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Das Konzept passt: Im Hotel wirken (von links) Empfangschefin Ramona Geestmann, Küchenchef Thomas Zajaczkowski und Besitzerin Hannelore Neher Fotos: Marlis Heinz

Unternehmen

Von der Managerin zur Inhaberin

Hannelore Neher kam über Choice als Managerin ins Gothaer Quality Hotel am Tierpark, inzwischen gehört ihr das Haus

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2012/6 vom 4. Februar 2012
von

Gotha. Eigentlich sieht der Preis, den die Choice-Gruppe vergibt, ganz unscheinbar aus: Auf eine untertassengroße Glasscheibe ist eingraviert „Quality Hotel of the Year 2011, Finalist Central Europe“. Darunter der Name des Hotels: Quality Hotel am Tierpark, Gotha, Germany. Diese Schlichtheit entspricht auch der Philosophie von Inhaberin Hannolore Neher: „Qualität ist, wenn der Gast nichts davon bemerkt.“

Als Kind war Hannelore Neher überzeugt: „Niemals trete ich in die Fußstapfen meiner Eltern!“ Die Wirtstochter aus dem Wartburgkreis studierte trotzig Jura, kellnerte nebenbei, fand Freude daran – und landete so doch in der Gastronomie. Sie lernte Hotelfachfrau, hängte ein Fernstudium in Konstanz an, ging zu Hotels und wurde Geschäftsführerin des Gothaer Hauses, das ihr heute gehört.

Im Jahr 2000 reiste sie nichts ahnend zum Franchise-Meeting von Choice. Dort fand auch die Verleihung des Titels „Managerin des Jahres“ statt. „Da sprach einer eine Laudatio“, erinnert sie sich. „Und ich dachte mir, das muss ja eine interessante Frau sein. Und plötzlich endete die Rede mit meinem Namen. Ich war wie vom Donner gerührt.

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“ Der erste Anruf mit der Neuigkeit ging ins Hotel. „Schließlich war das eine Auszeichnung für das ganze Team“. Zu Hause versuchte man sofort, für die Heimkehrende einen roten Teppich zu beschaffen. Den gab es in ganz Gotha nicht, weshalb die Mitarbeiter ersatzhalber in der Stadt alles rote Papier aufkauften.

Als 2005 ein neuer Pächter für das Hotel gesucht wurde, warf sie ihren Hut in den Ring. 2009 hat sie die Immobilie ersteigert. Von diesem Augenblick an nahm sie auch richtig Geld in die Hand. Eingangsbereich und Wintergarten wurden angebaut, alle Flure und das Restaurant modernisiert, neue Textilien, Möbel und moderne Fernsehgeräte kamen in die Zimmer. Durch die neue Telefonanlage wurde schnelles Internet möglich, auch in die Küche wurde investiert. Fast 400.000 Euro steckte die neue Besitzerin in ihr Hotel.

Knapp 60 Prozent des Umsatzes macht das Haus mit Gastronomie, wobei hier vor allem Firmenveranstaltungen und Familienfeiern eine Rolle spielen. Beim Logisgeschäft sind in der Woche Geschäftsreisende entscheidend, ergänzt durch Busreisende und wenige Individualtouristen an den Wochenenden. „Wir sind jedoch eindeutig ein Businesshotel“, so die Besitzerin. „Diesen Gästekreis, der seit 2006 ordentliche Zuwächse bringt, behalten wir konsequent im Auge.“ Deshalb das Highspeed-Internet oder die speziellen Businesszimmer mit CD-Player, inklusive Minibar und Kaffee-Maschine. Die Auslastung der 118 Zimmer beträgt durchschnittlich 40 Prozent, das ist Gothaer Durchschnitt. Gut gebucht sind die zwei teilbaren Tagungsräume.

Nun also die zweite große Auszeichnung für das 3-Sterne-superior-Hotel „Natürlich war auch bei uns nicht alles perfekt“, bekennt die Chefin. „Aber es wurden nur Winzigkeiten kritisiert: ein fehlender Kuli auf dem Schreibtisch, zu wenige Briefbögen in der Mappe. Aber man ärgert sich schrecklich, denn all diese Fehlerchen haben nicht mit Investitionen, sondern nur mit Aufmerksamkeit zu tun.“

Damit ihr diesbezüglich immer fit ist, schreibt Hannelore Neher seit 2006 kontinuierlich an einem Firmenhandbuch, in dem alle Arbeitsabläufe detailliert beschrieben sind. Dieses Buch, nebst praktikablen, für das Haus maßgeschneiderten Checklisten bekommt jeder Mitarbeiter. Komplett, das heißt auch Arbeitsbereiche beschreibend, in denen er nicht eingesetzt wird. „Aber nur so kann er über den Tellerrand schauen. Natürlich muss ich dabei immer wieder über den ganzen Spielraum zwischen Pingeligkeit und Laissez-faire nachdenken“, so die Hotelchefin. Nehers Grundregel: „Qualität bedeutet nicht zusätzliche Kosten, sondern Kostenersparnis. Einer vergessenen kleinen Reparatur folgt irgendwann eine große.“

Hannelore Neher hat immer wieder Ideen, mit denen sie von sich reden macht: So rief sie den Gothaer Quality-Kellnerlauf ins Leben, bei dem die Vertreter der Häuser nicht nur mit gefüllten Bechern auf einem Tablett laufen, sondern an Stationen auch mixen oder ein Bett herrichten müssen. Diese Aktion wird auch genutzt, um Berufsnachwuchs zu gewinnen. Oder der Malwettbewerb für Gothaer Kinder: Die Sieger-Werke schmückten die Hotelzimmer, und die Kinder gewannen etwa eine Geburtstagsfeier im Hotel.

Den Choice-Pokal selbst in abholen konnte übrigens niemand aus dem Gothaer Haus. „Der geht vor“, meint die Chefin – und merkt, dass sie längst wie Ihre Eltern spricht.

Marlis Heinz




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