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Gastgeber mit Leib und Seele: Susanne Reimann und Gunnar Epperlein Foto: Silke Liebig-Braunholz

Erfolgreiche Gastronomie

Suppe oder Nachtisch gehören immer dazu

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2012/4 vom 21. Januar 2012
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CALDEN. Restaurants kennt Susanne Reimann seit Kindertagen: Die gelernte Fleischereifachverkäuferin kommt aus einer Gastronomenfamilie. Fasziniert vom Umgang mit Gästen wollte Reimann, die in Kassel seit einigen Jahren eine Möbelspedition betreibt, unbedingt wieder Gastgeberin sein. Gedacht, getan. Vor zwei Jahren ersteigerte sie für 115.000 Euro das an der Hauptverkehrsstraße im nordhessischen Calden.

„Für die Gastronomie braucht man durchaus Feingefühl“, sagt sie und setzt dabei auf deftige, bodenständige Küche. Reimann liebt es, ihren Gästen Schweinebraten, Rouladen oder Gulasch zuzubereiten und steht dafür selbst jeden Abend in der Küche: „Meine Portionen sind immer üppig und eine runde Sache. Die Tagesgerichte gehen nicht ohne eine Suppe oder einen Nachtisch an den Tisch“, berichtet sie.

Reimanns für die Gastronomie wirkt überzeugend. Sie wolle anders sein und sich abheben. „Ich versuche immer, aufzufallen“, sagt sie, auch, weil es im Ort nicht einfach sei. Drei Mitbewerber gibt es, zwei davon haben einen Saal. Susanne Reimann hat nur einen Gewölbekeller – und der musste nach einem Wasserschaden erst mal völlig saniert werden. Insgesamt hat sie rund 100.000 Euro in die Heizung, in die Küche sowie in Keller und Hausanstrich gesteckt. Auch die Gästezimmer wurden von Grund auf modernisiert. Dafür hat die Wirtin einen Kredit aufgenommen.

Am 5. November 2009 öffnete das Gasthaus dann neu – pünktlich zur Kirmes in Calden. Ihre ersten Gäste lockte die Gastronomin mit Bier für 1 Euro an. „Es kamen viele Neugierige“, erzählt sie und setzt auf ideenreiche Aktionen. Am 1. Mai vergangenen Jahres hat sie etwa eine Band aufspielen lassen, zu Halloween zehn Müllsäcke mit Laub gesammelt und als Deko im Gasthaus verteilt. „Die Gäste hatten so etwas noch nicht erlebt“, sagt die in Kassel geborene Amerikanerin, die sechs Jahre ihrer Kindheit in den USA verbrachte. Stolz ist Susanne Reimann, dass sie 2011 mit schwarzen Zahlen abschließen konnte. Doch das Tagesgeschäft bleibt eine ständige Herausforderung. Reimann weiß, dass sie noch mehr fremde Gäste anlocken muss. Deshalb kommt ihr der Ausbau des Flughafens in Calden besonders entgegen.

Ab 2013 wird die Gemeinde mit ihren rund 8000 Einwohnern für den Wirtschaftsraum Nordhessen noch stärker in den Fokus rücken, wenn von hier aus Flüge nach ganz Europa möglich sein werden. „Wir brauchen ein attraktives gastronomisches Angebot“, weiß Susanne Reimann, die heute bereits von den Mitarbeitern des Flughafens lebt.

Auch deshalb sind ihre Zimmer gut gebucht. Dieses Jahr hat die Wirtin sogar noch eine Ferienwohnung im Ort erworben. Und wer kehrt bei Susanne Reimann ein? Einheimische natürlich, Kurzreisende, Familien und Wanderer, dazu Geschäftsreisende, die abends im Gasthaus speisen, wenn auch ihr Lebensgefährte Gunnar Epperlein, nach dem Bürojob, hinter der Theke steht. Auf der Karte finden die Gäste Gerichte wie etwa die „dolle Knolle“ – eine Folienkartoffel gefüllt mit Kräuterschmand für 4,20 Euro oder das Hessische Schmandschnitzel mit Salat für 9,90 Euro. Susanne Reimann liebt die regionalen Besonderheiten und kauft auch mehrmals in der Woche frisch ein, für das Frühstück ihrer Hausgäste sogar beim örtlichen Bäcker.

Hat Susanne Reimann Wünsche und Pläne? Aber ja, noch mehr Fahrradtouristen sollen kommen und den schönen Biergarten hinter dem Haus beleben. Im kommenden Jahr will sie zudem direkt an der Straße eine weitere Terrasse errichten. Im Gasthaus wünscht sie sich mehr Gruppen und freut sich über die Stammtische, die sich bereits bei ihr treffen. Dann gibt sie gern auch mal ein Schnäpschen aus.

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