Interview: Robert Oppeneder
Schweizer Ausbildungsrahmenvertrag als Vorbild
Herr Oppeneder, in einigen Berufen werden junge Leute mit Geld geködert, damit Sie einen Ausbildungsvertrag unterschreiben. Ist das eine Maßnahme, mit der auch Sie sich vorstellen könnten, junge Menschen zu einer Gastronomieausbildung zu motivieren?
Nein. Ich habe ein persönliches Problem damit, wenn ein Azubi einen vierstelligen Betrag erhalten soll, damit er einen Vertrag unterschreibt. Ich lehne eine solches Vorgehen strikt ab. Es kommt zu massiven Benachteiligungen. Ich hoffe nicht, dass diese Praxis in der Gastronomie Einzug hält.
Welche Rolle spielt das Azubigehalt im demografischen Wandel? Müsste man nicht die Gehälter in der Gastronomie nach oben setzen, wenn man junge Menschen für die Branche motivieren möchte?
Der Wille, seine Leute angemessen zu entlohnen sollte sicher da sein. Doch wir wissen auch, dass in der Gastronomie der Lohn um ein Drittel geringer ist als in Industrieberufen. Ich bin mir sicher, dass die monatliche Gehaltsabrechnung bei so manchem zu der Entscheidung führt, nicht ins Gastgewerbe zu gehen.
Welche Rolle spielen die Arbeitszeiten in der Gastronomie? Liefern sie nicht ein weiteres Argument für einen Ausgleich durch höhere Gehälter?
Dazu möchte ich zurückblicken. Die Schweiz stand vor 20 Jahren vor einem ähnlichen Dilemma wie wir heute. Dort hat man dann in einem Ausbildungsrahmenvertrag beschlossen, dass Überstunden entweder in Freizeit oder finanziell abgegolten werden. Damals hat niemand gedacht, dass das lösbar wäre. Heute sehen wir, dass es locker lösbar ist. Dazu müssten wir Arbeitgeber, der DEHOGA und die NGG uns aber alle an einen Tisch setzen und eine Lösung suchen, die für Arbeitgeber und Arbeitnehmer geeignet ist. Hier gibt es Gesprächsbedarf.
Was gehört noch zu Ihren Verbesserungsvorschlägen, um das Ausbildungsdilemma in der Gastronomie zu beenden?
Ich denke, dass der Gesetzgeber den Bildungsurlaub gesetzlich verankern müsste. Und wenn wir in der Summe zu einer ordentlichen Entlohnung kommen und zu Weiterbildungsmöglichkeiten über Bildungsurlaub, dann sind wir in der Gastronomie einen Riesenschritt weitergekommen. Denn dann wird das soziale Umfeld für Auszubildende erträglicher.
Die Fragen stellte Thorsten Keller

