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Expansion

Oyo will Europa erobern


Oyo Hotels & Homes aus Indien analysiert derzeit neue Märkte. Gründer und CEO Ritesh Argawal erklärt, warum er gerade auch in Deutschland Potenzial sieht: „Wir glauben, dass jeder Markt sehr unterschiedlich ist und maßgeschneiderte Lösungen benötigt. Deutschland ist eine der Top-5-Wirtschaften der Welt und ein großer Hotelmarkt, der wegen der Affinität der Reisenden zu Unterkünften im Bereich Economy und Mittelklasse ein enormes Potenzial hat. Ein Team von Analysten untersucht derzeit Marktpotenziale und -herausforderungen.“

Drittgrößte Hotelgruppe weltweit bei der Zimmerzahl

Die Expansion des einstigen Start-ups, das 2013 die ersten Hotels in Indien unter Vertrag nahm, läuft rasant. Oyo gilt heute als drittgrößte Hotelgruppe weltweit nach Zimmern und ist in 800 Städten und 80 Ländern vertreten, darunter Großbritannien, die USA, Malaysia, die Vereinigten Arabischen Emirate, die Philippinen, Nepal und Japan. „Weltweit haben wir aktuell 850.000 Zimmer in 23.000 Hotels und über 46.000 Wohnungen im Angebot und beschäftigen mehr als 17.000 Mitarbeiter, rund 8500 von ihnen in Indien und Südasien“, sagt Agarwal. Er hatte als 17-Jähriger auf einer Rucksacktour durch sein Heimatland den Standard und die Buchbarkeit von preiswerten Unterkünften bemängelt und sich sofort daran gemacht, diesen Zustand zu ändern.

Die von Oyo entwickelten digitalen Lösungen für Hoteliers revolutionierten in kürzester Zeit das fragmentierte und preisgünstige Hotelsegment in Indien. Hoteliers, die sich Oyo anschließen, erhalten Unterstützung bei Themen wie der Standardisierung von Dienstleistungen, Bestandsmanagement, Service, Revenue- und Customer-Relationship-Management. „Die Auslastung der Häuser in allen Ländern, in denen wir Oyo Hotels eingeführt haben, ist in weniger als drei Monaten durchschnittlich um 25 bis 65 Prozent gestiegen, teilweise werden konstante Auslastungen von 90 Prozent erreicht“, so Argawal. Finanziell wird Oyo inzwischen mit Milliarden von Dollar von globalen Investoren unterstützt, darunter die SoftBank Group, Lightspeed India, Sequoia Capital, Greenoaks Capital, Hero Enterprise und China Lodging Group sowie Airbnb, das alleine mit 200 Mio. USD an Bord ist.

Nach dem Start im Budget-Segment bietet Oyo heute Marken für alle Einkommensgruppen. Oyo Townhouse (aktuell 100 Hotels weltweit) bezeichnet sich als freundliches Nachbarschaftshotel im Mittelklasse-Segment für Millennials, die Premium-Economy wünschen. Palette Resorts stehen für kuratierte Urlaube und Erlebnisse zu wettbewerbsfähigen Preisen im oberen Bereich von Ferienhotels. Capital O ist ein Angebot für junge Reisende sowohl im Business- als auch im Freizeitbereich. Silver Key (55 Hotels mit 1601 Zimmern in Indien), das im April 2018 an den Start ging, ist speziell auf Geschäftsreisende ausgerichtet. Collection O, die jüngste Marke unter dem Oyo-Dach mit zurzeit 175 Hotels in 37 indischen Städten, bietet größere und geräumigere Zimmer mit einer gehobenen Ausstattung, Wäscheservice, unbegrenztem Frühstück und 24/7 Room-Service. Oyo Homes sind von Oyo gemanagte Privatunterkünfte, derzeit 46.000 Wohnungen, Häuser und Villen weltweit. Durch den Kauf der Leisure Group (Belvilla, DanCenter, Danland) aus Amsterdam sind die Inder im Ferienhaus-Segment stark in Europa vertreten, mit 30.000 Angeboten von Spanien bis Norwegen.

Bisher zwei Oyo-Marken

in Europa

In Europa hat die Gruppe neben den Ferienhäusern aktuell Pläne mit Oyo Hotels und Oyo Townhouse. Im Oktober 2018 setzte sie erstmals einen Fuß nach Großbritannien, wo inzwischen 70 Hotels mit 1500 Zimmern unter Vertrag stehen. „Wir beschäftigen in Großbritannien heute 150 Mitarbeiter, es war unser erster Markt außerhalb Asiens und damit ein Meilenstein unseres internationalen Wachstums. Im vergangenen Jahr haben wir Jeremy Sanders, den Mitbegründer der Restaurantkette Coco di Mama, zum Geschäftsführer in Großbritannien ernannt. Wir sind im ersten Jahr dort aktiv und werden bald 100 Hotels erreichen, außerdem planen wir im Laufe des Jahres Investitionen von insgesamt 40 Mio. Pfund. Wir möchten die Nummer eins in Großbritannien werden,“ so Argawal.

Die Oyo App verzeichnet heute über 10 Mio. Downloads, Benutzer können damit Zimmer und Zimmerservice buchen, ein Taxi ordern und auch Restaurants in der Nähe suchen. Oyo bietet zudem über die „Oyo-Captains“ einen Concierge-ähnlichen Assistenz-Service. Diese lokalen Repräsentanten in den Hotels unterstützen Reisende vor Ort bei ihren Wünschen.

Oyo schließt sowohl Franchise- als auch Pachtverträge ab. „Wir bringen uns selbst ein. Wir investieren gemeinsam mit den Eigentümern in die Immobilie und bieten kostenlose Beratung zur Modernisierung der Infrastruktur und des Designs der Hotels. Wir schaffen die Konvertierung einer Immobilie in der Rekordzeit von 14 bis 30 Tagen, der Industriestandard liegt bei bis zu 90 Tagen“, so Argawal. Dabei sei es egal, ob das Hotel in Großbritannien oder in Indien liege. „Heute haben 80 bis 90 Prozent der Hotels weltweit 100 Zimmer oder kleiner, während fast 100 Prozent der Hotelketten aber Hotels mit 100 Zimmern oder mehr haben. Oyo weiß, wie man ein Hotel mit weniger als 100 Zimmern profitabel betreibt.“

Treugast-Gründer Stephan Gerhard sieht für Oyo hierzulande durchaus eine Chance, allerdings nicht eine Expansion in dem atemberaubenden Tempo, mit der die Expansion in Schwellenländern voranschreitet. „Sie werden den deutschen Markt nicht aufrollen, aber für 30 bis 50 Häuser sehe ich durchaus Platz“, so Gerhard. Oyo sei die gegenläufige Entwicklung von dem was Motel One oder andere Budget-Anbieter täten, die ihre Häuser aktuell deutlich upgradeten.

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