Mindestlohn

Dokumentationspflicht: Die Bürokratie bereitet Probleme

© Sigismund von Dobschütz

Ein Jahr Mindestlohn

"So mache ich nicht weiter"

14. Januar 2016
 Alexandra Leibfried

STUTTGART. Ein alarmierender Leserbrief trifft in der AHGZ-Redaktion ein. Mit dem Tenor: "So mache ich nicht weiter." Abgeschickt von einem Hotelier, Eigentümer eines 4-Sterne-Hauses im ländlichen Raum mit renommierter Gastronomie und durchaus in einem Ort, den man als touristische Hochburg bezeichnen darf.

Er will kein offizielles Statement abgeben zum Thema, hat aber geschildert, was ihm Probleme bereitet: Das Weihnachtsgeschäft 2015 habe ihn so ausgelaugt wie noch nie. Der Grund: die mit all ihren Konsequenzen. Auch wenn er seine Mitarbeiter in früheren Zeiten nach eigenen Angaben nie ausgebeutet habe, war doch klar: Die Mitarbeiter bleiben, bis der letzte Gast glücklich gegangen ist. Legal war es nie, aber in Summe kamen er und die Mitarbeiter gut damit zurecht.

Manch einer freute sich sogar, nach einigen Tagen mit langen Schichten und sattem TrinkgeldFreiwillige Zuzahlung eines Gastes für eine Dienstleistung.
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in einen Extra-Kurzurlaub zu starten. Dazu kommt, dass er mehr PersonalIn der Hotellerie und Gastronomie haben diese durch den Kontakt zu den Gästen einen wesentlichen Einfluss auf die vom Gast wahrgenommene Dienstleistungsqualität.
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bräuchte, aber wegen des Fachkräftemangels kaum mehr Bewerbungen bekommt. Bereits im vergangenen Jahr reduzierte er die Öffnungszeiten im Restaurant drastisch, nun überlegt er, in seinem Restaurant grundsätzlich keine Gäste von außerhalb mehr anzunehmen. Er wolle sich selbst, aber auch seinen Mitarbeitern, diese zusätzliche Belastung nicht mehr zumuten.

Auch wenn andere Hoteliers und Gastronomen ihre Lage nicht ganz so drastisch schildern: In Summe wünschen sich alle mehr legale Flexibilität bie den . Das würde bedeuten, dass das Arbeitszeitgesetz reformiert und längere Schichten als 10 Stunden möglich gemacht werden. Ausnahmen gibt es bisher nur für saisonale Spitzenzeiten, nicht aber für Weihnachtsfeiern, Firmenfeiern oder Hochzeiten. In einem AHGZ-Schwerpunkt schilderten bereits Betriebe die Auswirkungen in ihren Betrieben: Ein Anstieg der Personalkostenderen Arbeitskraft in einem Unternehmen entstandene Aufwendungen.
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von bis zu 10 Prozent, reduzierte Öffnungszeiten, weniger Feiern und manch einer verriet sogar, immer wieder mal ein Risiko einzugehen und Mitarbeiter - sofern sie einverstanden sind - länger arbeiten zu lassen.

Über eine Umfrage möchte die AHGZ abklopfen, wo in den Betrieben die Hauptprobleme liegen. Bitte stimmen Sie jetzt ab. Sollte keiner der vorformulierten Antworten auf Sie zutreffen, nutzen Sie bitte unsere Kommentarfunktion und schildern Sie uns Ihre Erfahrungen.

AHGZ-Recherchen zufolge ist seitens des Bundesarbeitsministeriums derzeit die Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes für die Branche nicht angedacht. Eine Sprecherin argumentiert: Es gäbe die Möglichkeit, normale Arbeitstage von acht Stunden ohne Sondergenehmigung auf zehn Stunden auszudehen. Zudem könnten mit einer Sondergenehmigung für Saisonbetriebe sogar längere Schichten beantragt werden.

