Konzepte: Shabby Chic in Düsseldorf
Nostalgische Ecke im Medienhafen
DÜSSELDORF. Der schicke Medienhafen glänzt nicht nur mit spektakulärer Architektur. Das Viertel trumpft auch mit gastronomischer Vielfalt auf. Und doch fällt ein Restaurant ganz und gar aus dem Rahmen: das Shabby Chic. Die Flanierer im Hafen biegen nur selten von der Hauptstrecke ab.
In dem charmanten Lokal in einem Hinterhof an der Wupperstraße landen sie also entweder per Zufall oder man steuern es ganz gezielt an.
Das passiert immer öfter, seitdem Herr Musti (er verzichtet konsequent auf seinen Vornamen) und Tamer Elsheikh vor zweieinhalb Jahren das Ruder im Shabby Chic übernommen haben. Die Düsseldorfer Jungs mit slawischen und ägyptischen Wurzeln kannten sich von ihrer gemeinsamen Arbeit in der Gastronomie. Jeder für sich hatte den Traum von der Selbständigkeit. „Aber erst musste das richtige Objekt gefunden werden“, sagen sie. Und so vergingen einige Jahre.“ Bis sie von der frei werdenden Hinterhof-Idylle im Hafen erfuhren und sofort begeistert waren. „Genau unser Stil“, sagt Musti.
Für romantische Gemüter
Die beiden wissen um die Stärken ihres Restaurants, von dessen Anmutung es im weiten Umkreis kein zweites gibt. Die nostalgische Ausstattung mit altem Mobiliar, Schätzen vom Flohmarkt, Blumen und vielen Kerzen zieht romantische Gemüter an, egal, ob sie Jeans oder Businessanzug tragen. Allerdings wissen Musti und Elsheikh auch sehr genau: Das schnuckelige Beiwerk wird von den Gästen gemocht, garantiert aber noch lange keinen dauerhaften Erfolg.
Da muss die Küche schon Schritt halten und eine gleichbleibende Qualität liefern. Elsheikh kennt sich zwar aus am Herd, holte sich aber noch Manfred Woetzel als Küchenchef zur Seite. „Was auf den Tisch kommt, haben wir drei zusammen entwickelt“, sagt er. Die Karte des früheren Betreibers wurde behutsam auf 16 Gerichte verschlankt. „Mehr geht im Moment nicht. Wir waren uns einig, dass wir keinerlei Convenience-Produkte verwenden wollen“, ergänzt Elsheikh. „Deshalb haben wir das Angebot den Gegebenheiten in der Küche angepasst.“
Serviert wird ein erfrischender Mix. Ein rheinischer Klassiker wie „Himmel & Äad“ erlebt mit Entenstopfleber und Zwiebelconfit eine neue Interpretation. Die Entenbrust zieht in einer Marinade mit Vanille, den Sauerbraten vom St. Pierre-Fisch (Leseprobe und weitere Informationen zum Buch "Fisch") begleitet samtiges Mandelpüree. Die Karte wechselt alle sechs bis acht Wochen und greift das saisonale Angebot auf. Natürlich gibt es auch Renner, die schon lange auf der Karte stehen, etwa das US-Beef Teriyaki oder der gratinierten Ziegenkäse mit Rotkrautsalat. „Cross-over in gesundem Rahmen“, beschreibt Musti das Konzept.
Weniger Gerichte, aber deutlich mehr Wein: Mehr als 100 Sorten lagern im Keller. Es ist das bevorzugte Getränk im Shabby Chic. Es habe eine Weile gedauert, bis die Düsseldorfer Feinschmecker auf das originelle Lokal aufmerksam wurden, gibt der Inhaber zu. „Wir wissen um die Hemmschwelle, überhaupt erst einmal durch die Toreinfahrt in unseren Hinterhof zu gehen. Trotzdem verzichteten wir bewusst auf WerbungTeilbereich des Kommunikationsmixes. Mediawerbung.
weiter mit Mausklick...“, sagt Musti. Denn die beiden wissen: Es kann bitter enden, wann man zu viel Geld in die Werbung investiert. „Deshalb setzten wir lieber auf Mundpropaganda.“ Der Plan ging auf. Die Gäste kommen in großer Zahl und bleiben abends auch gern länger sitzen. „Im Nu ist es 3 Uhr“, sagt Musti.
Bürokratische Hürden
Wegen des kalten Wetters im April konnte die Terrasse noch nicht in Betrieb genommen werden. Ab Mai bietet das Shabby Chic wieder zu den 75 Plätzen innen rund 60 weitere im verwunschenen Hof. Die Karte wird mit leichter Kost und Salat-Klassikern wie Niçoise und Waldorf-Salat angereichert. „Wir greifen nicht nach den Sternen, es soll einfach Spaß machen, bei uns zu essen“, betont Elsheikh. Und wären in dem alten Gemäuer nicht noch immer viele bürokratische Hürden zu nehmen, würden die Gastronomen noch zufriedener sein. „Ein bisschen hüpfen und springen muss man dauernd“, sagt Elsheik. „Wir hoffen, dass wir an den Herausforderungen wachsen.“


