Baden-Württemberg
Hoteliers streiten um den Wald
BAIERSBRONN. Der geplante Nationalpark Nordschwarzwald erregt derzeit die Gemüter in und rund um die Feriengemeinde Baiersbronn. Insbesondere Hoteliers und Gastronomen beteiligen sich eifrig an der oft hitzig geführten Diskussion über das Pro und Contra des von der grün-roten Landesregierung wieder neu angeschobenen Nationalpark-Projekts.
Darum geht es: Auf einem Gebiet von 10.000 Hektar Staatswald soll ein Nationalpark entstehen. Um ein Vielfaches mehr als im bereits bestehenden Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord stehen bei einem Nationalpark Natur und Wildnis im Vordergrund. Der Wald würde im Laufe der nächsten 30 Jahre nach und nach sich selbst überlassen werden. Dann hätte der Fichtenschädling Borkenkäfer freie Bahn. Er würde im Nationalpark für ein (gewolltes) Fichtensterben sorgen. Das soll den Waldumbau – hin zu Tanne und Buche – befördern.
Der Wald würde nach den Plänen der Naturparkbefürworter wilder, urwüchsiger und abwechslungsreicher werden. Hingegen befürchten die Gegner einen irreparablen Kahlschlag innerhalb der Kernzone und warnen vor einem unkontrollierbaren Übergreifen des Borkenkäfers auf angrenzende Fichtenwälder und vor der Zerstörung des vertrauten Waldbildes. Ein Waldumbau hin zu Tanne und Buche sei innerhalb von 30 Jahren gar nicht möglich. Das ist einer der zentralen Streitpunkte. Insider gegen davon aus, dass unter den Hoteliers der Region Ablehnung und Zustimmung sich ungefähr die Waage halten.
Ein prominenter Gegner des Nationalpark-Projekts beispielsweise ist Herbert Möhrle, Patron des 5-Sterne-Hotels Engel in Obertal, der bereits im vergangenen Jahr in einem offenen Brief schrieb: „Wenn im Nordschwarzwald ein Nationalpark errichtet wird, gibt es nur Verlierer.“ Dem Nationalpark eher zugeneigt sind die Hoteliers Hermann Bareiss vom Hotel Bareiss und Dollenberg-Chef Meinrad Schmiederer. Für sie überwiegen die Chancen, die ein Nationalpark dem Tourismus eröffnen würde.
Position bezogen hat auch Jörg Möhrle, Eigentümer und Betreiber des 4-Sterne-Hotels Tanne in Baiersbronn-Tonbach. Er setzt sich im Gespräch mit dieser Zeitung für die Einrichtung des Nationalparks ein. Angesichts der seit 20 Jahren rückläufigen Übernachtungszahlen in Baiersbronn ist der Park für ihn eine Chance, die Tourismusregion zu stabilisieren. Mit einem veränderten, wilderen Waldbild im Nationalpark könne er sehr gut leben, wobei natürlich auch er keine riesigen abgestorbenen Flächen wolle. Allerdings müssten auch touristisch nutzbare Einrichtungen geschaffen werden, wie etwa auf Holzbohlenwegen begehbare Tiergehege oder ein Baumwipfelpfad. Nicht zuletzt müsse in Baiersbronn als Gästemagnet eines der Portale des Parks angesiedelt sein. Für ihn steht fest: „Ich glaube ganz bestimmt, dass der Nationalpark gut wird für die Region.“
Völlig anders sieht das sein Kollege Martin Zepf vom Hotel Forsthaus Auerhahn in Baiersbronn-Hinterlangenbach. Er befürchtet, dass im fichtendominierten Nordschwarzwald der Borkenkäfer in Folge möglicher Stürme, Schneebrüche oder Hitzewellen sich extrem vermehren könnte und in den Kernzonen dann große Flächen von abgestorbenen Bäumen stehenbleiben oder am Boden liegen. In den Randzonen ist dann auch mit Kahlschlägen zu rechnen. Zepf berichtet von der Erweiterung der Bannwaldzone am Wildsee, aus der viele seiner Gäste erschreckt, ja konsterniert zurückkehrten, weil die Fichten sich dort innerhalb kürzester Zeit in tote Bäume verwandelten. Seiner Meinung nach akzeptieren die Gäste einen auf großer Fläche abgestorbenen Wald nicht. „In den Kernzonen eines möglichen Nationalparks sind keine touristischen Entwicklungsmöglichkeiten mehr erlaubt. Diese Einschränkunkungen beziehungsweise Risiken sind mir auf lange Sicht zu groß.“
Fazit: Die Hoteliers im Nordschwarzwald sind sich uneins darüber, ob ein Nationalpark dem Tourismus nützt oder schadet. Beide Seiten haben für ihre Sache gute Argumente. Expertenrunden und ein Gutachten sollen eine Lösung bringen.