Konzepte: Hotel Nymphenburg in München
Kleines Hotel als kleines Museum
MÜNCHEN. Mathias van der Kemp hat ein Faible: Er sammelt Plakate. Aber nicht nur „für sich“. Der Betreiber des Hotel Nymphenburg in München ermöglicht auch seinen Gästen, die Vielfalt der Plakatkunst kennenzulernen. Gut 500 Plakate von seinen bisher insgesamt 1500 Exemplaren schmücken das liebevoll gestaltete Garni-Hotel im Münchner Westen. „Als kleines Haus gerade in München muss man sich ja etwas einfallen lassen“, sagt der gelernte Hotelfachmann.
Van der Kemp hat das Hotel Nymphenburg im Jahr 1996 übernommen. Nachdem er zuvor viel im Ausland und auch bei großen Konzernen, wie Accor, meist im Front OfficeBereich hinter dem Empfangstresen, der von den Hotelgästen eingesehen werden kann.
weiter mit Mausklick..., gearbeitet hatte, wollte er sich den Traum der Selbstständigkeit erfüllen. Das Hotel Nymphenburg gab es bereits seit 1968. Als van der Kemp startete, renovierte er es erst einmal komplett.
Der Chef wirbt persönlich
Ungewöhnlich waren seine bunten Zimmer – jedes war anders, mal hellblau, mal knallorange, mal mit giftgrüner Wand. „Wir wollten etwas Besonderes und das sorgte für Aufsehen“, erinnert sich der Hotelier. „Jetzt gehen wir wieder etwas zurück zum dezenteren Stil.“ Nach wie vor sind alle Zimmer verschieden, allerdings verschwinden die bunten Wände sukzessive im Rahmen der regelmäßigen Renovierungen und der Ummöblierung. Das schafft wiederum mehr Platz für die Dekoration mit Plakaten.
Die Klientel, die der Hausherr anfangs höchstpersönlich mit klassischen Sales-Besuchen akquirierte, besteht während der Woche aus Firmenmitarbeitern und Geschäftsleuten, am Wochenende reisen viele Touristen an. Manche kommen über Reisebüros, die meisten mittlerweile aber über das Internet. Das Hotel Nymphenburg präsentiert sich auf seiner Website mit laufend aktuellen Arrangements, die gern genutzt werden. „Wir haben viele Stammgäste“, sagt der 62-Jährige, „sicherlich zehn bis 15 von unseren insgesamt 44 Zimmern sind pro Tag mit Stammgästen belegt.“ Darunter sind zahlreiche Künstler, vor allem Opernsänger, weil um die Ecke des Hotels ein renommierter Korrepetitor wohnt. „Da übt dann schon manchmal der eine oder andere Wagner-Tenor in unserer Garage oder in der Waschküche“, erzählt van der Kemp lachend, „dort soll die Akkustik besonders gut sein!“
Auf die Idee, das Haus mit Plakaten zu schmücken, kam der Hotelier, weil „eigentlich in jedem Hotelzimmer immer die gleichen Bilder hängen“. Da van der Kemp schon seit Jahren Plakate sammelt, mittlerweile oft auch von Bekannten, Nachbarn oder Kollegen und sogar Gästen Nachschub bekommt, bot sich diese Dekoration an. Thematisch ausschließlich auf Münchner Kunst, Kultur und Sport bezogen, stammt das älteste Exemplar aus dem Jahr 1888 vom Königlichen Hof- und Nationaltheater München zur Aida-Aufführung. Es hängt im Frühstücksraum, der bewusst den Namen „Opera“ trägt und ausschließlich mit Ballett- und Opernmotiven gestaltet ist.
Etwas Besonderes sind die Oktoberfestplakate von 1956 und 1959, zudem gibt es signierte Künstler-Plakate. Absoluten Seltenheitswert hat das Motiv von Hundertwasser, das zu den Olympischen Spielen 1972 in München entstanden war. In den Zimmern achtet der Hausherr auf eine thematisch gute Mischung „schließlich mag ja nicht jeder Gast alles“. Auch die Lobby und das Treppenhaus sind zur Galerie geworden. Den Gästen gefällt diese Art der Gestaltung.
Gäste können viel entdecken
„Es gibt viele, die fahren mit dem Lift in den sechsten Stock und gehen dann hinunter und sind ganz begeistert, was sie dort alles an den Wänden entdecken.“ Van der Kemp hat schon mit dem Gedanken gespielt, die Sammlung fürs Publikum der „Langen Nacht der Museen“ in München zu öffnen. „Aber aus Rücksicht auf die Gäste geht das leider nicht.“ Auch so ist sein Plakatmuseum zu einem Markenzeichen des Hauses geworden.
Fazit: Natürlich spürt ein kleines Privathotel die Konkurrenz
weiter mit Mausklick... durch Konzernhäuser. Gerade in der Individualität und der Nähe zum Gast steckt aber eine besondere Chance. Van der Kemp nutzt sie. Mit seinem kleinen Museum – und mit besonderen Extras, die für 3-Sterne-Garni-Hotels ungewöhnlich sind. Karin Gabler

