Coronavirus


Sauberkeit

ahgzplus Rein muss sein

Corona zwingt Hotels, die Hygiene noch ernster zu nehmen als sonst. Professionelle Mittel und Methoden sind unerlässlich.

Nicht mischen: Bei Wischtüchern jetzt besonders auf die richtige Farbe achten.Nicht mischen: Bei Wischtüchern jetzt besonders auf die richtige Farbe achten.

In dieser Corona-Pandemie spielt das Housekeeping eine zentrale Rolle. Hotels müssen sich neuen Herausforderungen stellen: Eine kompromisslose Umsetzung der Hygienemaßnahmen, mit dem Ziel hygienisch einwandfreier Ergebnisse, ist das Gebot der Stunde.

„Die Hotelzimmer sollten derzeit bei Belegungswechsel einer desinfizierenden Reinigung unterzogen werden“, sagt Frank Lahmann, Verkaufsleiter Facility Management bei igefa. „Und auch nachdem die Pandemie abgeklungen sein wird und sich die Lage in der Hotellerie wieder normalisiert hat, wird der Hygiene im Hotel höhere Priorität eingeräumt werden müssen als bisher schon“, ist sich Maria Radinger sicher. Die Beraterin im Housekeeping hat den Beruf der Hausdame von der Pike auf gelernt.

Professionelle Produkte geben Sicherheit

Das Corona-Virus hat wohl allen die Bedeutung des Housekeeping für Hygiene und Sauberkeit im Hotel klar gemacht: Spätestens jetzt schlägt die Stunde der professionellen Produkte und Systeme, denn sie sind bedarfsgerecht auf die Hotelreinigung zugeschnitten. „Geräte für den Privatgebrauch werden den Anforderungen an Zuverlässigkeit, Langlebigkeit sowie Zubehörvielfalt und Ersatzteilverfügbarkeit nicht gerecht. Auch die Servicestruktur ist nur im Profi-Umfeld zu finden“, sagt etwa Sascha Nina Keller, Produktmanagerin Bodenreinigung bei Nilfisk. Und Thomas Schnell von Dr. Schnell Chemie ergänzt: „Viele Haushaltsmittel werben damit, dass sie gegen 99,9 Prozent aller Bakterien wirken. Das hört sich nach viel an, ist es aber nicht. Bei einem Besatz von 1 Million Keimen überleben tausend die Behandlung. Wir arbeiten im professionellen Bereich mit fünf Log-Stufen, also 99,999 Prozent. Das heißt dass nach der Desinfektion zehn übrig bleiben.“

Aus diesem Grund sollten bei den chemischen Reinigungs- und Wäschereimitteln in der Hotellerie ebenfalls nur professionelle, bedarfsgerechte Produkte eingesetzt werden. „Nicht nur wegen ihrer Leistungsfähigkeit, sondern auch wegen ihrer Materialverträglichkeit und Anwendersicherheit“, erklärt Sandra Wenz, Marketing Manager bei Diversey Deutschland.

Alle Hersteller stellen zudem derzeit zu ihren Reinigungs- und Wäschereiprodukten nicht nur Anwendungshinweise und Reinigungsanleitungen zur Verfügung, sondern unterstützen verstärkt mit Hygiene- und Maßnahmenplänen. Housekeeping-Beraterin Maria Radinger rät, nicht nur das Housekeeping, sondern das gesamte Hotelpersonal mit Hygienemaßnahmen im Hotel vertraut zu machen. „Und ganz wichtig ist es, auch die Gäste zu informieren. Denn Offenheit und Aufklärung tragen entscheidend zur Beruhigung bei, die Gäste sollen sich im Hotel ja wohl und weitgehend sicher fühlen.“

