Berliner Hotelmarkt
Würfel zum Übernachten ecken an
Quadratisch, praktisch, unerwünscht: Politiker kritisieren die Standortwahl der Scubes im Kreuzberger Prinzenbad
BERLIN. Der Widerstand trägt die Überschrift „Drucksache 2233/III“. Mit dem Antrag „Kein Hostel im Prinzenbad“ stoppten Lokalpolitiker Tanja Rathmann, Geschäftführerin der Scube Parks Berlin GmbH. Die Unternehmerin träumt von ökologischen Übernachtungsmöglichkeiten entlang des Berlin-Usedom-Radwegs. Urlauber sollen ab 2012 von Holzhütte zu Holzhütte radeln, von der Hauptstadt an die Ostsee. Sieben Tage dauert die Reise, macht inklusive Start und Ziel acht Standorte. Doch schon am ersten gibt’s Probleme.
Platz für drei Betten
Rathmann vermarktet Holzwürfel, neudeutsch Scubes. Fünf hat sie mit ihren Geschäftspartnern Markus Haas und Marius Jast bereits zusammengezimmert. Jeder davon ist 2,8 Meter hoch, breit und tief. Im Innern ist Platz für zwei bis drei Betten und ein Tischchen. Die wiederverwertbaren Vollholzwände erzeugen ein natürliches Raumklima.
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Stromintensive Klimaanlagen sind im Sommer überflüssig. Im Winter sollen Infrarotstrahler für mollige Wäreme sorgen.
Die Buden stehen im Berliner Prinzenbad, Kreuzberg. Das gehört zum Geschäftsmodell. Denn die Würfel docken an vorhandene Infrastruktur an. Die Gäste sollen tagsüber im Wasser kraulen, auf der Wiese entspannen und Pommes und Buletten vom Imbiss verzehren. Nachts tanzen sie durch die Kreuzberger Clubs, bevor sie erschöpft in die Betten fallen.
Der Vorstandsvorsitzende der Berliner Bäderbetriebe (BBB), Klaus Lipinsky, ist laut Rathmann begeistert von der Idee. Der Pachtvertrag mit der Scube Parks Berlin GmbH bringt ihm bares Geld. Lokalpolitiker stört die Kooperation. Die Bezirksverordnetenversammlung stoppte die Holzwürfel. In dem angenommen Antrag „2233/III“ steht: „Die verpachtete Fläche wird durch einen Zaun von den öffentlich zugänglichen Flächen des Prinzenbades abgetrennt. Damit wird dringend benötigter Platz auf Kosten der Besucher verkleinert, öffentliches Areal privatisiert.“ Jetzt dürfen statt der geplanten 40 Scubes nur fünf auf dem Gelände stehen.
Rathmann irritiert die Argumentation der Politiker: „Unser Park ist für alle Badebesucher offen. Die Berliner Bäderbetriebe wollten den Zaun. Er verhindert nur, dass unsere Gäste nachts in den Becken schwimmen.“ Jeder der will, kann tagsüber für 9 Euro einen Holzwürfel mieten. Die vier Wände schützen vor Regen. Mütter können ihre Kinder darin ungestört stillen oder Babys in den Betten Mittagsschlaf halten. Wollen zwei Erwachsene in einem Würfel übernachten, zahlen sie im Moment 49 Euro, drei Personen kommen auf 69 Euro, Frühstück exklusive. „Der Preis soll Party-Touristen abschrecken. Unsere Zielgruppe sind Familien“, sagt Rathmann. In Zukunft soll der Preis steigen. Grund für den momentanen Rabatt ist der fehlende Komfort. „Unser Geschäftsmodell beruht auf 40 Scubes. Für diese Zahl an Hütten hätte es sich gelohnt, einen alten Steinbungalow neben unserem Gelände aufzurüsten, darin Toiletten und Duschen zu integrieren. Mit fünf Scubes ist das nicht refinanzierbar“, sagt Rathmann.
Neue Standorte gesucht
Die Scube Parks Berlin GmbH nutzt ihre Holwürfel nicht nur selbst, sondern verkauft sie auch an interessierte Hoteliers und Gastronomen. Eine Hütte kostet je nach Ausstattung zwischen 7000 und 15.000 Euro. Mögliche Einsatzgebiete sind Wiesen neben Sportstätten oder Hostels.
Sebastian Wenzel


