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Steuern & Abgaben

Ulrich Brandl, Präsident des DEHOGA Bayern Foto: Archiv

Reduzierte Mehrwertsteuer

Ulrich Brandl verteilt Politikerschelte

23. August 2011

MÜNCHEN. Auf die Äußerungen des CDU-Politikers Michael Fuchs, der im Gespräch mit dem Münchner Merkur die Abschaffung des reduzierten Mehrwertsteuersatzes fordert, reagiert , DEHOGA-Bayern Präsident, mit einem Offenen Brief an die Politik. Der Wirtschaftsexperte, der auch Mitglied im CDU-Vorstand ist, verglich die "Hilfen für Hoteliers" mit den Subventionen an die Autoindustrie und forderte deren Abschaffnung. Ulrich Brandl gegenüber der AHGZ: "Ich bin erschüttert." lef

Offener Brief an Dr. Michael Fuchs, MdB: (Auszug/Quelle: DEHOGA Bayern)

... Wenn derartige Äußerungen von Menschen aus parteipolitischen, populistischen Gründen gemacht werden, bei denen Berücksichtigung und Verständnis wirtschaftlicher Zusammenhänge eher im Hintergrund stehen bzw. schlichtweg nicht vorhanden sind, kann ich das ja gerade noch verstehen. Kaum glauben kann ich allerdings, dass solche Äußerungen von Ihnen als Mitglied des CDU-Vorstandes sowie als Wirtschaftsexperte ernsthaft getätigt worden sein können.

Und zwar fehlt mir deshalb der Glaube, weil…

1. …Sie wissen müssten, dass die Maßnahme im Wachstumsbeschleunigungs­gesetz verankert wurde und nicht im Preisreduzierungsverpflichtungsgesetz. Es waren Politiker Ihrer Koalition, die unseren Häusern den Charme der 70er Jahre zugeschrieben und längst fällige Investitionen in die Angebotsqualität angemahnt haben.

2. …Sie wissen müssten, dass weltweit gesehen die Hotelzimmerpreise in Europa am niedrigsten sind und innerhalb Europas die Preise der deutschen Hotellerie im unteren Drittel liegen – und das bei den wohl mit Abstand höchsten Belastungen durch Steuern und Abgaben weltweit. Wir hatten nie ein Preisproblem, wer Hotelzimmerraten fair vergleicht, wird dies schnell feststellen.

3. …Sie wissen müssten, dass es sich bei der Maßnahme mitnichten um Hilfen für Hotels gehandelt hat, sondern in einer internationalen Branche par excellence lediglich um die Herstellung längst überfälliger, fairer Wettbewerbsbedingungen, wie sie zum Teil seit Jahrzehnten in 24 von 27 EU-Staaten aus sehr gutem Grund gehandhabt werden.

4. …Sie hätten bemerken müssen, dass durch die Branche der berühmte Ruck gegangen ist und allerorten in die Qualität der Häuser und seiner Mitarbeiter investiert worden ist. Die Branche hat Wort gehalten, was Investitionen angeht. Nicht umsonst attestieren uns zum Beispiel die österreichischen Kollegen, dass ihnen die Geschäfte wegbrechen, weil die Gäste in Deutsch­land mittlerweile vielfach das bedeutend bessere Preis-/Leistungsverhältnis vorfinden.

5. …Sie hätten wissen müssen, dass es trotzdem Preisreduzierungen gegeben hat – laut Meldung Ihrer Regierung haben bereits im vergangenen Jahr rund ein Drittel aller Hoteliers die Preise um durchschnittlich 6,5 Prozent gesenkt.

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Leser-Kommentare zum Artikel (5)

Detlev U. Fricke, Berlin
Detlev U. Fricke, Berlin

24.08.2011 um 15:46

Betreff: Fair und gerecht

In allen anderen Nachbarländern rund um uns herum in Europa - sprich unseren ganz direkten Wettbewerbern um die Gunst der erholungssuchenden Bürger - liegt der - in der Regel reduzierte - Mehrwertsteuersatz für Beherbergungsleistungen zwischen 3 und 10 %. Damit ist er überwiegend deutlich geringer als bei uns. Seitdem der Bundestag Anfang 2010 diesen seit Jahren von allen politischen Parteien beklagten Wettbewerbsnachteil geheilt hat, wurde auch im Land Fleesensee von den Hotelbetrieben investiert, wurden die Arbeitsplätze sicherer und vermehrt. Berichtet wurde darüber in den Medien nur, dass sich "Hoteliers" - diese nostalgische unternehmerische Spezies ist übrigens außerordentlich selten geworden - mit der Reduzierung des Steuersatzes auf 7 % nur als Klientel bestimmter Parteien ihre Taschen füllten. Bei dieser Diskussion "die Kirche im Dorf zu lassen", ist das Gebot der Stunde. Eine gesunde Wirtschaftlichkeit der Betriebe ist Garant für Qualität, Kundenzufriedenheit und Wettbewerbsfähigkeit. Wie bei uns seit Anfang 2010.