Glatte Oberflächen besonders gut reinigen

Erste, im Deutschen Gesundheitsportal veröffentlichte Studienergebnisse zeigen, wie lange das neuartige Virus Sars-CoV-2 auf Oberflächen überleben kann. Demnach konnte das Virus auf Plastik und Edelstahl auch noch nach 72 Stunden in geringer Konzentration nachgewiesen werden, bei Pappe war dies immerhin noch nach 8 Stunden der Fall. Die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau) hat daher Verhaltensregeln für Reinigungskräfte zusammengefasst: So sollte das Reinigungsmittel nicht aufgesprüht, sondern verwischt werden, damit die gesamte Oberfläche erreicht wird. „Im Sanitärbereich ist es eminent wichtig, dass das Farbsystem der Tücher genauestens beachtet und angewendet wird. Nach der Anwendung sind die Tücher unbedingt abzuwerfen, und für den nächsten Bereich neue Tücher zu verwenden“, betont Klaas-Matti Nolte, Schulungsreferent bei Kärcher.

Im Motel One Köln ist Hotelmanager Mathias Gerber für 424 Gästezimmer verantwortlich, er kennt die Abläufe. „Pro Zimmer mit Bad benötigen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sechs oder sieben Tücher, es können durchaus mehr sein.“ Auf diese Weise kommen täglich mehr als 2000 Stück zusammen. „Gebrauchsfertige, vorgetränkte Tücher können die Flächendesinfektion erleichtern. Ein besonderes Augenmerk sollte derzeit darauf gelegt werden, dass die benutzten Desinfektionsmittel mindestens der Kategorie „begrenzt viruzid“ entsprechen, um die beabsichtigte Wirkung im Kampf gegen das Corona-Virus zu erhalten“, rät Frank Lahmann, Verkaufsleiter Facility Management bei der Igefa.

Mopps und Tücher bei hoher Temperatur waschen

Wer die Wäsche im eigenen Haus pflegt, hat die Qualitätskontrolle selbst in der Hand. Wenn Haushaltswaschmaschinen im Einsatz sind, sollten diese spätestens jetzt durch professionelle Waschmaschinen ersetzt werden. „Denn Haushaltswaschmaschinen sind nicht in der Lage, die in chemothermischen Desinfektionswaschverfahren vorgeschriebenen Temperaturhaltezeiten abzubilden“, so Jan-Peter Elsebach, staatlich geprüfter Desinfektor bei Electrolux Professional. Die genauen Parameter können zum Beispiel der Desinfektionsmittelliste des Robert-Koch-Institutes entnommen werden.

Auch das gründliche Reinigen der Reinigungsutensilien gehört zum Gebot der Stunde. „Mit entsprechenden Waschverfahren und Hygieneprogrammen lassen sich bei Bedarf, und gerade auch beim Waschen von Mopps und Wischtüchern, sehr hohe Hygienestandards erreichen. In Profi-Waschmaschinen ist sowohl eine thermische Desinfektion, meist bei einer Temperatureinstellung von 85 Grad über 15 Minuten und unabhängig vom verwendeten Waschmittel möglich, als auch die chemo-thermische Desinfektion über ein zugesetztes Desinfektionsmittel“, sagt Anke Schläger von Miele.

Da die Corona-Viren zur Gruppe der behüllten Viren gehören, sind sie bei hoher Temperatur in der Hotelwäschepflege gut inaktivierbar. „Bettwäsche, Frotteewaren und auch Tischwäsche muss bei mindestens 60 Grad gewaschen werden“, betont Hans Werner Groß, Geschäftsführer Wäschekrone.

„Bei aller Reinlichkeit – Überdesinifizieren bringt nichts“, gibt Thomas Schnell, Geschäftsführer von Dr. Schnell, zu bedenken. Um das Housekeeping bei seiner täglichen Aufgabe, für Sauberkeit und Hygiene zu sorgen, zu unterstützen, werden von vielen Unternehmen und Housekeeping-Beraterinnen externe sowie Inhouse-Schulungen angeboten, letzteres um eine langfristige erfolgreiche Arbeit zu ermöglichen. Maßnahmenkataloge und Informationen sind über die Hersteller-Webseiten und andere Institutionen zu beziehen. Auch die ahgz unterstützt in der Coronakrise mit einem Whitepaper zum Krisenmanagement für die Hotellerie.


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