Reduzierte Mehrwertsteuer
Ulrich Brandl verteilt Politikerschelte
MÜNCHEN. Auf die Äußerungen des CDU-Politikers Michael Fuchs, der im Gespräch mit dem Münchner Merkur die Abschaffung des reduzierten Mehrwertsteuersatzes fordert, reagiert Ulrich Brandl, DEHOGA-Bayern Präsident, mit einem Offenen Brief an die Politik. Der Wirtschaftsexperte, der auch Mitglied im CDU-Vorstand ist, verglich die "Hilfen für Hoteliers" mit den Subventionen an die Autoindustrie und forderte deren Abschaffnung. Ulrich Brandl gegenüber der AHGZ: "Ich bin erschüttert." lef
Offener Brief an Dr. Michael Fuchs, MdB: (Auszug/Quelle: DEHOGA Bayern)
... Wenn derartige Äußerungen von Menschen aus parteipolitischen, populistischen Gründen gemacht werden, bei denen Berücksichtigung und Verständnis wirtschaftlicher Zusammenhänge eher im Hintergrund stehen bzw. schlichtweg nicht vorhanden sind, kann ich das ja gerade noch verstehen. Kaum glauben kann ich allerdings, dass solche Äußerungen von Ihnen als Mitglied des CDU-Vorstandes sowie als Wirtschaftsexperte ernsthaft getätigt worden sein können.
Und zwar fehlt mir deshalb der Glaube, weil…
1. …Sie wissen müssten, dass die Maßnahme im Wachstumsbeschleunigungsgesetz verankert wurde und nicht im Preisreduzierungsverpflichtungsgesetz. Es waren Politiker Ihrer Koalition, die unseren Häusern den Charme der 70er Jahre zugeschrieben und längst fällige Investitionen in die Angebotsqualität angemahnt haben.
2. …Sie wissen müssten, dass weltweit gesehen die Hotelzimmerpreise in Europa am niedrigsten sind und innerhalb Europas die Preise der deutschen Hotellerie im unteren Drittel liegen – und das bei den wohl mit Abstand höchsten Belastungen durch Steuern und Abgaben weltweit. Wir hatten nie ein Preisproblem, wer Hotelzimmerraten fair vergleicht, wird dies schnell feststellen.
3. …Sie wissen müssten, dass es sich bei der Maßnahme mitnichten um Hilfen für Hotels gehandelt hat, sondern in einer internationalen Branche par excellence lediglich um die Herstellung längst überfälliger, fairer Wettbewerbsbedingungen, wie sie zum Teil seit Jahrzehnten in 24 von 27 EU-Staaten aus sehr gutem Grund gehandhabt werden.
4. …Sie hätten bemerken müssen, dass durch die Branche der berühmte Ruck gegangen ist und allerorten in die Qualität der Häuser und seiner Mitarbeiter investiert worden ist. Die Branche hat Wort gehalten, was Investitionen angeht. Nicht umsonst attestieren uns zum Beispiel die österreichischen Kollegen, dass ihnen die Geschäfte wegbrechen, weil die Gäste in Deutschland mittlerweile vielfach das bedeutend bessere Preis-/Leistungsverhältnis vorfinden.
5. …Sie hätten wissen müssen, dass es trotzdem Preisreduzierungen gegeben hat – laut Meldung Ihrer Regierung haben bereits im vergangenen Jahr rund ein Drittel aller Hoteliers die Preise um durchschnittlich 6,5 Prozent gesenkt.







Detlev U. Fricke, Berlin
24.08.2011 um 15:46
Betreff: Fair und gerecht
In allen anderen Nachbarländern rund um uns herum in Europa - sprich unseren ganz direkten Wettbewerbern um die Gunst der erholungssuchenden Bürger - liegt der - in der Regel reduzierte - Mehrwertsteuersatz für Beherbergungsleistungen zwischen 3 und 10 %. Damit ist er überwiegend deutlich geringer als bei uns. Seitdem der Bundestag Anfang 2010 diesen seit Jahren von allen politischen Parteien beklagten Wettbewerbsnachteil geheilt hat, wurde auch im Land Fleesensee von den Hotelbetrieben investiert, wurden die Arbeitsplätze sicherer und vermehrt. Berichtet wurde darüber in den Medien nur, dass sich "Hoteliers" - diese nostalgische unternehmerische Spezies ist übrigens außerordentlich selten geworden - mit der Reduzierung des Steuersatzes auf 7 % nur als Klientel bestimmter Parteien ihre Taschen füllten. Bei dieser Diskussion "die Kirche im Dorf zu lassen", ist das Gebot der Stunde. Eine gesunde Wirtschaftlichkeit der Betriebe ist Garant für Qualität, Kundenzufriedenheit und Wettbewerbsfähigkeit. Wie bei uns seit Anfang 2010.