?“, das würde ihm nie über die Lippen kommen, ist ihm zu abgegriffen. Lieber schnappt er sich den Gast, der vergessen hat, ein Taxi zu bestellen, und kutschiert ihn selbst zum Bahnhof. „Und wenn eine Dame Interesse an Antikem zeigt, unternimmt meine Frau mit ihr einen Ausflug zum Antiquitätenhändler.“

„Das entscheidende Wort für all das“, sagt Ursula Joop, „heißt Wertschätzung.“ Die zeige man dem Gast über die Ansprache, den Service, die Kleiderbügel. Und gerade in einem Hotel garni auch über das Frühstück, welches mit frisch zubereitetem Obstsalat oder Eierspeisen so hochkarätig ist, dass es auch vom Gault Millau gelobt wird.

Rückblick: Ab 1993 strebten die Joops nach der ersten Karriere in der Wirtschaft mit Mitte 40 im einstigen Anwesen von Bernd Joops Familie (und seinem Geburtsort) eine zweite Laufbahn in der Hotellerie an. Doch die Schwerindustrie-Stadt Magdeburg lockte nicht die Gäste an, auf die die Joops hofften – „da hätten wir es in Weimar oder Potsdam leichter gehabt“, so die Chefin. Zudem sahen die Magdeburger in den Joops „reiche Wessi-Erben“, weder Taxi-Fahrer noch das Tourismusbüro rieten zur Residenz.

So blieb der Durchbruch lange aus. „Pächter hätten wohl aufgegeben“, sagt Bernd Joop, „und auch wir hatten bei teils 20 Prozent Auslastung schlaflose Nächte.“ Kein Wunder, flossen doch rund 2 Mio. Euro in das Gebäude, um es zum heutigen Schmuckkästchen zu machen. Die Eigentümer kämpften aber weiter und schließlich leiteten mehrere Faktoren die ersehnte positive Entwicklung ein. Gute Noten im Netz

Erstens rückte Magdeburg in den Fokus von Städte- und Kulturtouristen. Zweitens wurden Buchungs- und Bewertungsportale gängig, Hotelsuchende sahen dort, wie zufrieden die Joops ihre Gäste stellen. Drittens steuerten die Taxifahrer die Residenz nun an. Grund: Es sprach sich herum, dass die „reichen Wessi-Erben“ nur 10 Prozent der Gesamtinvestition geerbt hatten und selber viel Geld mitbringen oder sich leihen mussten, um die verfallene Villa zu sanieren. „Hier ist also nicht Großbürgertum, sondern kleiner Mittelstand am Werk“, sagt Bernd Joop. Und viertens endete der „Sofa-Tourismus“ in Magdeburg: Statt Besuch auf der Couch schlafen zu lassen, wurde nun ein Hotel gebucht, gern das der Joops, die mit Augenzwinkern warben: „Im Hotel ist unsere Tante doch die bessere Verwandte.“

So steht der Betrieb heute dank mehrerer Zielgruppen – am Wochenende kommen Städtereisende und Radfahrer, wochentags Geschäftsleute – auf sicheren Beinen. Eine gut 50-prozentige Auslastung reicht, um profitabel zu arbeiten. Und mit der Zeit sind die Quereinsteiger zu waschechten Hoteliers geworden.

Als solche befassen sie sich auch mit den Problemen der Branche, warnen etwa vor der nach unten drehenden Preisspirale. „Von Billigpreisen kommt man kaum wieder weg, denn Schnäppchenjäger lassen sich nicht zu vollzahlenden Gästen umswitchen, sondern jagen lieber weiter.“ Daher gehen die Joops den Weg transparenter Raten: Internet-Bestpreise werktags, Nachlässe am Wochenende und für Gruppen. So wichtig Online-Buchungsportale seien, fügt Bernd Joop an, deren „Hotdeals“ hätten ein Schnäppchendenken bei Hotelgästen in Gang gesetzt, dem man nur mit verbesserten Leistungen begegnen könne, etwa gratis W-Lan, Fahrradverleih, Frühan- oder Spätabreise. Und dass Ketten „last minute“ 20 Prozent nachlassen, sei für Privathoteliers ebenfalls nicht hilfreich. „Wir können und wollen das auch nicht, denn uns fängt keiner auf, wenn das Geld plötzlich alle ist.“

Doch zum Glück ist nicht jeder Gast ein Schnäppchenjäger. „Es gibt zunehmend Leute, die verstehen, dass unser Angebot seinen Wert hat“, sagt Bernd Joop. Und diese Menschen, das sei abschließend betont, nehmen auch keine Kleiderbügel mit.

Alexander Schmolke

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