Café Future live | Mutmacher: Per Traktor zur...
Café Future live | Mutmacher

Per Traktor zur Parkbank

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Kochboxen, Mittagsgerichte fürs Büro und Homeoffice, digitale Events, Bewirtung auf der Parkbank – drei einfallsreiche Unternehmer sprachen im Café Future live mit Moderatorin Ilona Renner über ihre Lockdown-Konzepte.
Kochboxen, Mittagsgerichte fürs Büro und Homeoffice, digitale Events, Bewirtung auf der Parkbank – drei einfallsreiche Unternehmer sprachen im Café Future live mit Moderatorin Ilona Renner über ihre Lockdown-Konzepte.

Im Café Future live-Talk zum Special Mutmacher begrüßte foodservice-Redakteurin Ilona Renner drei Gastro-Unternehmer, die in den vergangenen Monaten ihre Geschäftsmodelle auf die Lockdown-Situation umgestellt haben. Kreativ und flexibel haben Simon Horn (Restaurant Margarete, Frankfurt), Karl-Gustav Müller (Fasanerie, Fulda) und Jan Dinter (eurekantine.de) neue Wege zum Gast aufgesetzt. Welchen Herausforderungen sie dabei begegnet sind und von ihren Learnings, berichteten die drei Unternehmer im Café Future live im Rahmen der IDX_FS powered by Internorga.

Nicht immer ist es eine brandneue Idee, die die perfekte Lösung für eine Krise bieten kann. So auch im Falle von eurekantine.de. Das Konzept für die Kantine aus dem Netz schickte der Co-Founder von we celebrate, Jan Dinter, bereits 2019 ins Rennen: Gekocht wird in einer Zentralküche, bestellt wird digital. Mit diesem Angebot richte man sich in erster Linie an Unternehmen, die die kritische Mitarbeiter-Anzahl, ab der sich ein Kantinenbetrieb vor Ort lohne, nicht erfüllten – die aber dennoch ihre Mitarbeiter "mit einem leckeren Essen wertschätzen wollten", so Dinter. "Und diese Zahl der Unternehmen wächst, da die Zahl der Gäste in der stationären Betriebsgastronomie abnehmen wird. Immerhin bedeutet schon ein einziger Homeoffice-Tag für die Kantinen vor Ort einen Umsatzrückgang von 20 Prozent."

Essen auch fürs Homeoffice?

Doch wie kommt das Essen zu den Gästen im Homeoffice? Ein zweites Lieferando werde man wohl nicht werden, stellte Dinter klar. Denkbar sei aber zum Beispiel die Lieferung mehrerer Essen an eine zentrale Station, an der die Mitarbeiter im Homeoffice es dann abholten. "Oder aber, und so wird es bereits praktiziert: Sind die Mitarbeiter im Unternehmen, bestellen sie nicht nur das Essen für den jeweiligen Tag, sondern nehmen sich bereits ein weiteres für den Folgetag mit."

Kochboxen und hybride Events

Anders als Dinter begab sich Simon Horn, Küchenleiter und Gesellschafter des Restaurants Margarete in Frankfurt, in Lockdown 1 auf völlig unbekanntes Terrain. Er stellte kurzerhand ein neues Geschäftsmodell auf die Beine: Mit seinen Kochboxen will Horn das Restauranterlebnis in die Esszimmer seiner Gäste bringen. "Und das lief auch von Tag 1 an sehr gut und hat sich stetig weiterentwickelt", berichtete der gelernte Koch. Gewandelt hat sich aus Horns Sicht von Lockdown 1 zu Lockdown 2 allerdings die Motivation der Gäste: "Im ersten Lockdown haben wir viel Solidarität von unseren Stammgästen erfahren. Im zweiten Lockdown bestellen die Gäste zweckbezogener." Damit sei das Bestellvolumen leider auch etwas zurückgegangen.

Doch Horn und Geschäftspartnerin Raffaela Schöbel blieben am Ball und setzten gleich das nächste Geschäftsmodell auf. Auf das B2C-Konzept folgte ein B2B-Konzept: das hybride Event, sprich eine Veranstaltung, die zum Teil tatsächlich vor Ort in einer realen Location wie dem Restaurant Margarete stattfindet, für das Gros der Teilnehmer jedoch als Live-Stream vor dem Bildschirm. "So kann etwa der Geschäftsführer einer Firma live und vor Ort eine Rede halten, die Teilnehmer sehen sie aber im eigenen Zuhause", erklärte Horn. Atmosphärisch sei diese Lösung der klassischen Videokonferenz doch klar überlegen. "Man schafft es so, dass die Leute sich zusammen freuen können."

100 Hektar Platz für Social Distancing

Platz war in den Frühjahrs- und Sommermonaten der klare Vorteil von Gastronom Karl-Gustav Müller. 100 Hektar Parklandschaft standen dem Pächter der Museumsgastronomie im Schloss Fasanerie in Eichenzell bei Fulda zur Verfügung – und die nutzte Müller mit großem Erfolg. Per Mini-Traktor lieferten die Mitarbeiter Speisen, Eis und Getränke bis zu den Parkbänken aus.

Für den zweiten, Anfang November begonnenen Lockdown waren die Parkbänke selbstredend keine Option mehr und so lud Müller zum Auto-Dinner. Die Gäste dankten es ihm und stellten sich auch hier sofort ein. 120 Gäste bewirtete die Fasanerie an Freitag- und Samstagabenden im Januar und Februar in ihren Autos. "Damit sind wir sehr zufrieden – auch wenn es natürlich ein sehr aufwändiges Konzept ist", so Müller.

Mitarbeiter im Lockdown

Antrieb für das Engagement im Lockdown hätten nicht zuletzt auch die Mitarbeiter gegeben. "Wir sind alle auch Workaholics", so Simon Horn, der dank seiner Lockdown-Konzepte das Kernteam der Margarete halten konnte. "In der nächsten Saison brauche ich wieder jeden Mitarbeiter", fügte Müller hinzu. "Ich wage zu bezweifeln, dass sie alle noch da wären, wenn wir vier Monate nichts getan hätten." Nicht wenige Gastro-Mitarbeiter, so höre er aus der Branche, hätten sich Anstellungen in anderen Bereichen gesucht.

Blick in die Zukunft

Von Moderatorin Ilona Renner aufgefordert, wagten die Gastronomen zum Abschluss der Runde noch einen Blick in die Glaskugel. "Voll besetzte Gasträume wird es wohl erst im September geben", so die Prognose von Simon Horn. Erst dann gebe es eine ausreichende Durchimpfung. Dem stimmte auch Karl-Gustav Müller aus Fulda zu: "Den ersten rappelvollen Gastraum wird es am ersten Septemberwochenende geben, wenn das Wetter von Sonnenschein auf Regen wechselt."

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