Gastbeitrag


Gastbeitrag

"Liegenbleiben ist keine Option"

Wie sie die Pleite ihres Unternehmens JT Touristik überwunden hat und mit ihrer Seelandhaus GmbH neue Projekte plant, darüber schreibt Jasmin Taylor.

Jasmin Taylor: "Ich hatte jahrelang auf Personality-PR gesetzt. Das machten mir viele nun zum Vorwurf."Jasmin Taylor: "Ich hatte jahrelang auf Personality-PR gesetzt. Das machten mir viele nun zum Vorwurf."

Wer ein Unternehmen führt, trägt eine Menge Verantwortung auf seinen Schultern – für sich ebenso wie für eine ganze Reihe an Menschen. Das war bei mir nicht anders. Umso emotionaler habe ich die Zeit vor der Insolvenz von JT Touristik vor rund zwei Jahren in Erinnerung. Es war gelinde gesagt ein wahrer Krimi, der sich damals abspielte.

In die sprichwörtliche Schieflage war mein Unternehmen nicht von heute auf morgen geraten. Viel mehr führte eine Verstrickung von mehreren Ereignissen zu den Schwierigkeiten, die letzten Endes das Aus für das Unternehmen in damaliger Form bedeuteten. In den Jahren davor war es steil bergauf gegangen. Von einem Newcomer hatte sich das Unternehmen zu einem der größten Veranstalter der Branche entwickelt.

Was uns unter anderem so erfolgreich machte, war ein ausgeprägtes Brand-Marketing, aber natürlich auch die Tatsache, dass wir ganz klar auf Personality PR setzten. Dies verlieh JT Touristik einen entscheidenden Vorteil gegenüber den Mitbewerbern und schuf hohe Wiedererkennung sowie eine ausgeprägte Bindung an die Marke.

Auch unsere Preise waren sehr konkurrenzfähig. Das lag am geschickten Einkauf, aber auch an der günstigen Gesamtkalkulation. Einen Baustein bildeten die guten Konditionen mit der Insolvenz-Versicherung. Als sich diese jedoch aus der Branche zurückzog, wurde mir irgendwann klar, dass sich eine Versicherung zu diesen Voraussetzungen nicht mehr finden lässt.

Hinzu kamen das Straucheln und schließlich das Ende von Air Berlin. Als Spezialist für die Vereinigten Arabischen Emirate hatten wir ganz stark auf Abu Dhabi gesetzt und große Volumina auf den Flügen der Air Berlin eingekauft. Nach deren Insolvenz war es praktisch unmöglich, alle bestehenden Buchungen auf andere Airlines umzulenken.

Und so kam schließlich der Moment, als mir klar wurde: Ich muss die Reißleine ziehen. Nicht zuletzt, um das Unternehmen verkaufen zu können und für den sicheren Arbeitsplatz meiner Mitarbeiter zu sorgen. Danach folgte für mich persönlich erst einmal große Stille. Nach der Belastung der Monate davor war ich zugegebenermaßen wie ausgebrannt. So etwas kann einfach nicht spurlos an einem vorbeigehen.

Was mir half, war der Halt durch meinen Mann, meine Freunde und meine Familie. Sie fingen mich in der schweren Zeit auf. Zudem zog ich buchstäblich den Stecker in Sachen Social Media – zu belastend erschienen mir die Diskussionen im Netz um meine Person. Ich hatte jahrelang auf Personality-PR gesetzt. Das machten mir viele nun zum Vorwurf. Die, die meinen Erfolg misstrauisch gesehen hatten, fühlten sich nun bestätigt. Es gab also durchaus Schadenfreude.

Was es allerdings ebenso gab: Eine Welle der Sympathie und Anteilnahme. Langjährige Geschäftspartnerschaften zahlten sich in der Krise besonders aus. Von allen Seiten kam moralischer Support. Viele setzten sich in öffentlichen Diskussionen und im Netz auf bemerkenswerte Weise für mich ein. Dennoch musste ich für einige Monate abtauchen und den Kopf freikriegen.

Ich entschloss mich, mich nur noch mit Freunden und Familie zu umgeben, mich um meine eigenen Bedürfnisse zu kümmern und viel zu reisen. Es half! Ich konnte mich zunehmend von der Krise distanzieren und neue Kraft schöpfen. Und: Ich konnte überlegen, wie es weitergehen soll.

Hatte ich kurz nach der Insolvenz noch zu mir selbst gesagt, dass die Reisebranche für mich passé ist, entdeckte ich meine Leidenschaft für die schönste Thematik der Welt wieder und gelangte zu meiner neuen Geschäftsidee.

Der Gedanke: Den Berlinern Auszeiten im Umland anzubieten, die zu ihren Bedürfnissen passen. New York hat bekanntlich die Hamptons, aber was hat die deutsche Bundeshauptstadt? Der Spreewald bietet zwar die entsprechende Hardware, ist aber ehrlich gesprochen eine Art ungeschliffener Diamant. Und genau das wollte ich ändern.

Ich begab mich also auf die Suche nach außergewöhnlichen Grundstücken an Brandenburger Seen und wurde fündig. Auf einem Areal eröffne ich derzeit sukzessive ein Feriendorf mit Cottages sowie Eventscheune. Im kommenden Jahr fällt der Startschuss zu einem Luxushotel am Schwielochsee. Beide Projekte sollen urbanen Stil mit größtmöglicher Naturnähe verbinden.

Und da bin ich nun wieder – nach einer gewissen Schaffenspause und dem sprichwörtlichen Reset. Es ist bei uns Menschen nicht viel anders als bei einem elektronischen Gerät: Nach einem Neustart funktionieren wir meist besser. Zurückblickend war die Zeit schwer und ein irrsinniger Einschnitt. Ich möchte aber nichts missen und bin mir bewusst, dass Rückschläge zum Unternehmertum ebenso dazugehören wie die berühmten Höhenflüge. Jede Krise birgt schließlich auch eine Chance ...


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