Personal Management
Wandern ist der Mitarbeiter Lust
STUTTGART. Tapetenwechsel tut gut. Nicht nur im Alltag, sondern auch im Berufsleben. Mitarbeiter profitieren von einem Gastspiel in anderen Betriebe nicht nur persönlich, sondern bereichern auch die Teams in den Hotels. Welche Erfahrungen haben Einzelne gemacht, wie sehen die Abläufe aus? Die AHGZ hat sich umgehört.
„Ich war total happy“, sagt Riccardo Löffler. Der Restaurantfachmann hat im Rahmen seiner Ausbildung im Hotel Louis C. Jacob in Hamburg am Austauschprogramm der Deutschen Seereedrei (DSR) teilgenommen, zu der auch die Marke A-Rosa zählt. 4 Wochen lang arbeitete er im Grand SpaAuf körperlichem Wohlbefinden basierende Erholungseinrichtung in einem Hotel.
weiter mit Mausklick... Resort A-Rosa Travemünde. Besonders gut gefallen hat ihm, dass er nicht wie ein Gast behandelt wurde, sondern „sofort voll in das Team integriert wurde“. Er lernte mit dem Buddenbrooks Restaurant ein weiteres Sterne-Restaurant in seiner Ausbildung kennen. Zudem begriff er den Unterschied zwischen einem Stadthotel und einem Urlaubsressort.
Freiwillig und beliebt
Ein vorübergehender Wechsel in andere Hotels eignet sich für Mitarbeiter, die noch aufgebaut werden. Bei großen Ketten wie Marriott, Steigenberger, Accor oder Hilton gehört er zur Ausbildung. Aber auch Individualhotels haben sich für ein solches Programm zusammenschlossen wie das Netzwerk Stars4you. Dazu zählen das Interalpen-Hotel Tyrol, Schlosshotel Münchhausen, Der Öschberghof, Die Sonne Frankenberg, Land&Golf Hotel Stromberg, Das Tegernsee, Columbioa Hotel Casino Travemünde, Hotel-Restaurant Erbprinz, Bila Vita Rosenpark, Wald &Schlosshotel Friedrichsruhe) und die CSM Cruise Services GmbHAbk. für Gesellschaft mit beschränkter Haftung.
weiter mit Mausklick..., eine Vermittlungagentur für Jobs auf internationalen Kreuzfahrtschiffen. Die Selektion Deutscher Luxushotels (Grand HotelHotel, das durch seine großzügige architektonische Gestaltung, die luxuriöse Ausstattung sowie Dienstleistungen auf höchstem Niveau gegenüber anderen Hotels herausragt.
weiter mit Mausklick... Heiligendamm, Fairmont Hotel Vier Jahreszeiten, Park Hotel Bremen, The Ritz-Charlton Berlin, Hotel Breidenbacher Hof, Excelsior Hotel Ernst, Hotel Nassauer Hof, Brenners Park-Hotel & Spa, Mandarin Oriental München und Schloss Fuschl Resor & Spa) sieht einen Austausch als festen Bestandteil ihres TraineeHochschulabsolvent, der in einem Unternehmen systematisch auf seine Aufgaben als Nachwuchsfach- oder Führungskraft vorbereitet wird.
weiter mit Mausklick...-Programms vor. „Mindestens drei Betriebe lernen ausgelernte Kräfte im mittleren Management so kennen“, sagt Sprecherin Christina Bastian.
Betriebswechsel – ob kurz- oder langfristig – sind freiwillig und sehr beliebt. Wie Riccardo Löffler haben sechs weitere Azubis und 11 Fachkräfte im Rahmen des A-Rosa-Austauschprogramms einen Teil der Wintersaison in einem anderen Resort verbracht. Die meisten Mitarbeiter aus Norddeutschland unterstützten das Team des Grand Spa Resort A-Rosa Kitzbühel in der Wintersaison. Während Azubis für höchstens 4 Wochen ausgeliehen werden können, dürfen Fachkräfte bis zu 3 Monate tauschen. „Die enge Zusammenarbeit der Resorts stärkt das Wir-Gefühl im Unternehmen“, bekräftigt der Director Human Resources der Gruppe bei A-Rosa, Stefan Weiss.
