Anzeige

Celine Chang: „Wir halten das, was unsere Kultur ausmacht, automatisch für normal und richtig.“

© Hochschule

Gastbeitrag

Verständnis für andere fördern

Von Prof. Dr. Celine Chang,Hochschule München, Fakultät für Tourismus.

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2016/3 vom 23. Januar 2016

Während meines Urlaubs auf einer Nordseeinsel ist mir gerade wieder bewusst geworden, wie international die Branche doch ist. Nicht nur kommen die Gäste aus aller Welt, sondern auch die Beschäftigten. Laut Bundesagentur für Arbeit liegt der Anteil ausländischer Beschäftigter im Gastgewerbe bei 28 Prozent. Die große Offenheit für Mitarbeiter aller Nationen wird oft betont, was sich auch in den Bemühungen zur Integration von Flüchtlingen widerspiegelt.

Es scheint also zu funktionieren. Braucht es da noch eine Förderung der interkulturellen Kompetenz der Mitarbeiter? Ist man nicht aufgrund der internationalen Mitarbeiter bestens für Gäste aus unterschiedlichen Kulturkreisen aufgestellt? Hierüber gibt es in den Unternehmen unterschiedliche Meinungen. In einer Studie des Personaldienstleisters GVO zum PersonalIn der Hotellerie und Gastronomie haben diese durch den Kontakt zu den Gästen einen wesentlichen Einfluss auf die vom Gast wahrgenommene Dienstleistungsqualität.
weiter mit Mausklick...
-Management in Hotellerie und Gastronomie gaben 34 Prozent der befragten Unternehmen an, dass sie keine interkulturellen Trainings durchführen und diese auch für sie nicht relevant sind. Dagegen planen 32 Prozent der Befragten entsprechende Trainings. 34 Prozent organisieren bereits interkulturelle Trainings.

Fest steht: Interkulturelle Kompetenz ist vielschichtig, sie hat eine Wissens- und eine Handlungskomponente – im Umgang mit Gästen, Mitarbeitern und Kollegen. Interkulturelle Kompetenz bedeutet, die kulturellen Prägungen bei sich und anderen zu erkennen, zu respektieren sowie sich gegenseitig aufeinander einzustellen.

Dies mag selbstverständlich klingen, ist aber im Alltag oft nicht einfach. Denn wir haben die Besonderheiten unserer Kultur derart verinnerlicht, dass wir das, was unsere Kultur ausmacht, automatisch für normal und richtig halten. Weicht das Verhalten anderer dann davon ab, sind wir zunächst irritiert und finden das meist nicht gut. Häufig entstehen dann negative Stereotypen („Die Chinesen sind immer so...“). Im Umgang sind wir dann vielleicht trotzdem freundlich, aber in uns kann es brodeln.

Und genau hierin liegt der Schlüssel zur Entwicklung interkultureller Kompetenz: Wenn wir lernen zu verstehen, warum der andere aus seiner kulturellen Prägung heraus so handelt, dann sind unsere emotionalen Reaktionen weniger heftig – und wir können besser mit kulturellen Unterschieden umgehen. Erst diese Art von interkulturellem Lernen führt zu interkulturellem Verstehen. Das entwickeln wir aber nur, wenn wir unsere Erfahrungen reflektieren und anhand von Wissen über die anderen Kulturen einordnen.

Daher ist die Förderung interkultureller Kompetenz – etwa im Rahmen der betrieblichen Weiterbildung und in Ausbildungsprogrammen – immens wichtig. Durch Sensibilisierung, Reflexion anhand von Modellen und Übungen zur Selbststeuerung wird Handlungskompetenz entwickelt. Dies führt zu einem verständnisvolleren Umgang mit dem Gast und einer besseren Zusammenarbeit im Team. Das Einbringen eigener praktischer Erfahrungen ist dabei unabdingbar. Interkulturelle Trainings, die sich dagegen nur auf der Ebene der Do‘s and Dont‘s bewegen, greifen eindeutig zu kurz und schüren eher Vorurteile.

Beflügelt interkulturelle Kompetenz den und die Gast-Orientierung?

Diskutieren Sie mit Prof. Dr. in der AHGZ-Community.

www.ahgz.de/kommentar


ThemenalarmKommentierenDrucken
Jan-Fredrik Stahlbock: „Pale Ales auf der Almhütte – das ist fragwürdig.“
Auch interessant

Konzepte nicht verwässern

Ein Gastbeitrag von Jan-Fredrik Stahlbock, Manager bei der Unternehmens- beratung Dr. Wieselhuber & Partner, München. mehr...

Lesen Sie hierzu auch folgende Artikel:


Lesen Sie hierzu folgende Bücher


Internationale Gäste
Celine Chang | Prof. Dr. Axel Gruner | Susanne Droux

Internationale Gäste

Gäste aus aller Welt sind in der deutschsprachigen Hotellerie und Gastronomie mehr als willkommen.

mehr...

Gebrauchsanleitung Mitarbeiter
Frank Simmeth

Gebrauchsanleitung Mitarbeiter

„Erstklassige Führungskräfte sind von erstklassigen Mitarbeitern umgeben. Zweitklassige nur von drittklassigen...“

mehr...

Der neue clevere Bäcker
Bernd Kütscher

Der neue clevere Bäcker

Dieses Buch, das mittlerweile in der 4. und stark erweiterten Neuauflage erscheint, ist ohne Übertreibung zum echten Standardwerk geworden, das in keiner Bäckerei fehlen darf!

mehr...

Weitere Artikel zu den Themen:

Diesen Artikel bei Google+, Xing, Twitter oder Facebook weiterempfehlen:

Bisher keine Leser-Kommentare zum Artikel

Anzeige