Die Goldenen Schlüssel
Check-in wird unverkrampfter
Jahreskongress der Hotelportiers: Der Berufsstand erlebt einen Generationswechsel / Kontakt zum Gast ist persönlicher
KÖLN. Eine Siamkatze mit Augen in zwei verschiedenen Farben? Selbstverständlich konnte Thomas Munko, Chefconcierge im Ritz-Carlton Berlin, einem Gast diesen seltsamen Wunsch erfüllen. Bewaffneten Personenschutz organisieren? Kein Problem. Im nächtlichen Charlottenburg ein Auto aufspüren, dessen Besitzer vergessen hatte, wo es geparkt war? Geschafft, weil zwei Hotelangestellte mit dem Schlüssel loszogen – bis irgendwo die Scheinwerfer aufleuchteten.
Erst recht zuckt Munko nicht mit der Wimper, wenn es darum geht, Karten für ein längst ausverkauftes Konzert zu besorgen. „In jeder großen Stadt steht bis zur letzten Minute ein KontingentZimmeranzahl einer geblockten Buchung oder Gruppenreservierung.
weiter mit Mausklick... zur Verfügung, auf das wir Zugriff haben“, sagt Munko, der ebenso wie viele seiner Berufskollegen zur 1952 gegründeten Vereinigung Die Goldenen Schlüssel gehört. Beim 31. Nationalen Kongress in Köln, dem Jahrestreffen, tauschten sich mehr als 100 Concièrges und Hotelportiers aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und einigen osteuropäischen Ländern über ihre Erfahrungen aus, feierten beim Gala-Abend.
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Fest steht, dass das Berufsbild anspruchsvoll ist, immer wieder neue Aufgaben hinzukommen. Strikte Gäste-Orientierung gehört dazu. Seine Mitarbeiter hält Munko dazu an, das Wort „Nein“ aus ihrem Wortschatz zu streichen. „Sicher gibt es Situationen, in denen einem die Hände gebunden sind“, räumt er ein. „Aber dann muss man sich eben auf eine Alternative besinnen.“
Thomas Munko ist Vizepräsident der Goldenen Schlüssel. Warum? „Es ist mir ein Anliegen, mich in diese Gemeinschaft einbringen zu können, die sich durch großen Zusammenhalt auszeichnet“, antwortet der gebürtige Berliner, der vor der Rückkehr in seine Heimat in den USA bei Walt Disney gearbeitet hat. „Ich schätze es, etwas bewegen zu können, jetzt habe ich die Chance dazu“, so der 36-Jährige. Dabei weiß Munko auch um die aktuellen Herausforderungen: „Wir erleben gerade einen Generationswechsel. Die Erfahrung der Älteren ist wertvoll. Und wir müssen dem Nachwuchs vermitteln, dass Tradition ein hohes Gut ist. Dennoch dürfen wir vor Innovationen niemals die Augen verschließen. Wenn wir nicht mit der Zeit gehen, treten wir auf der Stelle.“
Ähnlich sieht das Julia Giesenkamp, auch ihr Revers ziert das Emblem der Goldenen Schlüssel. Die 32-Jährige ist Guest Relation ManagerMitarbeiter eines Hotels, der für die Gästebetreuung während des Hotelaufenthalts zuständig ist.
weiter mit Mausklick... im Kameha Grand in Bonn. Die Bezeichnung ConciergePortier.
weiter mit Mausklick... wird dort nicht verwendet. „Bei uns ist alles einen Tick lockerer“, sagt sie, „der Kontakt zu den Gästen ist direkter, allein schon durch den mobilen Empfangsbereich ohne Tresen.“ Die Aufgaben jedoch gleichen sich. Julia Giesenkamp arbeitet für arabische Gäste lange Wunschlisten ab, kennt alle Bonner Sehenswürdigkeiten und beliebte Schnitzel-Restaurants. Sie erinnert sich an die Suche nach einem ganz bestimmten iPad-Cover für eine russische Kundin, ein äußerst rares Modell. Ein Münchner Kollege verwies sie dann an einen Kontaktmann in Wien – Mission erfüllt. „Da war ich dankbar für das Netzwerk unserer Vereinigung“, fügt sie hinzu.
„Wir helfen uns gegenseitig“, bestätigt Thomas Munko, selbst an Standorten mit hoher Hoteldichte. „Wir Berliner wissen, dass wir in direkter Konkurrenz
weiter mit Mausklick... stehen. Trotzdem sind wir füreinander da. Für jeden kommt einmal der Moment, wo er Hilfe braucht.“
Und wie steht es um den Nachwuchs? Daran mangele es in seinem Beruf nicht, versichert er, auch weil es viele Quereinsteiger gebe. Was gar nicht übel sei, weil sie eine neue Sichtweise mitbrächten. Das gelte auch für weibliche Concierges, deren Zahl zunimmt. „Frauen haben einen anderen Blickwinkel, sind oft einfühlsamer“, findet Julia Giesenkamp. Sie war nach der Ausbildung im Berliner Adlon fünf Jahre in London, Thailand, Vietnam und Indonesien tätig. „Kontaktfreude und eine gute Kinderstube verstehen sich bei der Gästebetreuung von selbst“, sagt sie. „Die Gabe, jemandem in Sekunden einzufangen und auch noch bei der schwierigsten Aufgabe Ruhe auszustrahlen, dürfte eher genetisch bedingt sein.“
Fest steht: Concierges verfügen über maximale Gäste-Orientierung, machen fast jeden Wunsch wahr. Das Wort Nein gibt es nicht. Zudem wird Tradition großgeschrieben. Doch eine neue Generation steht in den Startlöchern, macht vieles lockerer. Und Quereinsteiger bringen ihre eigenen Sichtweisen mit. Regina Goldlücke