Einzelne Politiker und Abgeordnete allerdings stellen sich hinter die Forderung des Gastgewerbes, Ausnahmen für die Branche zu schaffen, beispielsweise der CDU-Spitzenkandidat in Baden-Württemberg, Guido Wolf. Er tritt am 13. März bei der Landtagswahl gegen Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Die Grünen) an. Aber auch der amtierende Wirtschaftsminister im Ländel, Nils Schmid (SPD), stützt diese Forderung (AHGZ vom 4. Mai). , Hauptgeschäftsführerin des DEHOGA
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Bundesverbandes bezeichnet das Arbeitszeitgesetz sogar als "Hauptbaustelle" (AHGZ vom 31. Oktober), während die NGG sich zum Schutz der Mitarbeiter gegen Ausnahmen ausspricht. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales argumentiert wie folgt:

Der appelliert an die Politik, bis zu dreimal pro Woche Arbeitsschichten bis zu 12 Stunden zu genehmigen, sofern der Mitarbeiter volljährig und damit einverstanden ist.


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Leser-Kommentare zum Artikel (2)

C. S., K.
C. S., K.

02.02.2016 um 19:43

Betreff: Ändert endlich was

Ich finde es schon Bedenklich das immer noch eine höhere Arbeitszeit gefordert wird und mit Reduzierung der Angestellten wegen des Mindestlohnes gejammert und gedrohrt wird. Die Gastronomie brauch sich nicht wundern das sie keine Fachkräfte mehr bekommt, man möchte immer das obtimalste wenig zahlen und arbeiten bis zum Umfallen. Monsterschicheten von 10 - 14 Stunden und mehr sind doch an der Tagesordnung.Geht doch endlich mal anständig damit um und hört auf zu jammern. In der Industrie klappt das auch und das es immer noch Hoteliers gibt die tatsächlich einen Mehraufwand in der Dokumentationspflicht beklagen ist lächerlich. Mit einem bischen guten Willen und einer Vernünftigen Personalpolitik ist das überhaupt kein Problem, aber wenn man schon bei der Dokumentationspflicht jammert das wäre zuviel arbeit dann wird es vielleicht noch mal an der Zeit zu sehen , was die Angestellten in den 14 Stunden am Tag alles so leisten müssen.Und die Leute zu entlassen und die anderen deren arbeit mitmachen zu lassen zeugt nicht gerade von einer strukturierten und durchdachten Pesrsonalpolitik. Jeder hat mitlerweile den Mindestlohn und dr damit verbundenen Dokumentationspfllicht akzeptiert und sich irgendwie damit arrangiert, sogar in der Pflege klappt das, dann sollte das in der Gastro ja wohl auch klappen und nicht so schwer sein. Außerdem finde ich es eine Unverschämtheit, wenn man so wenig Wertschätzung seinen Angestellten entgegenbringt und noch nichtmals den Mindestlohn zahlen will. Eine anständiger und präzise geplanter Dienstplan und ein vernüftige Personalpolitik kannn dem ganzen schon abhilfe schaffen, da brauch man nicht auf Feiern zu verzichten oder die Öffnungszeiten zu ändern.Ich kann mich auch nur meinem Vorredner anschließen.Die Leute die über diese Themen sich beschweren und jammern haben von der Wirklichkeit in der Gastro überhaupt keine Ahnung. Und die Chefs sparen am falschen ende. Es ist doch klar das es keine Fachkräfte mehr gibt bei den Arbeitsbedingungen

Michael  Moser, Leonberg
Michael Moser, Leonberg

28.01.2016 um 14:30

Betreff: es wird noch schlimmer!

ja... aber warum bekommt er denn keine Fachkräfte? wegen jahrelanger Ausbeutung und sozialem Raubbau seines Personals auf eigene Kosten! der Spruch "ihr seid doch eh' da", mag in der heutigen gesetzlich geregelten und bürokratisierten Welt mit ihrer "alles easy" Work-Life-Balance nicht mehr Recht gelten! Hat der werte Herr Wolf oder die werte Frau Hartges jemals schon in der harten, wirklichen Realität der Gastronomie gearbeitet... ich denke wohl eher noch nicht! vom weichen Polsterstuhl aus ist, mit bauernschlauen Ideen, gut delegieren. Das hehre Ansinnen dieser Persönlichkeiten Asylanten als Hilfs-Fachkräfte zu etablieren halte ich gelinde gesagt für eine Unverschämtheit und eine weitere Ohrfeige für alle Arbeitnehmer, nicht nur in der Gastronomie!
Hochachtungsvoll M.

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