WEITERE BILDER ZUM ARTIKEL
Dass Mitarbeiter sich nicht nur mit ihrem eigenen Betrieb, sondern mit ihrer Company identifizieren sollen, wird auch bei Marriott gefördert. Alle deutschen Hotels des Konzerns tauschen Auszubildende untereinander aus. So arbeiteten nach Angaben von Madeleine Marx, Market Director of Sales & Marketing der Hamburger Marriott und Renaissance Hotels, jeweils eine angehende Hotelfachfrau sowie ein Kochlehrling für 1 bis 2 Wochen in den Schwesterhotels in Berlin und Leipzig.
Über sich hinauswachsen
Wer sich in der Hotellerie umhört, stellt fest: Die Mitarbeiter wachsen persönlich über sich hinaus und erleben eine spannende Zeit. Riccardo Löfflers positives Fazit: „Die Teilnehmer erweitern ihren Horizont, bekommen einen neuen Blick auf ihre Tätigkeit und können ihr berufliches Netzwerk ausbauen.“ Sehr lehrreich ist auch ein saisonaler Wechsel, wie ihn der Stars4you-Partner Der Öschberghof in Donaueschingen anbietet. „Fünf Azubis und drei Mitarbeiter waren im vergangenen Jahr in anderen Betrieben, erzählt Anna Becker, die für das Austauschprogramm zuständig ist.
Seit Jahren bewährt hat sich der Austausch vom Golf- und Wellnesshotel Öschberghof ins Interalpen-Hotel Tyrol. Eine Wintersaison dort sei bisher sehr erfahrungsreich für alle gewesen. Auch Aufenthalte an der Küste (Travemünde) und am Tegernsee seien sehr gefragt, so Becker. Azubis können zwei Wochen lang tauschen, ausgelernte Kräfte für mehrere Monate. Das Stars4you Trainee-Programm sieht 24 Monate in drei Destinationen vor.
Bei Steigenberger zählt ebenfalls der Blick über den Tellerrand. „Mitarbeiter können die unterschiedlichen Häuser der Gruppe vom Business-Hotels bis zum Ferienresort kennenzulernen“, sagt Silke Fraenkler, die für Talentmangement Human Resources bei Steigenberger zuständig ist. „Accor sieht den Austausch innerhalb einer Marke vor“, sagt Sprecher Michael Kirsch.
Die eigene Company oder das Netzwerk helfen bei der Organisation. „Dazu zähle eine günstige Personalunterkunft in der Nähe des Resorts ebenso wie ein herzlicher Empfang und eine gewissenhafte Einarbeitung“, sagt Stefan Weiss von A-Rosa. Und auch finanzielle Anreize können zu solch einem Wechsel motivieren. Bei Arosa gibt es „Bonuszahlungen und weitere Extras“, um Mitarbeitern die Entscheidung zu erleichtern, die Heimat für einige Wochen oder Monate zu verlassen.
Ihre Austauschprogramme sehen Unternehmen auch als wertvolle Strategie gegen Fachkräftemangel an. Silke Fraenkler von Steigenberger betont: „Langfristig sollen die Mitarbeiter durch den standortübergreifenden Austausch an das Unternehmen gebunden werden. „Neue Ideen, fachlicher Input und das Kennenlernen der Marken werden als sehr motivierend empfunden und stellen einen großen Mehrwert für die Betriebe und die Mitarbeiter dar.“ Die Selektion Deutscher Luxushotel nutzt den Austausch zwischen den Häusern, um Mitarbeiter in der Gruppe zu halten. Ein Austausch sei dann aber keine Station, sondern mit einem Jobwechsel verbunden, so Christina Bastian. Madeleine Marx von Marriott ist sich sicher, Azubis mit dem Austausch langfristig zu binden. „Von unserer Seite eine Wertschätzung und ein kleines Dankeschön an den Azubi für die Leistung im Betrieb und in der Berufsschule“, fügt sie hinzu.
Das Rhön Park Hotel arbeitet mit der Staatlichen Berufsschule Bad Kissingen zusammen. So kam der Franzose Maxime Bouin für drei Wochen in das Resort. Während die französische Ausbildung zum Hotelfachmann nur die Arbeit im Service vorseht, hat Bouin in Deutschland auch an der Rezeption gearbeitet. „Mehr noch als fachliche Erkenntnisse zählen die sozialen Kontakte während solch eines Aufenthalts“, resümiert F&B-Manager Matthias Dücker. Bouin wohnte im Hotel wie die meisten eigenen Azubis.
Helmut Heigert/Alexandra Leibfried



