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Transparent: Liste aller Lieferanten für die Hotelküche

Der AHGZ-Speisekartentest: Hotel Prinz-Luitpold-Bad in Bad Hindelang

Klares Design, kluge Konzeption

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2012/26 vom 23. Juni 2012

Das 4-Sterne-Hotel Prinz-Luitpold-Bad liegt in Bad Hindelang im Allgäu. Majestätisch ist nicht nur die Landschaft, sondern auch das neue unternehmerische Konzept mit dem Namen „Ein bisschen königlich“. Dem Gast soll ein Urlaub geboten werden, der ihn an die guten alten, königlichen Zeiten erinnert. Bei der Umsetzung des Konzepts in alle Abteilungen macht die Küche den Anfang.

Deren neues Angebot ist in einer Speisekarte abgebildet, die wir in der Hand halten und die uns ins Staunen versetzt. Das Cover im Querformat ist hochwertig und aus ansprechendem – wenn auch empfindlichem – Pergamentpapier gefertigt. Die Holzleiste als Einband löst haptisch und optisch eine Assoziation zu naturnahen und regionalen Produkten aus. Beim Aufschlagen setzt sich der positive erste Eindruck fort. Die persönliche Ansprache des Gastes („Liebe Gäste, schön, dass Sie sich von den erlesenen Speisen unseres Küchenchefs Josef Schaffler und seines Teams verwöhnen lassen!“) weckt freudige Erwartungen an kulinarische Genüsse.

Die Entwickler der Karte machen vieles gut: Sie wählen einen ungewöhnlichen Seitenaufbau und gestalten jede Seite durchgehend und stringent mit einem Bild, textlichen Verweisen und einem darauf abgestimmten Speisenangebot. Die Seiten wirken so informativ, klar strukturiert, aufgeräumt und schnörkellos.

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Historische Gerichte werden modern interpretiert (Kartoffel-Lauch-Suppe mit Trüffelsahne, hausgebeizter Hindelanger Hirschrücken mit Apfel-Birnen-Chutney, Dreierlei Knödel auf Spinatbett), die Zusammenstellung ist pfiffig und auf die Region zugeschnitten (Käserahmsuppe, Bayerisches Weideochsenfilet in Haselnuss-Butter gebraten, Hindelanger Apfelküchle mit Vanillesauce), die Auswahl positiv überschaubar. Das Preisniveau ist nachvollziehbar, der Einheitspreis von 4,50 Euro bei den Suppen aus Gästesicht etwas unglücklich. Mit der Sprache wird intelligent gespielt: zum einen durch Anspielungen auf den königlichen Hintergrund (Spargel als „König der Küchengewächse“, Wiener Schnitzel als „Gruß von Nichte Sissi“), zum anderen durch sinnliche Wortschöpfungen („Lammmh-Rücken“; „Gefüllter Schatz“; „Dahinschmelzende Sennerin“). Dabei gelingt es, maßvoll zu bleiben und Wortspiele nicht überzustrapazieren.

Belesen, aber nicht belehrend wirken die Kurzgeschichten, die passend zur Speisenfolge eingeflochten werden. Das „Storytelling“ geschieht mit einer gelungenen Mischung aus Wissen, Humor und Unterhaltung. Zu König Ludwig II. etwa erfährt der Gast: „Sicher der schillerndste Monarch in unserem schönen Königreich. Die Umstände seines Todes sind immer noch mysteriös. Und so teuer waren die Schlösschen doch gar nicht – gerade einmal 15 % der bayerischen Jahreseinnahmen im Jahr 1880 – in Euro umgerechnet gerade einmal 335 Millionen Euro – Peanuts.“ Klug der Verweis im Vorwort auf die Abendmenüs („Besonders empfehlen wir unsere drei täglich wechselnden Abendmenüs, deren Gerichte Sie auch einzeln wählen können.“). Sympathisch die Auflistung der regionalen Zulieferer am Ende.

Wir können mäkeln über das geringe Vorspeisenangebot, Menükundefehler (Halbe Bauernente, knusprig gebraten mit Kartoffelknödel und Apfelrotkraut; kalte Vorspeisen sollten vor den Suppen stehen), Wortverstümmelungen (Edelhirschragout mit Wachholderrahm) oder fehlende Zubereitungsarten (Marinierte Perlhuhnbrust auf Ratatouille-Gemüse) – wirklich viel und Gravierendes finden wir nicht. Um die Seiten optisch zu entlasten, empfehlen wir, die Währung in einer Fußnote anzugeben.

Unser Gesamturteil: Ein sehr wohltuender Vertreter in der Wettbewerbslandschaft, professionell in das Gesamtkonzept des Hotels einbettet.

Wolfgang Fuchs/Bettina Kaiser

Wolfgang Fuchs ist Professor und leitet den Studiengang BWL – Tourismus, Hotellerie und Gastronomie II an der DHBW Ravensburg.

Bettina Kaiser lehrt Gastronomie an der Landesberufsschule Tettnang.

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