Franziska Schumacher, Hollfeld
Franziska Schumacher, Hollfeld

24.08.2011 um 12:09

Betreff: Brandl - deutliche Worte

Der Kommentar sitzt! Bestens ausformuliert und auf den Punkt gebracht. Herr Präsident - weiter so für die Branche! Die Gastronomie wartet ja auch noch auf einen reduzierten Satz. 10 % wie in Österreich auf Speisen im Restaurant statt 7 wäre doch auch eine Lösung? Hoffentlich nimmt diese Stellungnahme nicht nur unsere Branche wahr. Und hoffentlich denkt man auch bei der nächsten Wahl noch daran. Dümmer gehts nimmer betrifft noch mehr Figuren in der jetzigen Regierung.

Norbert Eimermacher, Hagen
Norbert Eimermacher, Hagen

23.08.2011 um 20:25

Betreff: Ulrich Brandl verteilt Politikerschelte

Als selbstständiger Fachberater für die Hotellerie kann ich jeden einzelnen Punkt, werter Herr Brandl, so unterschreiben. Im Alltag dürfen meine Partner und ich alltäglich den Hotelkollegen immer wieder Mut machen für ihre Unternehmensinteressen auch gegenüber Kunden durchzusetzen und auf rentable Umsätze zu achten. Dazu kommt, dass man genau dieser Versuchung zur Preissenkung widerstehen muss und den Kollegen dazu Mut macht. Und dann fährt Herr Fuchs mit seinen populistischen Bemerkungen mit Randgruppencharakter uns allen in die Parade. Ich wünsche mir mehr Menschen wie Sie mit Hang zu klaren Worten. Machen Sie bitte weiter!

Peter Anton Bosch, Bad Säckingen
Peter Anton Bosch, Bad Säckingen

23.08.2011 um 19:19

Betreff: Brandl DEHOGA

Selten habe ich so eine Klatsche gelesen gegen einen "politischen Freund". Sehr komplex, sehr differenziert und sehr sachkundig. Herr Brandl ist sicher Mitglied im Verein für deutliche Aussprache. Mir fällt der Multifunktionär Dr. Wichtig immer negativ in den Talkshows durch seine inkompetente Großmäuligkeit auf. (Wickipedia:) "Nach dem Abitur 1967 leistete Fuchs seinen Wehrdienst ab und absolvierte anschließend ab 1969 ein Studium der Pharmazie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, das er 1973 mit der Approbation zum Apotheker beendete. 1976 erfolgte seine Promotion zum Dr. rer. nat. an der Universität Bonn mit der Arbeit "Untersuchung der Pregnandiol-Glucuronyl transferase der Rattenleber ihre Multiplizität und Altersabhängigkeit" 1980 gründete Fuchs das Unternehmen Impex Electronics. (Eine Vertriebsfirma für Werbeartikel.) Im August 2010 positionierte sich Fuchs als einer von 40 Unterzeichnern des Energiepolitischen Appells, einer Lobbyinitiative der vier großen Stromkonzerne um die Laufzeit-Verlängerung deutscher Kernkraftwerke voranzubringen." Geballte Kompetenz an der Spitze der Wirtschaftspolitik in Deutschland. Ein promovierter Apotheker und Werbeartikel-Verkäufer in der ersten Reihe der CDU und ein Arzt als Fachminister. Und die Wirtschaft brummt trotzdem.

Peter Zimmermann, Beuron
Peter Zimmermann, Beuron

23.08.2011 um 17:28

Betreff: Reduzierte Mehrwertsteuer

Dem Kommentar des Herrn Brandl stimme ich voll und ganz zu.Diesem Herrn Fuchs kann man eigentlich nur raten sich die notwendigen Sach-und Fachkenntnisse anzueignen, bevor er seinen Mund aufmacht. Dümmer geht es schon nicht mehr !!!